Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe

„Uns fiel ein Stein vom Herzen!“

Plötzlich steht die Praxis kniehoch unter Wasser. Die komplette Einrichtung hat nur noch Schrottwert, der Betrieb ist auf Wochen unmöglich, die Existenzgrundlage gefährdet. Hier berichten stellvertretend für mehr als 250 betroffene Praxen sechs Zahnärztinnen und Zahnärzte, wie sie die Zeit nach dem Hochwasser im Juli 2021 erlebten.

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Dr. James Paterno aus Euskirchen erinnert sich: „Am Abend des 14. Juli 2021 wollten meine Frau und ich nach Praxisschluss im Keller unseres Wohn- und Praxishauses nach dem Rechten schauen und anschließend unseren Hochzeitstag feiern. Wir gingen in den Keller und entdeckten im Heizungsraum kleine Wasserpfützen auf dem 
Boden.“ Sie bemerkten ein lautes Rauschen – dann brach das Wasser schwallartig durch die Kellerfenster. „Wir konnten nur noch die Treppe hochlaufen, es gab keine Möglichkeit, irgendetwas zu retten.“

Von der Treppe aus nahm Paterno mit dem Handy ein Video auf und postete es in die Praxis-Whatsapp-Gruppe – mit einem einzigen Satz: „Wir saufen ab.“ Sie flüchteten mit ihren kleinen Kindern ins erste Obergeschoss und mussten mitansehen, wie die Praxis im Erdgeschoss überschwemmt wurde.

Im Eingangsbereich von Dr. James Paternos Praxis stand das Wasser... | privat

... als die Mitarbeiterinnen ankamen, um zu helfen. | privat

Als kurz darauf ein Großteil der Mitarbeiterinnen mit Ehemännern und Eimern zur Hilfe eilte, mussten sie feststellen, dass nichts zu machen war. Die Wassermassen waren einfach zu groß. Das Wasser stand bereits kniehoch. „Die Eingangstüren ließen sich aufgrund des Wasserdrucks nicht mehr öffnen, so dass wir nicht raus und keiner der Helfer reinkam“, schreibt Paterno. „Zum Glück kam noch irgendjemand auf die Idee, unsere Autos in Sicherheit zu bringen. Unsere Mitarbeiterinnen und ihre Ehemänner schickten wir dann nach Hause, da uns in dem Moment niemand helfen konnte.“

Die Feuerwehr war nicht erreichbar

Dann spitzte sich die Lage zu: Der Strom fiel aus. Die Feuerwehr war nicht zu erreichen. „Meine Frau wollte mit den Kindern aus dem Haus. Wir packten ein paar Sachen und kletterten aus dem Wartezimmerfenster in das mittlerweile hüfthohe Wasser“, berichtet Paterno. „Die Kinder auf dem Arm und mithilfe eines Nachbarn konnten wir uns zu unserem Auto durchschlagen.“ Der Zahnarzt wollte eigentlich wieder zurück zum Haus und die Nacht dort verbringen, da ja auch das Fenster noch offen stand.

Eckdaten Praxis Dr. James Paterno

Übernahme 2015, Erweiterung 2020, 265 qm, sechs Behandlungszimmer, Fünf Zahnärztinnen und Zahnärzte, 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schaden: etwa 400.000 Euro, Spenden: etwa 260.000 Euro

„Meine Frau wollte aber nicht, dass wir uns trennen und die Feuerwehr riet mir auch, nicht zurückzugehen. So ließen wir die Praxis und unsere Wohnung mit offenem Fenster und offener Wohnungstür zurück.“ Da nun auch das Mobilfunknetz überlastet war, fuhren sie auf gut Glück zu einer Mitarbeiterin drei Orte weiter, von der sie wussten, dass sie ein Gästezimmer hat. „Es war bereits 21.30 Uhr, aber wir wurden sehr, sehr herzlich aufgenommen und versorgt, konnten uns umziehen, waschen und die Kinder versorgen.“ Später kamen dort auch noch zwei weitere Mitarbeiterinnen an. Eine musste ihr Haus ebenfalls verlassen, die andere konnte wegen des Hochwassers nicht mehr nach Hause. Am Ende wohnten sie zehn Tage bei der Mitarbeiterin.

