Kooperation zwischen Universität und Niedergelassenen

20-Jahres-Studie unter Praxisbedingungen

1994 hatten niedergelassene Zahnärzte und Forscher der Universität Dresden die Idee, metallkeramische Kronen unter Praxisbedingungen zu untersuchen. Jetzt wurde die klinische 20-Jahres-Studie veröffentlicht. Die lange Beobachtungsdauer in einem Praxisverbund ist bei prospektiven Studien eine absolute Seltenheit. Maßgeblich für den Erfolg: das Engagement der Kollegen und die stabile Zahnarzt-Patienten-Beziehung in den Praxen.

Teilnehmer des Abschlusssymposiums (v. l. n. r.): Prof. Dr. Michael Walter, Dr. Klaus Gäbler, Dr. Maria Eltzschig, Prof. Dr. Thomas Hoffmann (Gast), Prof. Dr. Bernd Reitemeier, Dr. Christa Hofmann, Dr. Mathias Wunsch, Dr. Dietmar Lode, Dr. Matthias Günzel, Dr. Birgit Enders, Dr. Detlef Bracke, ZTM Thomas Steinmüller und Dr. Bernd Fuchs. Es fehlen die Studienzahnärzte Dr. Steffen Focke und Dr. Jürgen Hartmann. privat

Bei der Studie zu metallkeramischen Kronen unter Praxisbedingungen sollte der Fokus auf der klinischen Bewährung und dem Auftreten von Unverträglichkeitsreaktionen liegen. Ursprünglich auf fünf Jahre und mit Industrieförderung (Degussa, Hanau) angelegt, wurde die prospektive Studie zunächst auf acht, dann zehn Jahre verlängert. Das sollte eigentlich das Ende sein. 

Aufgrund der guten Adhärenz der Patienten und des Engagements der beteiligten Kollegen entschloss man sich, nach 20 Jahren noch einmal eine Nachuntersuchung vorzunehmen. Die Industrieförderung war lange ausgelaufen, die Studie ohne finanzielle Kompensation weitergeführt worden. Der nach dieser langen Zeit unvermeidliche Drop-out war aufgrund der stabilen Zahnarzt-Patienten-Beziehung niedriger als erwartet, so dass wir durchaus valide Ergebnisse gewinnen konnten. Zwischen dem Entschluss zur 20-Jahres-Untersuchung und der akzeptierten Publikation lagen durch die vorbildliche und zielgerichtete Zusammenarbeit nur zwei Jahre! Die lange Beobachtungsdauer ist bei einer prospektiven Studie eine absolute Seltenheit. In einem Praxisverbund ist sie wohl auch international kaum erreicht. Vom 5. bis zum 7. Oktober fand jetzt das Abschlusssymposium in Geising im Erzgebirge statt. 

Auf das Design kommt es an

Die Studie zeigt, dass bei einem geeigneten Design klinische Studien mit niedergelassenen Zahnärzten auch mit einer Langzeitperspektive sehr gut möglich sind. Wesentlich dabei scheint, dass sich interessierte Kollegen zusammenfinden, dass eine auch für die Praxis interessante Fragestellung bearbeitet wird und dass der Aufwand mit dem Praxisablauf kompatibel ist. Im vorliegenden Fall lag die Studienleitung bei der Universität Dresden. Fast alle beteiligten Kollegen waren im Kammerbereich Sachsen niedergelassen.

20-Jahres-Auswertung und Abschlussdiskussion | Privat

Übrigens, die Analysen zeigen lange Funktionsdauern und eine hohe Therapiesicherheit metallkeramischer Kronen. 233 Patienten waren mit 466 Einzel- und Brückenankerkronen versorgt worden. Die 20-Jahres-Überlebensraten (Kronen- oder Zahnentfernung) betrugen 78,8 Prozent für die Einzelkronen und 67,8 Prozent für die Brückenankerkronen. Keramikdefekte, die zu einem Kronenverlust führten, traten in nur sieben Fällen auf. Sonstige Keramikdefekte waren häufiger. Die entsprechende Erfolgsrate nach 20 Jahren lag für Einzelkronen bei 74,2 Prozent.

Forschung kann auch Spaß machen

Diese Ergebnisse sind sicher nicht spektakulär, aber durchaus ein wertvoller, kleiner Evidenzbaustein. Interessant ist insbesondere, dass die gefundenen Gesamtüberlebensraten im Bereich der Literaturwerte bei klinischen Studien liegen. Das ist ein Hinweis darauf, dass der Unterschied zwischen Ergebnissen unter hoch standardisierten Bedingungen und denen aus der Praxis auf diesem Gebiet gering zu sein scheint. Die Studie wurde mehrfach in international anerkannten Journalen publiziert.

Festzuhalten bleibt, dass sowohl die Universität als auch die beteiligten Kollegen aus der Praxis über die insgesamt 23 Jahre von dem Projekt profitiert haben. Bei akzeptablem Aufwand kann Forschung auch in der Praxis Spaß machen. Die Studie ist ein Positivbeispiel für die Kooperation zwischen Universitäten und Niedergelassenen und zeigt, dass hier vieles möglich ist. Nachahmer sind ausdrücklich erwünscht.

Der Dank gilt allen Beteiligten: den Studienzahnärzten, den betreuenden Zahnärzten, den Statistikern und nicht zuletzt den Vertretern der Firma Degussa/Degudent.

Univ.-Prof. Dr. Michael H. Walter
Poliklinik für zahnärztliche Prothetik
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden
Fetscherstr. 74
01307 Dresden

Michael.Walter@uniklinikum-dresden.de
Univ.-Prof. Dr. Bernd Reitemeier
Poliklinik für zahnärztliche Prothetik
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden
Fetscherstr. 74
01307 Dresden
bernd.reitemeier@googlemail.com

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