Umfrage der KZV Baden-Württemberg

So ticken angestellte Zahnärzte!

Die KZV Baden-Württemberg hat 400 angestellte Zahnärzte und Zahnärztinnen im Ländle gefragt, ob sie mit ihrem Job zufrieden sind, eine Niederlassung für sie infrage kommt und sie sich in der Standespolitik engagieren wollen.

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Sechs von zehn Befragten (62 Prozent) nennen die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Hauptgrund, warum sie sich für die Tätigkeit in Anstellung entschieden haben. Dabei gefällt der Mehrheit besonders, dass sie im Team arbeitet (57 Prozent) und mehr Zeit für persönliche Interessen hat (51 Prozent). Die Gestaltung der Arbeitszeit war für 46 Prozent ausschlaggebend, und 42 Prozent gaben an, dass ihnen das Angestelltendasein die ausschließliche Konzentration auf die behandelnde Tätigkeit ermöglicht. Insgesamt 40 Prozent wollen kein wirtschaftliches Risiko eingehen; fehlende ausreichende finanzielle Mittel waren für 22 Prozent der Zahnärzte ein Grund ins Angestelltenverhältnis zu gehen. Diese Gründe spielten für Frauen häufiger als für Männer eine maßgebliche Rolle bei ihrem Entschluss pro Anstellung, gerade wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ging.

Warum Angestellte mit ihrem Job zufrieden sind

Erwartungsgemäß ist die Work-Life-Balance ganz besonders wichtig für Befragte mit Kindern bis 14 Jahren. Dabei ist das Gros mit seiner Arbeitszeitgestaltung, dem Arbeiten im Team, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie seinem Gehalt zufrieden, knapp die Hälfte ist sogar sehr zufrieden. Allein das Salär gibt dazu offenbar seltener Anlass: Nur 22 Prozent sind damit sehr zufrieden.
Frauen sind mit dem Arbeiten im Team und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf etwas häufiger als Männer sehr zufrieden. Generell sind die unter 35-Jährigen seltener als der Durchschnitt mit diesen Rahmenbedingungen sehr zufrieden. Zahnärzte, die seit mindestens zehn Jahren angestellt sind, sind dagegen im Vergleich zu kürzer im Angestelltenverhältnis arbeitenden Kollegen häufiger sehr zufrieden. Lediglich beim Gehalt lassen sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Gruppen ausmachen.

Spontan spricht nichtsgegen die Landpraxis

Für die flächendeckende, wohnortnahe Versorgung sind Praxen in ländlichen Gegenden wichtig. Auf die Frage, was aus ihrer Sicht gegen eine Niederlassung in Selbstständigkeit auf dem Land spricht, fallen 46 Prozent der Befragten – Männern (54 Prozent) noch weniger als Frauen (42 Prozent) – spontan keine Gründe ein.

11 Prozent nannten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Gegenargument, jeweils 10 Prozent sprechen die schlechte Verkehrsanbindung an, ihre eigene Verbundenheit mit der Stadt, in der sie leben, fehlende kulturelle Angebote und Freizeitmöglichkeiten sowie einen möglichen Patientenmangel, 9 Prozent führen das finanzielle Risiko an. Die Mehrheit der angestellten Zahnärzte, die schon im ländlichen Raum arbeiten, hat jedoch keine Argumente gegen eine Niederlassung auf dem Land parat. Wer in der Stadt arbeitet, hat etwas größere Vorbehalte.

Während für vier von zehn Zahnärzten (39 Prozent) das Angestelltendassein eine Entscheidung für das gesamte Berufsleben sein soll, plant über die Hälfte (54 Prozent) eine spätere Niederlassung. Erwartungsgemäß geben mehrheitlich die 45- bis 54-Jährigen und vor allem die über 55-Jährigen an, dass sie immer angestellt arbeiten wollen. Von den unter 45-Jährigen meint dies hingegen nur eine Minderheit. Fast ein Drittel (31 Prozent) der Zahnärzte, die sich später niederlassen wollen, fasst dabei eine selbstständige Tätigkeit in einer Einzelpraxis ins Auge. Etwa zwei Drittel (64 Prozent) ziehen hingegen eine Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) vor. Dabei bevorzugen Männer und Frauen, die in einer ländlichen Gegend leben, etwas häufiger die Einzelpraxis als ihre Kollegen in der Stadt.