Die Aufräumarbeiten dauerten eine Woche 

Das Ausmaß des Schadens im Wohn- und Praxisgebäude: Der gesamte Keller inklusive Lager war überflutet. Die erst im September 2020 eingerichteten Praxisräume im Erdgeschoss waren komplett zerstört: zwei Behandlungszimmer, Anmeldung, Warteraum, Büro, Backoffice, Sozialräume und Aufwachraum. Alle Trockenbauwände und der gesamte Estrich mussten entfernt werden, der Keller und das EG in den Rohbau zurückgebaut werden.

Am nächsten Tag, dem 15. Juli, durfte Paterno kurz in die Praxis. | privat

Schlamm bedeckte den kompletten Boden und war in die Behandlungseinheiten eingedrungen. | privat

„Wir wussten, das schaffen wir nur zusammen!“

Zahnarztpraxis Dr. Gisela Bodenheim und Dr. Daniel Meyer, Hagen,
Praxisbestehen seit 1965, Übernahme 1995,
220 qm, sechs Behandlungszimmer,
zwei Zahnärzte, 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
Schaden: etwa 60.000 Euro, Spenden: 11.000 Euro 

| privat

„Die Hilfsbereitschaft war riesig, alle haben beim Aufräumen mit angepackt: unsere Mitarbeiterinnen, die Familie und die Nachbarn. Wir wussten, das schaffen wir nur zusammen. Wir waren allen sehr dankbar, auch für die unbürokratische Hilfe des zahnärztlichen Hilfswerks und die Spende. Die konnten wir gut für die Neuanschaffungen gebrauchen, denn erforderlich waren eine neue Heizungsanlage, ein Kompressor, Waschmaschine und Trockner, Kühlschrank, Schränke, Elektroschaltschrank sowie Türen, Vorratsmaterial, ein Amalgam-Abscheider, Nassabsaugung, Monitore und eine Einheit mit diversen Ersatzteilen. Die Aufräumarbeiten haben sich mehrere Wochen hingezogen, allein die Trocknung der Räume hat eine ganze Zeit in Anspruch genommen.

Zur Sicherheit hängt der neue Schaltschrank für die Elektrik nun im Erdgeschoss. Vorher war er im Keller und fiel dem Wasser zum Opfer. Gefährlich!“

„Bis zum 14. Juli war unsere Welt in Ordnung“

Zahnarztpraxis Sara Fritz-Schmalfuß, Rheinbach,
Praxisbestehen seit 1975, 2015 Übernahme vom Vater,
200 qm, vier Behandlungszimmer, zwei Zahnärztinnen,
zehn Mitarbeiterinnen,
Schaden: etwa 120.000 Euro, Spenden: 6.892 Euro

| privat

„Bis zum 14. Juli 2021 war unsere Welt in Ordnung: Ich hatte die Praxis von meinem Vater übernommen, der Umbau war abgeschlossen, das Team toll zusammengewachsen, keine weiteren Sorgen. Dann kam die Flut. Das Labor, die Maschinenräume mit Server, die Umkleide, die Personaltoiletten und das Lager waren betroffen. Das Wasser kam aus sämtlichen Abflüssen hoch und floss in die Kellerräume. Kurz bekam ich Panik, wollte Freunde anrufen und um Hilfe bitten. Ich erreichte keinen! Es gab keinen Handyempfang. So stand ich allein im Wasser, das stetig stieg, und war den Tränen nahe. Nachrichten kamen nur zögerlich durch, Strom war weg, dafür war das Martinshorn drei Tage permanent zu hören – die Einsatzkräfte im Dauereinsatz! Als die Kammer anrief, um den Betrieb als nicht einsatzfähig zu melden, wurde ich gefragt, wie lange ich denn wohl geschlossen hätte. Unter Tränen musste ich erklären, wie es hier drum herum aussah. Dass Menschen gestorben waren oder vermisst wurden, dass keiner Strom hatte und hier erstmal für sehr lange Zeit nichts mehr gehen würde. Bis heute ist die Renovierung nicht abgeschlossen. Die Kosten steigen immer weiter und ich bin sehr dankbar, dass die Kollegenschaft eine solche Unterstützung geleistet hat. Ohne sie wären wir noch lange nicht so weit wie wir es jetzt sind.“

Als nach fünf Tagen die Evakuierung aufgehoben wurde, kamen alle nicht vom Hochwasser selbst betroffenen Mitarbeiterinnen mit ihren Gatten, Eltern und Freunden. Alle halfen beim Aufräumen im Erdgeschoss, während der Keller von der Feuerwehr leergepumpt wurde. Am Ende schleppten sie alles aus dem Haus, entfernten den Schlamm und fingen an zu putzen. „Wir erfuhren eine unglaubliche Hilfsbereitschaft von unseren Familien und Freunden, aber auch von unserem Team, deren Familien und sogar von völlig fremden Menschen“, berichtet Paterno. Eine ganze Woche dauerte das Ausräumen und das Entfernen des Schlamms.

Behandelt wurde im Schichtsystem

Eine weitere Woche gestalteten die Helfer die Praxisräume im 1. Obergeschoss mit vier Behandlungszimmern so um, dass dort bereits am 2. August in einem Schichtsystem von 6.30 bis 21 Uhr gearbeitet werden konnte. „Es war eine unglaublich anstrengende Zeit für alle. Es war alles sehr eng, es gab keinen Sozialraum und anstrengende Arbeitszeiten“, sagt der Zahnarzt heute.

Später pumpte die Essener Feuerwehr den Hauskeller leer. | privat

Und das tagelange Ausräumen des Schrotts (hier Karteikarten) begann. | privat

Zunächst wurde versucht, das Ständerwerk zu erhalten. | privat

Später musste dann aber doch alles entfernt werden. | privat

Das Erdgeschoss wurde zum Rohbau. | privat

Das größte Problem sei für ihn und seine Frau am Anfang die finanzielle Unsicherheit gewesen, erzählt er. Woher die Kraft zum Weitermachen nehmen? Wie mit der Unsicherheit für das Personal umgehen? „Können wir das finanziell stemmen? Können wir alles wieder ausbauen, schaffen wir das noch mal?“ Diese Fragen gingen den Paternos in diesen Tagen immer wieder durch den Kopf. „Wir hatten gerade erst den Stress mit dem Ausbau des Erdgeschosses im September 2020 und die Geburt unseres zweiten Kindes hinter uns gebracht. Während der Flut erfuhren wir dann noch von unserem dritten Kind. Es war in dieser Zeit ein Lichtblick, eine wundervolle Nachricht. Aber auch verbunden mit extremer Übelkeit und Kraftlosigkeit“, schreibt der Zahnarzt. Er habe wochenlang von 7 bis 21 Uhr behandelt, während sein Schwiegervater und seine Frau sich um die Sanierung kümmerten.

mindestens 50 Prozent Unterversichert

Die Praxis war nicht gegen Elementarschäden versichert. Das Gebäude schon, aber nach Aussage der Versicherung mit einer Unterversicherung von mindestens 50 Prozent. Eine Erstattung für die Schäden an den 2020 ausgebauten Räumen wurde komplett abgelehnt. „Als dann im Oktober die großzügige Spende kam und jetzt im März die Zusage von der Wiederaufbauhilfe, fiel uns ein Stein vom Herzen. Wir konnten durchatmen und ab dem Zeitpunkt wussten wir, dass wir es stemmen können.“

„Ich dachte anfangs: saubermachen und nächste Woche wieder öffnen!“

Zahnarztpraxis Dr. Markus Gau (Foto rechts) und Dr. Stefan Gau, Euskirchen,
Gründung durch Vater Dr. Alfons Gau 1956, Miteinstieg 1994,
180 qm, vier Behandlungsräume, zwei Zahnärzte, zehn Mitarbeiterinnen,
Schaden: etwa 500.000 Euro, Spenden: 164.000 Euro

| privat

„Das Ausmaß des Schadens war uns anfangs nicht klar. Wir versuchten zunächst den Schlamm rauszuschaffen, bevor er fest würde. Naiverweise dachten wir, das machen wir schnell sauber und können dann übernächste Woche den Praxisbetrieb vielleicht schon wiederaufnehmen. Aber der Schlamm war überall: Möbel, Behandlungseinheiten und die Elektronik – das alles war hin. Sollten wir die Praxis überhaupt wieder öffnen? Wir sind nicht mehr die Jüngsten und wollten uns am Ende unserer zahnärztlichen Berufszeit auch nicht noch mal hoch verschulden. Aber wir haben dann doch ziemlich bald mit dem Wiederaufbau begonnen. Heute ist die Praxis im Prinzip wieder so, wie sie war – auch dank der Spenden. Eins möchte ich auch betonen: Wir stehen sicher nicht besser da als vorher, falls der Eindruck durch die Schadensersatz-summen und die Hilfsgelder entsteht. Am Ende kommen darauf nämlich steuerliche Abgaben. Unser Vater hat die Praxis 1956 gegründet. Leider verstarb er vergangenen November und konnte so den abgeschlossenen Wiederaufbau nicht miterleben. Er wäre sicher sehr froh und stolz, dass wir die Praxis wiederaufbauen konnten.“

Die Entkernung dauerte vier Wochen, die Trocknung der Räume zweieinhalb Monate. Der Umbau ging zügig und seit dem 1. März 2022 ist die Praxis auch im EG wieder eröffnet – pünktlich zum siebenjährigen Bestehen, Paterno hatte die Praxis am 1. März 2015 von seinem Vorgänger übernommen.

Zwischenstand: die komplette Entkernung. | privat

Die finanzielle Hilfe für Paterno und seine Kolleginnen und Kollegen kam aus verschiedenen Quellen. Es gab Soforthilfeprogramme des Bundes sowie der jeweiligen Städte und auch der Berufsstand investierte viel: Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein stellte bis zu drei Millionen Euro aus einer Rücklage für Sonder- und Katastrophenfälle bereit. Dem gemeinsamen Spendenaufruf von Landeszahnärztekammern, KZVen und der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ) folgten hunderte Kolleginnen und Kollegen.

Sachschäden von bis zu 1,1 Millionen Euro

Insgesamt kamen mehr als 1 Million Euro zusammen, von denen mehr als 900.000 Euro bereits ausgezahlt worden sind. Dem gegenüber standen gemeldeten Sachschäden, die pro Praxis zwischen 2.000 und 1,1 Millionen Euro lagen, berichtet das HDZ. Das Hilfswerk berücksichtigte bei der Verteilung seiner Gelder nur schwer betroffene Praxen, die einen reinen Praxis-Sachschaden – ohne Einnahme-Ausfälle und Gebäudeschäden – von mehr als 50.000 Euro erlitten hatten. Dies betraf insgesamt 36 Praxen (21 in Nordrhein, zwei in Westfalen-Lippe und 13 in Rheinland-Pfalz). Deren Gesamt-Sachschaden lag allein bei etwa 7,9 Millionen Euro.

Sabine Hallmich-Kober hat in ihrer Einzelpraxis in Hilden einen Schaden von etwa 96.000 Euro erlitten. Dank umfangreicher Unterstützung aus dem Kollegenkreis und knapp 18.000 Euro Spenden kann die Zahnärztin mit ihren drei Zahnmedizinischen Fachangestellten seit Ende Januar 2022 wieder in eigener Praxis praktizieren. Der Keller war zu diesem Zeitpunkt noch im Rohbauzustand, nur der Maschinenraum neu bestückt. Trotzdem ein Erfolg, denn bis zu diesem Zeitpunkt lag ein gutes halbes Jahr mit langem Warten auf Baufreigaben und Gerangel mit Versicherungen hinter ihr.

Es war aber auch halbes Jahr voll von großer kollegialer Hilfe, beschreibt Hallmich-Kober. Diese habe sie „sehr überwältigt“. „Ich war ja bei weitem nicht so stark betroffen wie manch anderer Kollege“, schreibt sie. „Trotzdem haben wir viel Zuspruch, persönliche Hilfe durch Arbeitskraft, pekuniäre- und Sachspenden erhalten. Und unsere Handwerker haben schnell und super gearbeitet“, bilanziert Hallmich-Kober. Jetzt sei sie glücklich, wieder in ihrer Praxis behandeln zu können. Von ihrer Versicherung trennte sich die Zahnärztin trotz jahrzehntelanger Zusammenarbeit angesichts der ärgerlichen Schadensabwicklung aber.

Wochen später war alles wiederhergestellt. | privat

Blick in eines der brandneuen Behandlungszimmer im Erdgeschoss. | privat

Am 1. März 2022 feierte Paterno (hier mit seiner Familie) am Tag des siebenjährigen Praxisbestehens die Wiedereröffnung der Räume im Erdgeschoss. | privat

Denn als am Tag nach der Hochwasserwelle, dem 15. Juli 2021, das Wasser abgepumpt war, begann ein Wechselbad der Gefühle. „Es kamen Freunde und Bekannte, um die Kellerräume zu leeren. Die Hilfe war überwältigend“, erinnert sich die Zahnärztin. Dann zeigte sich jedoch, dass nichts dem Wasser standgehalten hatte: Die Metall-Kellertür war vom Wasserdruck trotz zwei zusätzlicher Sicherheitsriegel aufgedrückt worden, der Maschinenraum komplett verwüstet: der Kompressor lag, aus der Wandhalterung gebrochen, kopfüber auf dem Boden, das Klimagerät war abgerissen, Sauganlage und Amalgamabscheider verdreckt und verbogen.

Zunächst dachte Hallmich-Kober, nur ihre Kellerräume seien bis zur Decke überflutet gewesen. Doch auch in Büro, Personalraum und Labor gab es einen Totalschaden: Schränke, Server, Computer, Telefonanlage, Küchenzeile, Esstisch-Garnitur, Rüttler, Trimmer, Tiefziehgerät und vieles andere war nur noch Schrott – und das Wasser durch die Betondecke bis in den Estrich in die Praxisräume gezogen.

„Am Ende sind durch das Unglück sogar Freundschaften entstanden!“ 

Zahnarztpraxis Dr. Sabrina Hesener, Euskirchen,
Praxisübernahme 2016, Erweiterung 2020,
300 qm, sechs Behandlungszimmer,
drei Zahnärztinnen, neun weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
,Schaden: mehr als 500.000 Euro / Spenden insgesamt: 83.130 Euro

| privat

Dr. Sabrina Hesener hat Ende 2016 eine alteingesessene Praxis in Euskirchen übernommen und nach Aussage ihres Mannes und Praxismanagers Holger Hesener „viel Zeit, Fleiß, Aufwand und Geld investiert“, um die Praxis zu modernisieren und digitalisieren. Alle vier Behandlungsstühle plus Equipment wurden ausgetauscht, um ein modernes Flair zu schaffen. 2020 wurde die Praxis erweitert und im April 2021 die Eröffnung zwei weiterer Behandlungsräume gefeiert. Dann kam das Jahrhundert-Hochwasser: Rund einen Meter hoch stand das Wasser im Erdgeschoss. Es wurde alles zerstört: das im Keller befindliche Dentallager, Kompressoren, Absauganlagen, IT-Infrastruktur, alle Behandlungsstühle, Möbel und viel Dental-Equipment. „Wir standen vor den Scherben unserer Existenz“, schreibt Hesener und erinnert sich an die hohe Verantwortung Team und Patienten gegenüber. Das Ziel: „Alles so schnell wie möglich wiederaufbauen und zeitgleich irgendwie die zahnmedizinische Versorgung aufrechterhalten“.

Bis heute spüren die Heseners „unfassbare Dankbarkeit“ darüber, dass sie wie aus dem Nichts Kolleginnen und Kollegen kontaktiert haben, um Hilfe und Behandlungsmöglichkeiten anzubieten. So konnten bereits fünf Tage nach der Katastrophe zwei Teams in benachbarten Praxen notwendige Behandlungen fortsetzen. Holger Hesener kümmerte sich zeitgleich um den Wiederaufbau der Praxis, in der am 4. Oktober 2021 die ersten vier Räume wieder soweit hergestellt waren, dass Behandlungen möglich waren. Parallel zum Betrieb wurde der Anbau nach nur 2,5 Monaten Nutzung erneut saniert und vollständig neu hergerichtet. Neueröffnung war am 1. Februar.

In der Rückschau habe die Katastrophe viel Leid und Sorgen beschert, Kraft und Geld gekostet – aber gezeigt, wie groß die Solidarität im Berufsstand ist. Für die Unterstützung durch Teammitglieder, Lieferanten und das Praxisumfeld seien sie heute noch „unendlich dankbar“, schreibt Hesener. Am Ende seien durch das Unglück sogar Freundschaften entstanden. 

Gleichzeitig erhielt sie von Kollegen aus dem Ärztenetzwerk coliquio aber eine Vielzahl von Hilfsangeboten: Geld- und Sachspenden sowie das Angebot, Räume mitzubenutzen. „Auch das fand ich grandios!“, sagt Hallmich-Kober, auch wenn das erste Angebot wegen der Entfernung nicht umsetzbar war. Im August ergab sich dann aber doch noch die Möglichkeit für sie, stundenweise den Behandlungsraum eines Kollegen im Ort mitzubenutzen, um ihre Patienten weiter zu versorgen.

Die Patienten dankten es und auch ihr Team war wieder beschäftigt. Denn Kurzarbeit sei keine Option gewesen, erklärt die Zahnärztin. „Meine Damen sind alleinstehend und können eine Kürzung des Gehalts wegen Kurzarbeit nicht verkraften.“

Auf die Soforthilfe der Stadt Hilden musste sie nicht lange warten – die Wiederherstellung der Praxis beschleunigte das zunächst jedoch nicht. Denn jeder Kostenvoranschlag musste über den Versicherungsmakler erst zu einem Gutachter der Versicherung. „Alles benötigt Zeit. So haben die Trocknungsarbeiten der übrigen Keller erst Anfang September angefangen. Mein Erdgeschoß ist durchlöchert und mit Schläuchen versehen, um den Estrich zu trocknen. Damit wurde aber lange nicht gestartet, da die Sanierungsfirma Angst hatte, meine Einheiten zu schädigen – was wiederum nicht überprüft werden konnte, da der Strom nicht ging. Kostenvoranschläge für neuen Bodenbelag und Maler kommen nun auch und müssen weitergereicht werden“, beschrieb die Zahnärztin ihren Kollegen bei coliquio im Oktober 2021 die Situation.

Als acht Wochen später die mündliche Zusage der Versicherung kommt, dass der Estrich samt Fußbodenheizung aus den Kellerräumen rausgerissen werden darf, ist die Ein-Mann-Baufirma im Urlaub. Eine neue Baufirma, die die Zahnärztin über Beziehungen auftun konnte, muss aber erst einen neuen Kostenvoranschlag schreiben – so verlangt es die Versicherung. Hinzu kommt: Auch bei der Interpretation, welcher Erstattungsumfang sich laut Police ergibt, gibt es unterschiedliche Interpretationen zwischen Hallmich-Kober und ihrer Versicherung, berichtet sie ihren Kollegen und schreibt: Das wird noch ein Nachspiel haben. 

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