Klarstellung der Universität Siegen

"Es ist kein Medizinstudium mit Master- oder Bachelor-Abschluss geplant!"

Mit dem von der NRW-Landesregierung mitfinanzierten Modellprojekt „Medizin neu denken“ startet im Herbst ein Studiengang der Universitäten Bonn und Siegen - kein Bachelor-Abschluss für Ärzte, wie die Uni Siegen nach ihren irritierenden Meldungen jetzt klarstellt.

"Beim neuen Studienangebot sollen auch neue Technologien der digitalen Medizin vermittelt werden. In Kooperation mit der Lebenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Siegen werden dazu flankierende Studienangebote aufgebaut, von denen die Studierenden des neuen Humanmedizin-Studiengangs profitieren", schreibt die Uni Siegen jetzt auf ihrer Homepage. zm nb

Ein Sturm der Entrüstung brach los, nachdem auf der Homepage der Uni Siegen ein Text veröffentlicht worden war, wonach für die Master-Studierenden der neuen "Lebenswissenschaftliche Fakultät“ (LWF) zunächst ein gemeinsames Bachelor-Programm geplant sei, damit, so die Begründung, die Ärzte die sie unterstützenden Ingenieure verstehen und umgekehrt.

Die drei Komponenten des Siegener Modells

Das von NRW finanzierte Modellprojekt besteht aus drei Komponenten:

  1. einen neuen Studiengang Humanmedizin der Unis Bonn und Siegen (Abschluss: Staatsexamen),

  2. einen Krankenhausverbund in Siegen für die Umsetzung der klinischen Phase des neuen Studiengangs,

  3. eine neue „Lebenswissenschaftliche Fakultät“ (LWF) an der Uni Siegen (mit Bachelor- und Masterabschluss). Die Frage war von Beginn an, wie man diese Module kombiniert.

Mediziner seien heute nicht mehr reine Mediziner, sondern bräuchten Kenntnisse in den verschiedensten Bereichen, hieß es dort: "Durch das gemeinsame Bachelor-Programm bekommen die Studierenden das Rüstzeug, um später in ihrem Spezialgebiet top zu sein.“

Hintergrund

Die Universitäten Siegen und Bonn wollen demnach einen gemeinsamen Studiengang Humanmedizin einrichten, mit dem Ziel, die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Dazu haben beide einen Kooperationsvertrag mit den vier Siegener Partnerkliniken (DRK-Kinderklinik, Diakonie in Südwestfalen, Kreisklinikum und St. Marien-Krankenhaus Siegen) geschlossen. Die digitale Medizin soll eine Schlüsselrolle spielen. Zum Wintersemester 2018/19 sollen die ersten 25 Studierenden ihr Studium in Bonn aufnehmen.  Gefördert wird das Modellprojekt vom Kultusministerium NRW mit jährlich bis zu 6,5 Millionen Euro.

Wegen dieser Einlassungen schlussfolgerte nicht nur die Ärztekammer Nordrhein, dass in Siegen künftig Humanmediziner mit Bachelor- beziehungsweise Masterabschluss ausgebildet werden sollten, wie ein Beschluss der Delegierten bezeugt: „Die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein lehnt die Planung der Universität Siegen ab, in einer Fakultät „Lebenswissenschaft“ ein gemeinsames Bachelor-Studium von angehenden Ärzten und Ingenieuren einzuführen.“

Masterplan Medizinstudium 2020

Der im Frühjahr 2017 beschlossene Masterplan Medizinstudium 2020 sieht Veränderungen bei der Studienstruktur und den Ausbildungsinhalten vor: So soll die Lehre an der Vermittlung arztbezogener Fähigkeiten ausgerichtet werden, das besondere Augenmerk dem Arzt-Patienten-Gespräch gelten und die Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten weiter unterstützt werden. Allgemeinmedizin, Sozialkompetenz und Anreize für die Niederlassung im ländlichen Raum sollen gestärkt werden. Eine Expertenkommission prüft den Plan derzeit auf seine kapazitären und finanziellen Auswirkungen und formuliert Entwürfe für die anstehende Änderung der ärztlichen Approbationsordnung.

Auch die Landesgruppe Nordrhein des NAV-Virchow-Bundes stellte klar: "Ingenieurs-Ärzte wie in Siegen sind eine neue Berufsgruppe für eigenständige Aufgaben, sollten aber nicht in der Patientenversorgung landen. Wenn mit dem Bachelor- und Masterstudiengang ein ,Mediziner light‘ geschaffen und ärztliche Aufgaben substituiert werden sollen, würde dadurch ein eigentlich guter Ansatz in der Medizinerausbildung beschädigt. Wir hoffen, dass der Masterplan Medizinstudium 2020 hier klar abgrenzen wird."

Skeptisch äußerte sich auch der Vorsitzende der Medizinstudierenden des Hartmannbundes, Christian Wolfram: „Natürlich muss es auf den permanenten, rasanten Wandel der Möglichkeiten in der medizinischen Versorgung (...) auch Antworten bei der Ausbildung der künftigen Ärztegeneration geben." Allerdings stelle sich (...) die Frage, ob eine entsprechende Modernisierung der Inhalte des originären Medizinstudiums den sich abzeichnenden Anforderungen an die zentralen Akteure des Gesundheitswesens nicht häufig besser gerecht würde, als die Entwicklung ständig neuer Berufsbilder.

Die Uni dementiert

"Der Modell-Studiengang Humanmedizin Bonn-Siegen ist nach dem humanmedizinischen Curriculum der Universität Bonn und ihrer Medizinischen Fakultät strukturiert“, dementierte die Pressestelle der Universität Siegen schließlich auf Nachfrage der zm, und sei damit "ein klassischer Medizin-Studiengang mit dem Abschluss Staatsexamen".

Geplant sei, dass sich dieser Studiengang im Rahmen der Kooperation im Sinne des Medizin Masterplans 2020 "weiterentwickelt" wird. Die Studierenden absolvierten zunächst sechs Semester in Bonn und wechselten anschließend nach Siegen, wo sie aus flankierenden medizinnahen Bachelor/Master-Studiengängen Module/Kurse auswählen könnten, zum Beispiel für den Schwerpunkt Digitale Medizin. An der LWF der Universität Siegen sei "ein gemeinsamer Bachelor-Studiengang" in Vorbereitung. Darüber hinaus soll es mehrere Master-Studiengänge im Rahmen der Spezialisierung geben: Digital Medicine, Biomedical Technology und Public Health".

Ein humanmedizinisches Studium außerhalb der deutschen Approbationsordnung ist ausdrücklich nicht geplant

Ausdrücklich sei kein humanmedizinisches Studium außerhalb der deutschen Approbationsordnung geplant, betonte die Universität Siegen gegenüber den zm.  Ebenso wenig ein „Bachelor-Studium für Ärzte und Ingenieure“. Das klang vor einigen Tagen noch anders.

 

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