Der Handlungspielraum ist am wichtigsten

Zahnärzte mit der Absicht, sich später niederzulassen, wurden ohne Vorgaben gefragt, was sie sich davon versprechen. Mit Abstand am häufigsten (79 Prozent) gaben sie den eigenen Handlungsspielraum in der Praxis an. Jeder Zweite (50 Prozent) erhofft sich einen hohen Verdienst beziehungsweise mehr Geld. 28 Prozent wünschen sich eine flexible Arbeits- und Urlaubsgestaltung. Die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung (9 Prozent), die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (3 Prozent) oder einen sicheren Arbeitsplatz (2 Prozent) erwähnten indes nur wenige.

Angestelltenverhältnis oder spätere Niederlassung in Selbstständigkeit?
Das Angestelltenverhältnis soll eine Entscheidung für das gesamte Berufsleben sein
 Ja (in Prozent)
Nein, plane eine spätere Niederlassung in Selbstständigkeit (in Prozent)
insgesamt *3954
Männer4155
Frauen3752
unter 35-Jährige1376
35- bis 44-Jährige3163
45- bis 54-Jährige5833
55 Jahre und älter953
Tätigkeit als angestellter Zahnarzt seit:
- weniger als 5 Jahren4051
- 5 bis unter 10 Jahren3063
- 10 Jahren oder länger4944
Tabelle 2; Quelle: Forst Politikund Sozialforschung GmbH * an 100 Prozent fehlende Angaben = „weiß nicht“

Die Hürden: Verschuldung und finanzielles Risiko

Zu den größten Hürden für eine Niederlassung zählen für fast die Hälfte (49 Prozent) der finanzielle Aufwand beziehungsweise das wirtschaftliche Risiko. Insgesamt 38 Prozent sehen die Bürokratie beziehungsweise Auflagen als Problem, 22 Prozent halten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, 17 Prozent die hohe Verantwortung und 15 Prozent den hohen Arbeitsaufwand für große Hindernisse auf dem Weg in die eigene Praxis. Etwa jeder Zehnte meint, dass die Niederlassung durch die Suche nach passendem Personal (12 Prozent) oder einem passenden Standort beziehungsweise einer passenden Praxis (11 Prozent) noch erschwert wird. Männer und die unter 35-Jährigen halten den finanziellen Aufwand öfter für schwierig als Frauen und ältere Befragte. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wiederum ist für Frauen und die unter 55-Jährigen viel häufiger als für Männer und die über 55-Jährigen ein Problem.

Wer verheiratet ist und mit einem Partner zusammen lebt oder Kinder bis 14 Jahre hat, sieht in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf häufiger einen großen Klotz hinsichtlich einer Niederlassung in Selbstständigkeit. Diejenigen, die im ländlichen Raum arbeiten, bewerten die bürokratischen Prozesse im Hinblick auf die Niederlassung häufiger negativ als Befragte, die im städtischen Raum arbeiten.

Berufspolitisches Ehrenamt? Warum eigentlich nicht!

Bei der Frage, ob ein ehrenamtliches Engagement bei den zahnärztlichen Berufsvertretungen vorstellbar ist, ist das Meinungsbild geteilt: 48 Prozent können es sich grundsätzlich vorstellen, 50 Prozent nicht. Drei Viertel der über 55-jährigen Zahnärzten lehnen ein solches Engagement ab. Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es nicht: 49 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer sind offen für ein Engagement in der Standespolitik. 

