Zahnbürsten-Studie

Weniger Zahnverluste durch elektrische Zahnbürsten

Eine Studiengruppe der Universität Greifswald hat sich über einen Beobachtungszeitraum von elf Jahren mit den Folgen des Gebrauchs elektrischer Zahnbürsten auf die Mundgesundheit beschäftigt. Ergebnis: Nutzer elektrischer Bürsten hatten durchschnittlich ein Fünftel weniger Zahnverluste als Verwender konventioneller Handzahnbürsten.

Prof. Thomas Kocher, Leiter der Abteilung Parodontologie und Endodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universitätsmedizin Greifswald, und Mitarbeiter und Studienautor Dr. Vinay Pitchika haben die Langzeitwirkung von elektrischen Zahnbürsten untersucht. Manuela Janke/UMGF

Ausgewertet wurden für die Untersuchung die Daten von rund 2.819 Probanden, die im Rahmen der fortlaufenden, prospektiven SHIP-Studie (Study of Health in Pomerania) erhoben worden waren. Diese ist wegen ihres langen Beobachtungszeitraums und der großen Patientenkohorte besonders bemerkenswert.

Die Teilnehmer wurden dreimal untersucht. Zu Studienbeginn putzten 18 Prozent ihre Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste, elf Jahre später waren es 37 Prozent. Dabei stellten die Greifswalder Forscher um Pitchika et al. einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Zähneputzen mit einer elektrischen Zahnbürste und positiven Effekten auf die parodontale Gesundheit fest: Die Studienergebnisse zeigen eine reduzierte Progression von parodontalen Taschentiefen und einen geringeren Attachmentverlust gegenüber der Verwendung einer manuellen Zahnbürste. Das Voranschreiten der Sondierungstiefen war bei Nutzern einer elektrischen Zahnbürste um durchschnittlich 22 Prozent, der Attachmentverlust um 21 Prozent reduziert.

 Die Autoren schlussfolgern, dass aufgrund der verbesserten parodontalen Gesundheit letztlich auch geringere Zahnverluste bei den Probanden auftreten. „Unsere Studie zeigt, dass elektrische Zahnbürsten für die Aufrechterhaltung einer guten Mundgesundheit am vorteilhaftesten sind und mit einem verminderten Fortschreiten von Parodontitis und mehr erhaltenen Zähnen einhergehen“, sagt Studienautor Dr. Vinay Pitchika. Anwender einer elektrischen Zahnbürste hätten während des elfjährigen Beobachtungszeitraums rund 20 Prozent weniger Zahnverluste gehabt als Benutzer einer Handzahnbürste.

Einschränkend merken die Forscher jedoch an, dass die Ergebnisse nur für Probanden mit gesundem Parodont oder milden bis mittelschweren Formen der Parodontitis gelten. Probanden mit schwerer Parodontitis hätten im Rahmen dieser Studie nicht signifikant von dem Gebrauch einer elektrischen Zahnbürste profitieren können. „Wenn die Teilnehmer nach Schweregrad der Parodontitis eingeteilt wurden, wurden signifikante Zusammenhänge zwischen elektrischem Zähneputzen und weniger Schäden am Zahnfleisch nur bei Personen mit leichter und mäßiger Parodontitis gefunden. Bei Probanden mit schwerer Parodontitis bestand kein Zusammenhang zwischen dem elektrischen Zähneputzen und dem weiteren Zuwachs an Sondierungstiefe und Attachmentverlust, verdeutlicht Pitchika.

Auch die Entstehung von Karies könne durch den Gebrauch einer elektrischen Zahnbürste nicht signifikant verringert werden. Pitchika geht davon aus, dass die Rolle der Zahnpasta wichtiger ist als die der Zahnbürste: „Es ist davon auszugehen, dass Fluorid in Zahnputzcremes eine wichtigere Rolle bei der Vorbeugung von Karies oder der Verringerung der Kariesprogression spielt.“

Quelle: Pitchika V, Pink C, Völzke H, Welk A, Kocher T, Holtfreter B: Long-term impact of powered toothbrush on oral health: 11-year cohort study. First published: 22 May 2019 J Clin Periodontol. 2019. doi: 10.1111/jcpe.13126.

Bewertung der Bundeszahnärztekammer

Kurz nach Erscheinen der Greifswalder Studie äußerte sich BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich zu den Ergebnissen.

„Folgende Kernaussagen lassen sich aus der Studie herauslesen:

1. Lange Zeit galten normale Zahnbürsten als genauso effektiv wie elektrische. Allerdings haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Studien Hinweise darauf geliefert, dass elektrische Bürsten bei gleicher regelmäßiger Anwendung eine effektivere Mundhygiene durchführen.

2. Zwar sind bei optimaler Handhabung mit manuellen Zahnbürsten vergleichbare Ergebnisse erzielbar. Allerdings hat eben nicht jeder Anwender die perfekte Technik. Die elektrische Zahnbürste macht es quasi automatisch richtig. Bei der Vorbeugung der Parodontitis besitzt die elektrische Zahnbürste nach neuesten Studien Vorteile. Entscheidend ist aber gleichzeitig ein positives Mundgesundheitsbewusstsein.

3. Bei Karies macht die Wahl der Zahnbürste keinen großen Unterschied. Hier spielen Fluoride in der Zahnpasta zum Schutz der Zähne eine größere Rolle.

Gleichzeitig muss man feststellen, dass die Autoren auch selbstkritisch mit möglichen Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen, umgegangen sind. So sind die Nutzer der elektrischen Zahnbürsten (PTB) jünger, haben einen höheren Bildungsstatus, ein besseres Mundgesundheitsbewusstsein und zeigen mehr körperliche Aktivität. Entsprechende statistische Auswertungsmethoden haben zwar bei Einschluss/Ausschluss dieser Faktoren keinen Unterschied in der Aussage gezeigt, aber die Autoren weisen darauf hin, dass dieser nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden kann.

Auch wir haben auf Grundlage der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie gesicherte Erkenntnisse, dass der Bildungsstatus und das verbesserte Mundgesundheitsbewusstsein (siehe auch Selbstwirksamkeitserwartung) in der Bevölkerung einen positiven Einfluss auf die Mundgesundheit sowohl bei der Karies als auch bei der Parodontitis besitzen.

Auch ist anzunehmen, dass Einflüsse des Gesundheitssystems mit der deutlichen Zunahme von präventiven Leistungen in der Zahnarztpraxis, aber auch ein höheres generelles Gesundheitsbewusstsein, positive Einflüsse unmittelbar auf die Durchführung der Mundhygiene besitzen. Schließlich sind seit Einführung der Prophylaxe in den Schulen, aber auch in den Zahnarztpraxen sehr viel mehr Mundhygienetraining und Motivation vor allen Dingen für jüngere Altersgruppen erfolgt – und das hat positive Auswirkungen. Jüngere partizipieren von dieser Entwicklung natürlich mehr.

Zudem geht man auch kritisch auf die kleine Stichprobe von Patienten mit schweren Parodontalerkrankungen ein. Auch hier könnte eine Verzerrung des Ergebnisses erfolgen. Jedoch wurde gerade bei dieser Patientengruppe kein Einfluss der PTB (elektrische Zahnbürste) gefunden. Erklärend sei hinzugefügt – wie auch von den Autoren dargestellt –, dass bei älteren Patienten auch sehr viel mehr Faktoren neben der Mundhygiene (zum Beispiel medizinische Erkrankungen) bei der Entstehung einer Parodontitis wirken.

Grundsätzlich darf man aus unserer derzeitigen Sicht im Ergebnis der Studie feststellen, dass elektrische Zahnbürsten einen relevanten positiven Einfluss bei der Prävention der Entstehung beziehungsweise des Fortschreitens einer beginnenden Parodontalerkrankung besitzen.

Jedoch sollte man aus unserer Sicht die positiven Verhaltensänderungen in der Bevölkerung dabei nicht unterbewerten. Ganz offensichtlich ist die Anschaffung einer elektrischen Zahnbürste mit einem stärkeren mundgesundheitsbezogenen Gesundheitsbewusstsein verbunden und zwar in dem Sinne, dass man mehr in orale Prophylaxemittel zu investieren bereit ist und damit die subjektive Erwartung verknüpft, eigene orale Erkrankungsrisiken weiter abzusenken.“

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