Zahnmobil für die aufsuchende Betreuung

Zur Zahnsteinentfernung geht's auf den Parkplatz

Zahnarzt Michael Fechner betreut seit mehreren Jahren Patienten im Altenheim. Viele Behandlungen kann er direkt am Bett durchführen - doch kleineren Eingriffen sind dort Grenzen gesetzt. Jetzt hat er die Lösung gefunden: zur Zahnsteinentfernung geht's auf den Parkplatz. Wie das genau funktioniert, erläutert der Zahnarzt im Interview.

Das Zahnmobil von Michael Fechner unterscheidet sich von anderen Modellen vor allem durch seine alters- beziehungsweise behindertengerechte Innenausstattung. Über eine Hubrampe ist es hier möglich, auch Patienten im Rollstuhl in das Fahrzeug zu heben. zm/nb

Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ), Anfang Mai in Magdeburg, stellten Sie Ihr neues Zahnmobil den Kollegen vor. Sie erzählten dort, Sie seien wie die ‚Jungfrau zum Kinde‘ gekommen. Was hat es damit auf sich?

Michael Fechner: Ich interessierte mich zunächst für ein solches Fahrzeug zur Betreuung meiner Patienten, da es mich ärgerte, dass ich meinen Patienten in den Altenheimen vor Ort nicht immer die nötige Behandlung zukommen lassen konnte. Ich hatte von Zahnmobilen zur Obdachlosenbetreuung in Berlin, Hamburg und Hannover gehört. Es entstand der Kontakt zu Herrn und Frau Dr. Mannherz vom Zahnmobil Hannover e.V., deren Träger die Diakonie ist. Bei einem Besuch vor Ort präsentierten sie mir freundlicherweise ihr Fahrzeug und hatten für alle meine Fragen ein offenes Ohr.

Zahnarzt Michael Fechner aus Wuppertal ärgerte sich über die fehlenden Behandlungsmöglichkeiten von Patienten in Pflegeheimen. | zm/nb

Unter anderem erzählte mir Herr Mannherz, dass er das Fahrzeug selbst aus einem ehemaligen Ambulanzwagen umgebaut und dafür 1.500 Arbeitsstunden investiert hatte. Daher rechnete ich zunächst damit, dass ich ein solches Fahrzeug selbst oder einer meiner Angestellten umbauen müsste, was neben dem Praxisbetrieb sehr lange gedauert hätte. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte ich jedoch ein Unternehmen, das größtenteils Ambulanzen und zu 15 Prozent Sonderfahrzeuge herstellt. Dadurch wurde das Projekt doch recht schnell zum Selbstläufer und das Zahnmobil war in rund sechs Monaten fertiggestellt.

Sie hätten sich stattdessen auch einen Sportwagen gönnen können. Warum haben Sie und Ihre Frau sich dennoch für ein Zahnmobil entschieden?

Wie ich bereits erwähnte, ärgerte es mich, bei der Betreuung meiner Patienten in den Altenheimen nicht immer die nötige Zahnbehandlung vor Ort durchführen zu können. Die Senioren verfügen mehr und mehr über eigene Zähne, Implantate oder hochwertigen Zahnersatz statt Vollprothesen. Das Zahnstein entfernen zum Beispiel ist bei bettlägerigen und immobilen Patienten ein Problem. Dafür wäre der Aufwand eines Krankentransports nicht adäquat.

Der demografische Wandel steht vor der Tür, die Überalterung der Gesellschaft hat bereits begonnen. Vor diesem Hintergrund ist es dringend notwendig, sich über die adäquate Versorgung im Bereich Alterszahnmedizin Gedanken zu machen. Was ist da naheliegender, als diese Versorgung den Patienten in den Altenheimen zur Verfügung zu stellen, wenn diese nicht mehr ihren Zahnarzt aufsuchen können? Wir selbst hoffen doch auch, noch im Alter optimal zahnärztlich versorgt zu werden.

Sie konnten sich von Herrn Mannherz, dem Vorsitzenden des Fördervereins Zahnmobil Hannover e.V., praktische Tipps für den Umbau Ihres Sprinters holen. Was für Tipps waren das?

Ein sehr praktischer Tipp war der Einbau einer roten Lampe, die eine Unterbrechung der externen Stromzufuhr anzeigt. Bevor man sehr zeitaufwendig auf die Suche nach möglichen Fehlerquellen geht, wenn die Geräte nicht funktionieren, ist es sehr vorteilhaft, wenn diese Lampe anzeigt, dass jemand den Stecker für die externe Stromversorgung herausgezogen hat.

Über eine Hubrampe können Patienten im Rollstuhl in das Fahrzeug gehoben werden, ...  | zm/nb

... eine Vorrichtung mit Kopfstütze ermöglicht es dann, den Rollstuhl zu heben und zu neigen und den Patienten direkt im eigenen Rollstuhl zu behandeln. Mobile Patienten werden einfach in einem vorhandenen Rollstuhl behandelt. | zm/nb

Des Weiteren wies uns Herr Mannherz darauf hin, dass es sinnvoll sei, das Fahrzeug während der Behandlung mit zusätzlichen Stützen auszustatten, da der Wagen ansonsten schwankt, wenn sich mehrere Personen darin bewegen. Dadurch sei einmal eine Anästhesiespritze im falschen Kiefer gelandet. Ein guter Rat war auch, Keramiklüfter zu verwenden. Diese werden auch im Dauerbetrieb nicht heiß und haben eine lange Lebensdauer.