Ehrenamtliches Engagement bei den zahnärztlichen Berufsvertretungen
„Ein ehrenamtliches Engagement bei den zahn -ärztlichen Berufsvertretungen ist vorstellbar“
Ja (in Prozent)
Nein, kommt nicht infrage (in Prozent)
insgesamt *4850
Männer4752
Frauen4948
unter 35-Jährige5541
35- bis 44-Jährige4848
45- bis 54-Jährige5842
55 Jahre und älter2773
Familienstand:
- verheiratet / mit Partner zusammenlebend4454
- anderer Familienstand5742
Tabelle 4; Quelle: forsa Politik- und Sozialforschung GmbH * an 100 Prozent fehlende Angaben = „weiß nicht“

Hintergrund: So arbeiten die Befragten

  • 17 Prozent sind seit bis zu zwei Jahren in einer Praxis angestellt, 22 Prozent sind seit drei bis vier Jahren, jeweils 18 Prozent seit fünf bis sechs beziehungsweise seit sieben bis neun Jahren und 25 Prozent seit mindestens zehn Jahren. Im Durchschnitt führen die Befragten seit sieben Jahren eine Zahnarzttätigkeit in Anstellung aus. 
  • Insgesamt 19 Prozent der befragten Zahnärzte waren bislang nur in der Praxis, in der sie aktuell arbeiten, beschäftigt. 28 Prozent waren bereits in zwei, 24 Prozent in drei und 18 Prozent in vier Praxen tätig. 10 Prozent der Zahnärzte durchliefen bereits mindestens fünf Praxen. Im Durchschnitt waren die Befragten bereits in drei Praxen als Zahnärzte tätig. 
  • 33 Prozent der Zahnärzte geben an, dass in der aktuellen Praxis bis zu zwei Zahnärzte tätig sind. In 31 Prozent der Praxen sind drei, in 19 Prozent der Fälle vier Zahnärzte beschäftigt. In 17 Prozent der Praxen arbeiten fünf oder mehr Zahnärzte. Im Durchschnitt sind in den Praxen vier Zahnärzte tätig. 
  • 41 Prozent der Befragten geben an, dass in der Praxis, in der sie arbeiten, nur sie selbst angestellt sind. 31 Prozent sagen, dass in ihrer Praxis zwei angestellte Zahnärzte arbeiten, jeweils 14 Prozent geben an, dass drei beziehungsweise mindestens vier Zahnärzte angestellt sind. Im Durchschnitt sind in den Praxen zwei Zahnärzte in Anstellung tätig. 
  • 18 Prozent der Befragten sagen, dass ihre Arbeitszeit ohne Überstunden weniger als 20 Stunden beträgt. 22 Prozent arbeiten 20 bis 29, 40 Prozent 30 bis 39 Stunden. Bei jedem Fünften beträgt die vereinbarte Arbeitszeit ohne Überstunden 40 Stunden und mehr. Im Durchschnitt leisten die Zahnärzte eine wöchentliche Arbeitszeit von 29 Stunden. Die wöchentliche Arbeitszeit liegt bei Männern und den unter 35-Jährigen höher als bei Frauen und Älteren.

Die Erhebung fand vom 17. bis zum 29. April 2019 mithilfe computergestützter Telefoninterviews statt. Die Ergebnisse können mit den bei Stichprobenerhebungen üblichen Fehlertoleranzen (hier maximal +/- 4,4 Prozentpunkte) auf die Grundgesamtheit der angestellten Zahnärzte und Zahnärztinnen in Baden-Württemberg, die Mitglieder der hiesigen KZV sind, übertragen werden.

Info

Umfrage in Nordrhein

Unter dem Titel „Frischer Wind für Berufspolitik“ hat die Junge Kommission der Zahnärztekammer Nordrhein junge Zahnärztinnen und Zahnärzte dazu aufgerufen, an einer Online-Meinungsumfrage zur Zukunft der Berufspolitik teilzunehmen. Die Frage ist: Was muss sich in der Berufspolitik ändern, damit der zahnärztliche Nachwuchs in Gremien und Institutionen stärker vertreten ist?
Die Zahnärztekammer hat sich zum Ziel gesetzt, mehr junge Zahnärztinnen und Zahnärzte für ein ehrenamtliches Engagement in der Berufspolitik zu gewinnen. Die dazu eingerichtete Junge Kommission erarbeitet derzeit einen Maßnahmenkatalog mit Vorschlägen, um den Berufsnachwuchs für ein Engagement in zahnärztlichen Gremien und Institutionen von der Regionalinitiative vor Ort bis hin zur Zahnärztekammer oder der KZV zu gewinnen.

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