Studie des Berliner IGES

Viele wissen, was sie wollen

Sascha Devigne Mehr als 1 000 Patienten wurden vom Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) befragt. Heraus kam dabei die Studie „Der Patient vor der Wahl – durch mehr Wissen zu mehr Verantwortung“. Das Pharmaunternehmen Janssen-Cilag hatte die Untersuchung bezahlt – und festgestellt: „Die Bevölkerung will mehr Verantwortung im Gesundheitswesen übernehmen und fordert im Gegenzug mehr Wissen und mehr Wahlmöglichkeiten.“

Die Studie beginnt geradezu mit einem demoskopischen Donnerschlag: Ganze 68 Prozent aller Interviewten geben an, dass sich die Situation der Patienten im Gesundheitswesen ihrer Ansicht nach in der Vergangenheit eher verschlechtert hat. Ein Viertel meint, die Situation sei gleich geblieben, nur magere sieben Prozent sehen eine Verbesserung. Was nun aber nicht am lieben Geld liegt. Denn dass die Bevölkerung beim Thema Gesundheit nicht zunächst ans Portmonee denkt, belegt die IGESStudie mit deutlichen Zahlen.

Mehr Leistungen

Lediglich 20 Prozent sind der Meinung, dass sich Gesundheitspolitik vor allem um gleich bleibende Kassenbeiträge kümmern sollte. Fast doppelt so viele Befragte meinen hingegen, die politische Aufgabe sei es, mehr medizinische Leistungen zu ermöglichen. „Es gibt in der Bevölkerung keine Mehrheit für eine einseitig an der Eindämmung der Beitragssätze orientierte Politik“, so das Fazit von Janssen-Cilag. Interessanterweise rechnen mehr als 75 Prozent der Befragten damit, dass ihre Beiträge in den kommenden Jahren „etwas“ oder sogar „stark“ erhöht werden.

Ganz deutlich wird an dieser Stelle, dass die Patienten selbst bereit sind, sich über Kosten und Beiträge mehr Gedanken zu machen, als es bislang nötig ist. So wurde Ihnen bei der Studie die Möglichkeit gegeben, sich per Katalog eines von 14 „GKV-Versicherungspaketen“ auszusuchen. Acht dieser Angebote waren mit einem Beitragsnachlass verbunden, sechs mit einem Zuschlag. Ergebnis: „Ein Drittel der Befragten erhöht als Ergebnis der Wahlentscheidung seinen Kassenbeitrag.“ Im Durchschnitt, so die Studie, wären diese Patienten bereit, 16 Prozent mehr an ihre Krankenkassen zu zahlen. „Die Ergebnisse zeigen“, so Janssen-Cilag, „dass die Bevölkerung ein sehr starkes Interesse an mehr Wahlmöglichkeiten innerhalb der GKV hat.“ Mehr als 90 Prozent würden hiervon Gebrauch machen. Allerdings nur dann, wenn sie entsprechend informiert werden.

Und da hakt es anscheinend. Denn fast ein Viertel der Befragten gibt an, kein Vertrauen zu den Akteuren im deutschen Gesundheitswesen zu haben – weder zu den Ärzten noch zu den Krankenkassen, weder zur Politik auf Landes-noch auf Bundesebene, weder zur Wissenschaft noch zu den Gewerkschaften. Ein echter Tiefschlag für den Auftraggeber der Studie muss es zudem sein, dass null Prozent der interviewten Patienten darauf vertrauen, dass die Pharmaindustrie ihre Interessen vertritt.

Eine Konsequenz daraus ist sicherlich die Forderung, dass zukünftig „Vertreter der Bürgerinteressen“ an der Gesundheitspolitik beteiligt werden müssen. Drei Viertel aller Befragten sprechen sich hierfür aus, wobei nicht so recht klar wird, wer nun eigentlich ihre Interessen vertreten soll: Selbsthilfegruppen vielleicht, die Verbraucherberatungszentralen – oder doch eher neu zu gründende Organisationen auf Bundesebene? „Die Bevölkerung“, führt Janssen-Cilag aus, „fordert eine Ausweitung ihrer Informationsmöglichkeiten, differenzierte Wahlmöglichkeiten innerhalb der GKV-Tarife und den Zugang zu innovativen Behandlungsformen.“

Gar nicht gut bestellt ist es aus Patienten-Sicht um die Transparenz von Qualität und Leistungen im Gesundheitswesen. Mehr als die Hälfte aller Befragten halten die Möglichkeiten, sich über die Qualität von Ärzten zu informieren, für nicht befriedigend. Immerhin 17 Prozent geben sogar an, sie sei „überhaupt nicht ausreichend.“ Damit hängt fast unmittelbar zusammen, dass fast alle interviewten Patienten es begrüßen würden, wenn Ärzte ihre Tätigkeitsschwerpunkte angeben. Insgesamt 95 Prozent fänden solche Informationen „eher gut“ oder sogar „sehr gut“. Auffällig ist, dass den Ärzten in diesem Zusammenhang großes Vertrauen geschenkt wird. Mehr als drei Viertel der Befragten würde sich auf die Angaben zu den Schwerpunkten verlassen. Kleine Forderung am Rande: 56 Prozent der Interviewten sprechen sich dafür aus, dass auch GKV-Versicherte nach einem Arztbesuch eine Behandlungsquittung ausgehändigt bekommen. Bei Privatpatienten ist das ja schon längst üblich.

Weitere Informationen zur Studie gibt es im Internet (www.janssen-cilag.de).

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