Was war Ihnen bei dem Umbau besonders wichtig? Über welche Funktionen sollte Ihr Zahnmobil verfügen?

Das Herausragende und Besondere an meinem Zahnmobil im Gegensatz zu allen bereits existierenden ist sicherlich die alters- beziehungsweise behindertengerechte Innenausstattung. Über eine Hubrampe kann man auch Patienten im Rollstuhl in das Fahrzeug heben. Diese können dann direkt im Rollstuhl auf eine Vorrichtung mit Kopfstütze gefahren werden, die es ermöglicht den Rollstuhl zu heben und zu neigen und den Patienten direkt im Rollstuhl zu behandeln. Diese Vorrichtung wurde auf der IDS in 2017 erstmals vorgestellt. Mobile Patienten werden in einem vorhandenen Rollstuhl behandelt.

Wie hat der Umbau zum Zahnmobil stattgefunden? Wie viel haben Sie selbst umgebaut – welche Aufgaben haben Sie delegiert?

Das Unternehmen, das wir für den Umbau gewinnen konnten, hatte viel Erfahrung beim Bau von Ambulanzen. Von diesen Erfahrungen konnten wir sehr profitieren. So sind zum Beispiel die Schränke in einer solchen Ambulanz nicht aus Holz, sondern aus Kunststoff, welcher verklebt wird, da sich Schrauben durch die Vibrationen bei der Fahrt lösen würden.

Es muss bedacht werden, dass alle Einrichtungsgegenstände fixiert werden können und dass die Sitzgelegenheiten für die Personen (Zahnarzt, Helferin, Techniker) während der Fahrt auch TÜV-Anforderungen entsprechen müssen. Auch die Trauma Beleuchtung und die Heiz- beziehungsweise Kühlmöglichkeit für ein solches Fahrzeug stellten für das Unternehmen keine Herausforderungen dar.

Wichtig beim Ausbau: Alle Einrichtungsgegenstände im Sprinter müssen fixiert werden können. | zm/nb

Das Zahnmobil verfügt über einen Wasseranschluss, ein Röntgengerät, einen Amalgamabscheider - sogar über einen eigenen Internetzugang. | zm/nb

Auch ein Zahntechniker findet hier einen eigenen Arbeitsplatz. | zm/nb

Unsere Aufgabe bestand darin, dem Fahrzeugbauer die Arbeitsabläufe während einer Zahnbehandlung näher zu bringen, die Funktionsweise der zahnmedizinischen Geräte zu erklären, zu überlegen, wo welches zahnmedizinische Gerät optimal positioniert wird, um die Platzverhältnisse voll auszunutzen. Auch dadurch mussten doch viele der eingebauten Geräte individualisiert werden.

Ihr Zahnmobil besitzt nicht nur ein mobiles digitales Röntgengerät und einen Arbeitsplatz für einen Zahntechniker, sondern sogar einen Amalgamabscheider. Welche „Spielereien“ gibt es sonst noch?

Das Zahnmobil verfügt über einen eigenen Zugang zum Internet. Es verfügt über einen Monitor mit HDMI-Anschluss. Beide Anschlüsse erreicht man am Beifahrersitz, so dass ein mitgebrachter Laptop daran angeschlossen werden kann. Den Laptop kann man auf einem eigens dafür konzipierten Tisch abstellen (ähnlich einem herausklappbaren Tisch im Flugzeug). So kann man sich über einen abgesicherten VPN-Tunnel in die Software der eigenen Praxis einloggen und auf Patientendaten zugreifen (Anamnese, digitale Röntgenbilder) beziehungssweise diese einpflegen. Damit die mitgeführten Abdrucklöffel während der Fahrt fixiert sind, wurde eigens dafür eine Haltevorrichtung in einem Hängeschrank eingebaut.

Der Umbau zum Zahnmobil hat einen sechsstelligen Betrag gekostet. Sie selbst nutzen das Fahrzeug jedoch nur vereinzelt im Quartal. Daher möchten Sie das Zahnmobil auch gerne zur Vermietung anbieten. Wie genau stellen Sie sich das vor?

Die Testphase hat das Fahrzeug bereits durchlaufen. Ich konnte mehrere meiner Patienten erfolgreich im Zahnmobil behandeln. Mir war von Anfang an klar, dass ich das Zahnmobil nicht alleine würde nutzen können beziehungsweise wollen. Jetzt ist es an der Zeit, mit den entsprechenden Gesprächspartnern - also KZV, KZBV, Kollegen, Altenheime sowie Krankenkassen - zu eruieren, welche Möglichkeiten der Nutzung im besonderen Interesse der Patienten am sinnvollsten sind.

Im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ), die vom 3. bis 6. Mai in Magdeburg stattfand, stellte Zahnarzt Michael Fechner sein Zahnmobil den Kollegen vor. | zm/nb

Gemeinsam mit seiner Frau Dr. Heike Thomas hat Michael Fechner den Umbau des Zahnmobils organisiert und anschließend in Magdeburg präsentiert.| zm/nb

68362846798817679882167988226836285 6836286 6798825
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare