Weißrussische Zahnärztedelegation zu Besuch in Bühl

Fachlicher Austausch und praktische Hilfe

Schon zum dritten Mal lud der Initiativkreis von Zahnärzten aus Bühl und Umgebung (IZB) Kollegen aus Weißrussland ein. Neben einem fachlichen Austausch ging es vor allem auch um praktische Anschauung, wie man sich für das „Unternehmen Zahnarztpraxis“ fit macht.

Es begann im Juni 1996 mit der Konferenz der Bundeszahnärztekammer zur Koordinierung von Hilfeleistungen deutscher Zahnärzte im Ausland. Die sich dabei konstituierende Arbeitsgruppe GUS-Staaten hatte in Dr. Peter Schletter, Neustadt- Glewe, einen profunden Russlandkenner und perfekten Russischdolmetscher gewonnen und mit Dr. Joachim Kowollik, Vorsitzender des „Initiativkreises von Zahnärzten aus Bühl und Umgebung e.V., (IZB) in Bühl/Baden, einen Kollegen engagiert, der über zahlreiche Kontakte zu weißrussischen Kollegen verfügte.

Neben der humanitären Hilfe gelang es in der Folgezeit, Verbindungen auf fachlicher Ebene zu knüpfen, so dass der IZB bereits im Jahr 1997 zu einem Symposium über die „Biochemie des Speichels“ neben Wissenschaftlern aus Deutschland auch solche aus der russischen Föderation und der Republik Weißrussland nach Bühl einladen konnte. Zwei Jahre später organisierte der IZB zusammen mit der zahnmedizinischen Fakultät in Minsk unter der Leitung von Prof. Peter Leous, Minsk, ein Symposium zum Thema „international experience in prevention of oral diseases“. Die Aufnahme eines Bilddokumentes von dieser internationalen Konferenz in das offizielle Handbuch der Republik Belarus (Weißrussland) bei der Expo 2000 in Hannover beweist den hohen Stellenwert, den man inzwischen diesen zahnärztlichen deutsch-weißrussischen Kontakten beimisst.

Eine Woche Programm

Im Herbst letzten Jahres kam nun auf Einladung des IZB eine zahnärztliche Delegation aus Weißrussland nach Bühl. Angeführt von Prof. Leous waren es die fünf leitenden staatlichen Zahnärzte aus den einzelnen weißrussischen Verwaltungsbezirken, die eine Woche lang die zahnärztliche Welt ihrer deutschen Kollegen erkunden wollten. Für die nicht unerheblichen Kosten dieser Veranstaltung war es zum ersten Mal gelungen, auch von staatlicher Seite finanzielle Hilfe zu bekommen.

Im praktischen Arbeitsteil des Besuches absolvierten die weißrussischen Kollegen zunächst ein zweitägiges Trainingsprogramm im „International center for dental education“ in Ellwangen. In Theorie und praktischen Übungen wurden sie mit dem neuesten Stand der Füllungstherapie vertraut gemacht, Programme zur Prävention von Karies und Parodontalerkrankungen wurden vorgestellt und auf ihre Umsetzbarkeit im eigenen Land diskutiert. Bei einem Besuch in Lörrach wurde bei einem Firmenrundgang die nahezu vollautomatische Herstellung von Mundpflegeprodukten bestaunt. Ein sich daran anschließender Vortrag mit round-table-Diskussion befasste sich mit der günstigen Kosten-Nutzen- Relation, wie durch den gezielten Einsatz von Aminfluoridpräparaten die Zahngesundheit verbessert werden kann.

Der Aufenthalt in Bühl wurde geprägt von den Hospitationen in den Zahnarztpraxen der IZB-Mitglieder. Aber auch die Teilnahme am alljährlich stattfindenden praktischen Kurs zur Notfallmedizin, war für die weißrussischen Kollegen eine beeindruckende Schulung. Die zahnmedizinische Versorgung der weißrussischen Bevölkerung erfolgt bislang noch weitestgehend in staatlichen Polikliniken. Eine zu geringe finanzielle Ausstattung dieser Einrichtungen erzeugt jedoch in letzter Zeit einen Privatisierungsdruck, so dass in absehbarer Zeit mit einer Gründungswelle von privatzahnärztlichen Praxen zu rechnen sein wird. Im Gegensatz zum zahnärztlichen Berufsalltag in Deutschland, wo in der Regel der Zahnarzt in seiner Tätigkeit als Generalist gefragt ist, sind die weißrussischen Kollegen noch nach dem alten sowjetischen Ausbildungssystem Spezialisten in ihrer jeweiligen Fachrichtung. Dies bedingt für den einzelnen Patienten zum Teil recht umständliche Versorgungswege, um beispielsweise neben einer konservierenden Behandlung auch eine erforderliche prothetische Versorgung zu erhalten. Die Praxishospitationen waren deshalb für diese Zahnärzte ein eindrucksvoller Anschauungsunterricht, wie vor allem unter Integration eines gut ausgebildeten Assistenzpersonals, zahnmedizinische Leistungen unterschiedlicher Anforderungsgrade erbracht werden können. Ergänzt wurde diese praktische Anschauung durch Vorträge über das Sozialversicherungssystem und die Organisation der Zahnärzteschaft in Deutschland sowie über betriebswirtschaftliche Anforderungen an das „Unternehmen Zahnarztpraxis“.

Dr. Joachim KowollikLaufer Str. 877833 OttersweierFax: 07223-943188E-Mail:jokodens@t-online

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