Die zm-Kolumne rund um die relevanten Praxisfragen: Probleme des Praxisverkaufs – Teil 1

Lassen Sie Ihre Praxis nicht vergümmeln!

E-Mail an Henrici Privat

Die Praxisabgabe ist in den vergangenen Jahren für die meisten Praxisinhaber zu einer enorm großen Hürde vor dem wohlverdienten Ruhestand geworden, gestaltet sich der Verkauf doch zumeist schwierig und (zeit-)aufwendig. Längst bedeutet der Verkauf der eigenen Praxis nicht mehr einen „gesicherten Ruhestand“! Dies umso mehr, wenn es sich um eine „Gümmelpraxis“ handelt.

Was es mit dieser Bezeichnung auf sich hat, möchte ich gerne erläutern. Dieser eigenartig klingende Begriff, den ich nicht erfunden habe und der keinesfalls despektierlich gemeint ist, stammt aus Gesprächen mit jungen Zahnmedizinern, die sich für die Niederlassung interessieren und auf der Suche nach einer geeigneten Praxis sind. Der Begriff „Gümmelpraxis“ steht für eine Alterspraxis mit hohem Investitionsstau, einem gealterten Patientenstamm und unterdurchschnittlichen betriebswirtschaftlichen Zahlen. Von dieser Art Praxen befinden sich mehr auf dem Markt, als man glauben mag. Sie sind häufig das Resultat falscher Weichenstellungen lange vor der Praxisabgabe – die ich nachfolgend kurz darstellen möchte.

Abbildung 1, Quelle: Eigene Darstellung OPTI health consulting GmbH | BZÄK-Jahrbuch 2018

Würden Sie als Gründer Ihre eigene Praxis kaufen?

Mit der Erfahrung aus mehr als 1.400 umfassenden Mandaten in zehn Jahren beantwortet der Praxisexperte und Hauptgesellschafter der Opti Zahnarztberatung Fragen von Mandanten und Lesern zum Unternehmen Zahnarztpraxis. Der Einblick in seinen „Praxis“-Alltag soll Lösungsansätze aufzeigen, um Problemen in der Praxis so früh wie möglich begegnen zu können. Oder besser – um diese gar nicht erst entstehen zu lassen. | zm-mg

Ein Blick in die aktuellen Praxisbörsen lässt erahnen, dass oft eben nicht die Zahnarztpraxen angeboten werden, die junge Zahnmediziner präferieren. Mich wundert es keineswegs, wenn abgebende Zahnärzte irritiert sind, dass sie keinen potenziellen Nachfolger für ihre Praxis finden. Denn: Wie häufig wurden am Ende des beruflichen Werdegangs die erforderlichen Modernisierungsmaßnahmen nicht mehr durchgeführt, der Patientenstamm nicht aktiv bearbeitet, mit der Konsequenz der Überalterung sowie die betriebswirtschaftliche Sicht auf die Praxis vernachlässigt?

An dieser Stelle sollte man einen Perspektivwechsel vornehmen und sich fragen: Wie sollte eine Praxis aussehen, wenn man selber kurz davorstünde, sich niederlassen zu wollen? Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass im Gegensatz zur eigenen Niederlassungszeit vor 30 und mehr Jahren heutzutage ein Überangebot an Zahnarztpraxen auf dem Markt verfügbar ist – also genau andersherum als zur eigenen Gründungszeit, dann würden die heutigen Praxisabgeber genauso selektieren, wie es die jungen Zahnmediziner/-innen heute tun. Zum Verständnis ist es sinnvoll, sich die Unternehmung „Zahnarztpraxis“ anhand eines Lebenszyklus vorzustellen (Abbildung 1): Nach der Gründungs- und der Aufbau-/ Wachstumsphase kommt die Konsolidierungsphase, quasi die „Festigungsphase“. Hier erreicht die Praxisentwicklung ihren Höhepunkt, die Umsätze festigen sich, auch das Patientenaufkommen pendelt sich ein. In diese Phase fallen auch Veränderungen aus der Aufbau- und Wachstumsphase, die nun wirksam werden, beispielsweise die Einstellung eines Assistenzzahnarztes oder auch Spezialisierungen auf bestimmte Behandlungsmethoden. An dieser Stelle soll es jedoch um die Konsolidierungsphase und alles, was danach kommt, gehen.

Im Durchschnitt ist ein Praxisinhaber am Ende der Konsolidierungsphase zwischen 50 und 60 Jahren alt und die Praxis auf dem Höhepunkt. Und genau dann sollte man damit beginnen, sich mit der Praxisabgabe gezielt zu beschäftigen! Denn nur durch eine frühzeitige Planung stehen die Chancen gut, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Im Prinzip geht es darum, eine Praxis „warm“ zu übergeben. Dazu gehört, einen geeigneten Nachfolger aufzubauen und Personal und Patienten einzugewöhnen.

Wird der rechtzeitige Zeitpunkt des „Kümmerns“ verpasst, folgt die „Degenerationsphase“: In dieser Phase setzt der Wertverlust der Praxis ein. Die Umsätze beginnen leicht zu sinken, dagegen steigt das Durchschnittsalter des Patientenstamms und die Investitionen in den Werterhalt der Praxis werden geringer. 

Ziel ist eine Übergabe „mit warmer Hand“

Im Verlauf der vergangenen Jahre konnte man beobachten, dass die Anzahl der Zahnarztpraxen, die ohne Nachfolger geschlossen werden müssen, stetig steigt. Dies liegt einerseits daran, dass der Zahnarztpraxismarkt sich zu einem Käufermarkt entwickelt hat: Es gibt mehr Angebot als Nachfrage! Zurückzuführen ist dies unter anderem auf den demografischen Wandel, gleichzeitig aber auch auf die veränderten Präferenzen der jungen Zahnmediziner (Abbildung 2).

Abbildung 2 | Quelle: BZÄK-Jahrbuch 2018

Laut aktuellem Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer, erreichen in den nächsten 15 Jahren genau 53 Prozent der behandelnd tätigen Zahnärzte das Rentenalter, was der Anzahl von mehr als 38.000 Zahnärzten/-innen entspricht. Bei einer Niederlassungsquote von derzeit 70 Prozent bedeutet dies, dass in den nächsten Jahren mehr als 27.000 niedergelassene Zahnärzte – davon 80 Prozent Einzelpraxen – ihre Praxis an eine Generation abgeben wollen, für die Selbstständigkeit keine Selbstverständlichkeit ist. Genau deshalb ist die rechtzeitige Planung das A & O!

Momentan wird der Zahnarztpraxismarkt von den „Gümmelpraxen“ geprägt, denn von den jährlich 1.500 bis 2.000 neu auf den Markt kommenden Zahnarztpraxen sind nur wenige für die junge Generation attraktiv. Daher zahlt sich rechtzeitige Planung aus!

In diesem Sinne …
Ihr Christian Henrici

Henrici@opti-hc.de
www.opti-hc.de


In meiner nächsten Kolumne werde ich auf Fehler bei der Praxisübergabe sowie auf die Präferenzen junger Zahnmediziner eingehen.

21618352161641216164221616432161836 2161837 2161646
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare