Kommunikation mit Kindern

Viel Lob für die Narkose-Indianer!

Kinder fordern Zahnärzte zusätzlich heraus, weil man ihnen komplizierte Sachverhalte noch einfacher erklären muss als erwachsenen Patienten. Das kann man aber auch positiv sehen: Endlich muss man sich wirklich verständlich ausdrücken!

iStock - sturti

Kinder sind eine spezielle und nicht immer einfache Patientengruppe. Sie haben oft mehr Angst vor Behandlungen als Erwachsene und zeigen dies auch ganz offen – beziehungsweise mit fest geschlossenem Mund. Außerdem hat man die zusätzliche Aufgabe, nicht nur mit dem Kind, sondern auch mit den Eltern kommunizieren zu müssen. 

Wenn Kinder vor der Zahnarztuntersuchung oder -behandlung Angst haben, kann man sie zum Beispiel dazu anregen, mit ruhiger Atmung eine „Mutkugel“ in ihrem Bauch größer werden lassen. Wenn die Mutkugel dann ausreichend groß ist, kann es losgehen. Die Mutkugel ist natürlich auch für die Eltern und den Zahnarzt gedacht. Das Kind könnte ihnen etwas von seinem Mut abgeben, da es ja nun soviel davon hat. Vielleicht hilft auch die Ansage: „Wollen wir mal gucken, wie weit du den Mund schon aufmachen kannst?“ – „Und jetzt darfst du mir und dem Papa sogar die Zunge rausstrecken!“

Erst wird Papa untersucht

Bei einer Vorsorgeuntersuchung, zu der Papa und Kind gemeinsam gehen, untersucht der Zahnarzt zuerst den Vater, spricht währenddessen aber schon die ganze Zeit mit dem Kind, fragt, wie weit es schon zählen kann – später werden dann seine Zähne gezählt. Gleichzeitig kann das Kind genau beobachten, was mit Papa bei der Untersuchung passiert. So hat es seine erste Scheu bereits verloren, wenn es selbst auf den Zahnarztstuhl klettert. Man kann Eltern durchaus ermutigen, Kinder schon ab dem ersten Zahn mit zum Zahnarzt zu bringen, damit sie sich an die Behandlerin, an die ZFAs, an die Räumlichkeiten und Instrumente gewöhnen. Anfangs mögen die Kleinen den Mund vielleicht kaum aufmachen, aber später kennen sie das Prozedere dann schon und haben weniger Ängste. Bei der Tochter einer der Autorinnen führte das soweit, dass diese regelmäßig drängelte: „Wann besuchen wir denn mal wieder meine beste Freundin Carina (die Zahnärztin)?“

Auch Eltern brauchen ein Gefühl von Geborgenheit

Auch für die Eltern muss man sorgen. Auch sie möchten informiert und beraten werden. Ein Beispiel für eine sehr kind- und elterngerechte Behandlung findet sich zum Beispiel in dieser niedergelassenen Anästhesiepraxis: 

Beim Vorgespräch wird das Kind nach seiner Lieblingsfarbe gefragt. Der Anästhesist erklärt dann, dass es kurz vor der Narkose einen Ballon in dieser Farbe aufpusten darf. Außerdem darf das Kind sein Lieblingsstofftier mit zur OP bringen. Am Tag der OP bekommen die Kinder zunächst ein Beruhigungsmittel, damit sie schon etwas schläfrig werden. Wenn das Mittel gewirkt hat, trägt der Anästhesist das schläfrige Kind samt Lieblingsstofftier in den OP. Dies vermittelt auch den Eltern ein Gefühl von Geborgenheit. Nach erfolgreicher OP kommt die operierende Ärztin dann mit dem Stofftier wieder ins Wartezimmer zu den meist angespannten Eltern. Sie berichtet, dass alles gut läuft. Und die Eltern können sich nun am Stofftier ihres Kindes festhalten, bis der Anästhesist das Kind wieder in den Aufwachraum trägt. Den Luftballon in seiner Lieblingsfarbe, den das Kind kurz vor der Narkose „aufpusten“ durfte, darf es auch mit nach Hause nehmen. Zusätzlich erhält das Kind eine Tapferkeitsurkunde „vom Stamm der Narkose-Indianer“, die zunächst über seinem Bettchen im Aufwachraum hängt, und die es ebenfalls mit nach Hause nehmen kann. Und es bekommt ein bildhübsches Pflaster auf den Einstich, versteht sich.

Schritt für Schritt zu überlegen, wie man Kind und Eltern einbeziehen kann und mit welchen Interventionen Vertrauen hergestellt und Anspannung genommen wird – das ist eine entscheidende Vorarbeit des Zahnarztteams. Gehen Sie aus sich heraus, erzählen Sie einen Witz von Onkel Fritz, begleiten Sie die Untersuchung mit witziger Mimik, wenn Sie merken, dass es dem Kind gefällt! Vielleicht darf das Kind auch erstmal Sie untersuchen, bevor es umgekehrt passiert …

Was bei Kindern sehr gut funktioniert, sind übertriebene, aber wohlwollende Komplimente: „Du bist unser Zahnheld! Das hast Du wirklich prima gemeistert!“ Bei allen Untersuchungs- und Behandlungsschritten kann man reichlich Lob austeilen. 

Ironie verstehen Kinder übrigens generell erst ab einem Alter von etwa acht bis zehn Jahren. Mit dieser Humorform ist also Vorsicht geboten. Mit sozialem, liebevollem Humor und viel Lob können Sie hingegen nichts falsch machen.

Die Initiative „Arzt mit Humor“ fördert wertschätzenden Humor bei Ärzten und Pflegekräften aller Fachrichtungen. www.arztmithumor.de 

Die Kommunikation mit Angstpatienten, Kindern oder schwierigen Mitarbeitern ist nicht immer einfach. Humor kann dabei helfen, schwierige Situationen zu entspannen. Doch Vorsicht: Humor ist nicht Humor!

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