Gussklammerverankerter Zahnersatz

Das Stiefkind der deutschen Prothetik

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Patientenfall 3

Das Orthopantomogramm (Abbildung 13) zeigt die Gebisssituation einer 92-jährigen Patientin mit reduziertem, aber altersgerechtem Allgemeinzustand. Die Zähne 33 und 43 tragen intakte metallkeramische Kronen eines kombiniert festsitzend-herausnehmbarem Zahnersatzes mit eingearbeiteten Klammerauflagen und oralen Fräsungen (Abbildung 14). Der Gegenkiefer ist suffizient mit einem totalen Zahnersatz versorgt. Grund der Überweisung war ein sehr flacher Mundboden, der einen adäquat dimensionierten und positionierten sublingualen Bügel nicht zuließ. Die klinische Entscheidung fiel zugunsten eines gussklammerverankerten Zahnersatzes mit lingualer Platte als großem Verbinder (Abbildungen 15 und 16).

 

Abbildung 13: OPTG der 92-jährigen Patientin bei Erstvorstellung | Böning

Abbildung 14: anteriores Restgebiss der Patientin | Böning

Unterdimensionierte, mit fortlaufenden Klammern ergänzte Bügel haben sich nach Erfahrungen an unserer Institution wenig bewährt. Linguale Platten sind mechanisch sehr stabile große Verbinder, bedecken aber die marginalen Parodontien des anterioren Restzahnbestands und sind daher parodontalhygienisch ungünstiger einzustufen als sublinguale Bügel. Keinesfalls jedoch sind sie mit Kragenplatten einfacher temporärer Teilprothesen gleichzusetzen. Letztere traumatisieren aufgrund fehlender okklusaler Abstützung die bedeckten parodontalen Gewebe.

 

Abbildungen 15 und 16: Linguale Platte als großer Verbinder bei hohem Mundboden: Bei offenen anterioren Interdentalräumen können metallische Anteile sichtbar sein | Böning

Abbildungen 15 und 16: Linguale Platte als großer Verbinder bei hohem Mundboden: Bei offenen anterioren Interdentalräumen können metallische Anteile sichtbar sein | Böning

Wie der sublinguale Bügel setzt die linguale Platte suffiziente Klammerfunktionen, vor allem eine okkusale Abstützung in beiden Quadranten, voraus. Sie liegt den oralen Flächen des anterioren Restgebisses passiv und spaltfrei an, die marginale Gingiva und die sublinguale Schleimhaut sind analog einem konventionellen sublingualen Bügel hohlgelegt.

Kritische Betrachtung:

Die internationale Literatur sieht die linguale Platte als großen Verbinder der zweiten Wahl, wenn bei hohem Mundboden, absehbaren Erweiterungen oder der Notwendigkeit horizontaler Schubverteilung ein Sublingualbügel nicht sinnvoll erscheint. Kritikpunkte sind die fehlende Selbstreinigung und die fehlende mechanische Stimulation durch Nahrung [LaVere, 2005]. Allerdings fanden klinische Studien bei adäquater Mundhygiene bei lingualer Platte und sublingualem Bügel eine kaum veränderte Mikroflora des marginalen Parodontiums, die Patientenakzeptanz ist vergleichbar [Campbell, 1977; Hansen et al., 1985; LaVere, 2005; Ao et al., 2013]. Ästhetisch können bei offenen Interdentalräumen sichtbare Metallanteile stören (Abbildung 16).

Während die alternative Versorgungsform, in diesem Fall sechs Doppelkronen im Sinne einer Pfeilerintegration mit Ersatz des sublingualen Bügels durch ein Tertiärgerüst, wahrscheinlich weitgehend konsensfähig ist, stößt die linguale Platte in Deutschland aufgrund der häufig notwendigen parodontalen Bedeckung eher auf Ablehnung. Eine kritische Betrachtung der biologischen Risiken für das Restgebiss lässt jedoch Zweifel an dieser Wertung. Doppelkronen bergen Risiken der Kronenrandkaries plus des Beschleiftraumas plus der Zahnfraktur (cave: UK-Incisivi) durch mechanischen Überlastung plus der Gingivitis und Parodontitis durch deutliche Überkonturierung – immerhin addieren sich in einer Frontzahndoppelkrone sechs Werkstoffschichten. In der Summe dürften die biologischen Risiken der „German Crown“ in diesem Fall über denen der lingualen Platte liegen.

 

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