foodwatch veröffentlicht „Coca-Cola-Report“

Ein Konzern am Pranger

„Zuckergetränke sind die neuen Zigaretten!“: Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch kritisiert die Marketing- und Lobbymaßnahmen von Coca-Cola als „unverantwortlich“. Der Getränkehersteller agiere mit den gleichen Methoden wie die Tabakindustrie. Und der Konzern? Streitet alles ab.

Das Fazit des 108- seitigen Dokuments: Coca-Cola trage eine „entscheidende Mit -verantwortung für die Epidemie ernährungsbedingter Erkrankungen wie Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes“. Foto: zm-nb

„Lebensfreude“ – ist für Coca-Cola das, was für die Zigarettenmarke Marlboro die „Freiheit“ war: „Mach Dir Freude auf“ und „taste the feeling“ waren und sind seit Jahren zentrale Werbesprüche des Weltmarktführers für Erfrischungsgetränke. Auf der Webseite von Coca-Cola Deutschland präsentiert sich das Unternehmen mit einer Historie „von über 130 Jahren Lebensfreude“. Sogar ein eigenes „Happiness Institut“ hat der Konzern gegründet, das nach eigener Aussage, „Lebensfreude eine Plattform geben soll“.

„Die Wahrheit könnte kaum weiter entfernt sein von diesem Image“, heißt es jedoch im Vorwort des „Coca-Cola-Reports“ von foodwatch. Die Verbraucherorganisation kritisiert darin die Marketing- und Lobbymaßnahmen scharf. So nehme der Konzern mit millionenschweren Kampagnen im Internet und im Fernsehen bewusst Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier, heißt es in dem 108-seitigen Dokument – obwohl sich Coca-Cola in einer Selbstverpflichtung genau dagegen ausspricht.

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch und Autor des Coca-Cola-Reports, ergänzt, dass der Konzern außerdem gezielt versuche, wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern zu torpedieren und nachweislich mit gekauften Wissenschaftlern Zweifel an der Schädlichkeit von zuckerhaltigen Getränken zu säen. Als Beispiel führt er an, wie 2015 die New York Times aufdeckte, dass Coca-Cola mit 1,5 Millionen US-Dollar eine vermeintlich unabhängige Forschungseinrichtung finanzierte. „Diese vertrat – ganz im Sinne von Coca-Cola – öffentlich die Position, nicht ungesunde Ernährung, sondern Bewegungsmangel sei das zentrale Problem für Übergewicht.“

Die Industrie setzt auf freiwillige Selbstverpflichtung

Jetzt kommt Bewegung in die Zuckerdiskussion: Discounter kündigen an, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken, Coca-Cola wiegelt ab, und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lehnt die Zuckersteuer ab.

mehr

foodwatch sieht daher die Politik in der Verantwortung, „den Konflikt mit Weltkonzernen wie Coca-Cola und der einflussreichen Lobby nicht länger zu scheuen“ und endlich „konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um der Epidemie ernährungsbedingter Krankheiten etwas entgegenzusetzen“. So müsse die Bundesregierung die Hersteller von stark überzuckerten Getränken verpflichten, eine Abgabe zu zahlen, betont Martin Rücker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland.

Mehrere Länder – darunter Großbritannien, Frankreich, Irland, Belgien und Mexiko – haben eine solche „Zuckersteuer“ bereits beschlossen. In Großbritannien führte dies dazu, dass führende Hersteller schon vor Inkrafttreten der Abgabe den Zuckergehalt ihrer Produkte senkten. So reduzierte auch Coca-Cola den Zuckergehalt von Fanta nach Ankündigung einer Zuckersteuer in Großbritannien unter die 5-Gramm-Marke – von 6,9 auf 4,6 Gramm. In Deutschland kommen weiterhin 9,1 Gramm Zucker auf 100 Milliliter.

„Nur mit Zucker lässt sich Geld verdienen“

Warum Coca-Cola nicht einfach insgesamt de Zuckergehalt in seinen Getränken senkt? Ganz einfach, antwortet Rücker. „Weil sich damit kein Geld verdienen lässt.“ Der foodwatch-Report zitiert einen Bericht von JP Morgen aus 2006 über globale Adipositas-Epidemie und die Rolle der Lebensmittelwirtschaft, aus dem hervorgeht, dass ein Unternehmen, das mehr gesündere Produkte verkauft, weniger rentabel ist. So errechneten die Analysten für „Softdrinks“ eine Profitabilität von knapp 17 Prozent – für „Wasser in Flaschen“ 11 und für „Obst und Gemüse“ ganze 4,6 Prozent.

foodwatch bezieht sich außerdem auf den Jahresbericht von Coca-Cola Company aus 2016. Darin wird eine Bruttomarge von 60,7 Prozent angegeben – weltweit ein Spitzenwert – vergleichbar mit der von Topmarken aus der Modebranche. „Dass man also auf die freiwillige Rezepturveränderung durch die Hersteller hofft“, sei schlichtweg ein Irrglaube, betont Rücker. „Ohne Druck von außen, wird sich nichts ändern.“

Und Coca-Cola? In einem Interview spricht sich Patrick Kammerer, Mitglied der Geschäftsleitung von Coca-Cola Deutschland, gegen die Einführung einer „diskriminierenden“ Zuckersteuer aus. Übergewicht sei zudem „ein komplexes Phänomen“. „Wenn es einen einfachen, direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken und Übergewicht gäbe, müsste sich das in der Statistik zeigen.“ Als Beispiel nennt er Finnland, wo Jugendliche sehr wenig Softdrinks trinken und die Übergewichtsrate dennoch hoch sei. „Die Wahrheit ist offensichtlich komplizierter“, sagt Kammerer und bestreitet damit den direkten Zusammenhang von Zucker und Übergewicht.

22484762236800223680122368022248477 2248478 2236804
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare