BWL für die Zahnarztpraxis

Betriebswirtschaftliche Erfolgsplanung

Zentrale Voraussetzung einer erfolgreichen Unternehmensführung ist für jeden Zahnarzt, dass er das Zahlenwerk seiner Praxis beherrscht. Weil betriebswirtschaftliche Pflichten zunehmend zum Alltag des Praxischefs gehören, sollten die Unternehmensdaten für eine konstruktive Zukunftsplanung genutzt werden. Die betriebswirtschaftliche Dokumentation der geschäftlichen Abläufe gibt nicht nur Auskunft darüber, wie eine Praxis insgesamt dasteht. Sie macht es auch möglich, eine detaillierte betriebswirtschaftliche Bewertung verschiedener – oder aller – Praxisbereiche vorzunehmen.

Eine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) hat ihre Grenzen und Schwächen: Mit ihr ist in der Regel nur eine vergangenheitsbezogene Betrachtung möglich. Zwar lässt sich die vollzogene Entwicklung einer Praxis detailliert betrachten, und es können daraus Tendenzen abgeleitet werden, aber eine zukunftsorientierte Betrachtung – als Basis betriebswirtschaftlich vernünftiger Entscheidungen – ist durch sie allein noch nicht gesichert.   

Eine zukunftsorientierte Unternehmensführung plant einen Zeitraum – etwa das kommende Geschäftsjahr – und stellt es vorab durch Zahlen dar. Einwände („Meine Praxis lässt sich nicht planen“) oder Bedenken gegen eine solche Planung sind in der Regel nur vorgeschobene Gründe – sie dokumentieren im Grunde eine generelle Ablehnung, sich mit den betriebswirtschaftlichen Abläufen zu beschäftigen. Bereits vorliegende Informationen über die betriebswirtschaftlichen Daten der Praxis und der oft vorhandene Erfahrungsschatz des Zahnarztes machen eine gute und detaillierte Planung jedoch für die meisten Praxen möglich. Neben den persönlichen Zielen ist es notwendig, sich mit allen Bereichen der Praxis zu beschäftigen – und sich die richtigen Fragen zu stellen. 

Gibt es Punkte, in denen sichAufbau oder Struktur der Praxisändern? Zum Beispiel:

• Assistenzarzt

• Partnerschaft

• Organisation

• Wettbewerb

• Gesetzliche Rahmenbedingungen

• Infrastruktur Auch zum ThemaLeistungserstellungfallen Fragen an:

• Welche Leistungen bietet die Praxis heute an?

• Welche neuen Leistungen sollen künftig hinzukommen?

• Welchen Anteil sollen die einzelnen Leistungen am gesamten Erlös haben?

• Lässt sich die Praxis in einzelne Planbereiche aufteilen (unterschiedliche Behandler, Prophylaxe, Labor, Verwaltung)?

• Wie sollen sich die Erlöse auf die Bereiche Kassenpatienten, Privatpatienten und Zuzahlungen aufteilen?

BeiPraxen mit mehreren Behandlernist zusätzlich zu planen:

• Welchen Erlösanteil soll der einzelne Behandler erreichen?

• Wie ist das Leistungsspektrum des einzelnen Behandlers? In punktoKostensituationtauchen mehrere Fragen auf:

• Sind Veränderungen im Personalbereich vorgesehen, oder stehen Gehaltserhöhungen an?

• Wie hoch werden die Laborkosten im Verhältnis zu den geplanten Leistungen stehen?

• Ändern sich die Ausgaben für Material, Mieten, Verwaltung oder andere Kostenarten?

• Wie hoch werden die Abschreibungen künftig sein?

• Können die Kosten den einzelnen Praxisbereichen verursachergerecht zugeordnet werden – und wenn ja, wie werden sie verteilt? Weitere Fragen tauchen in Bezug auf dieVerträgeauf:

• Laufen Leasingverträge aus, und sind Schlusszahlungen fällig?

• Laufen Mietverträge aus und müssen verlängert werden?

• Müssen Verträge gekündigt und Fristen beachtet werden?

• Sind neue Verträge abzuschließen? Und schließlich gibt es einige Punkte, die zum ThemaInvestitionenzu klären sind:

• Sind Ersatzinvestitionen vorgesehen?

• Welche Neuanschaffungen sind notwendig?

• Wie werden die Investitionen finanziert?

Alle Antworten auf diese Fragen sind in den Planungsunterlagen zu dokumentieren und, soweit möglich, in Zahlen darzustellen. Wie eine vollständige Planung für eine Zahnarztpraxis mit zwei Behandlern, davon ein Assistenzarzt, aussehen kann, ist in der Beispielgrafik dargestellt.  

Mithilfe einer Tabellenkalkulation dieser Art kann der Jahresplan den auszuwertenden Perioden optimal angepasst werden – auch unter Berücksichtigung saisonaler Schwankungen und eventueller Urlaubszeiten.

Ein vernünftiges Controlling umfasst den Blick in die Vergangenheit (was sich durch eine klassische BWA sehr gut bewerkstelligen lässt), die Ableitung von betriebswirtschaftlichen Entwicklungen und Tendenzen, aber ebenso die vernünftige Planung für die Zukunft. Gerade bei diesem letzten Punkt reicht die BWA nicht aus. Im Gegenteil: manchmal verfälscht sie sogar den Blick auf die tatsächliche Praxissituation. Wer sich also nicht allein auf seine BWA verlassen möchte, der sollte eine Zukunftsplanung erstellen, die weit darüber hinausgeht: Aufteilung der Praxisbereiche, Untergliederung der Leistungssektoren und Berücksichtigung aller relevanten zukünftigen Entwicklungen. Mit dieser Planung lässt sich die Basis für eine betriebswirtschaftlich vernünftige Unternehmensführung schaffen, die den Zahnarzt unabhängig von vermeintlichen Zufällen und zum aktiven Visionär des eigenen Praxiserfolges macht.  

Detlev WesterfeldWörrstädter Straße 255278 Undenheim

\n

Planung Januar bis Dezember 2003

\n

\n

Praxis ges.

Behandler I

Behandler II

Prophylaxe

Labor

Allgemein

\n

Einnahmen

\n

Privatpatienten

390 000

300 000

40 000

50 000

\n

Zuzahlungen

250 000

140 000

60 000

50 000

\n

KZV

500 000

200 000

300 000

\n

Eigenlabor

20 000

20 000

\n

Fremdlabor

240 000

140 000

100 000

\n

1 400 000

780 000

500 000

100 000

20 000

\n

Leistungen

\n

Kons./Chir.

280 000

180 000

100 000

\n

Prophylaxe

100 000

100 000

\n

Parodontose

100 000

70 000

30 000

\n

ZE

200 000

120 000

80 000

\n

KFO

100 000

100 000

\n

Gnathologie

200 000

180 000

20 000

\n

Implantate

30 000

20 000

10 000

\n

Laser

40 000

30 000

10 000

\n

Sonstige

65 000

25 000

40 000

\n

FLAB

240 000

140 000

100 000

\n

ELAB

15 000

15 000

\n

Material

30 000

10 000

10 000

5 000

5 000

\n

1 400 000

780 000

500 000

100 000

20 000

\n

Ausgaben

\n

Personal

450 000

100 000

200 000

50 000

10 000

90 000

\n

Fremdlabor

240 000

140 000

100 000

\n

Material

30 000

10 000

10 000

5 000

5 000

\n

Raum

70 000

30 000

15 000

9 000

1 000

15 000

\n

Finanzierung

60 000

60 000

\n

Abschreibung

50 000

10 000

10 000

10 000

20 000

\n

Buchhaltung

5 000

5 000

\n

Instandhaltung

15 000

5 000

5 000

5 000

\n

Mieten B+G

12 000

9 000

3 000

\n

Versicherungen

3 000

3 000

\n

Verwaltung

35 000

35 000

\n

Sonstige

10 000

10 000

\n

980 000

304 000

343 000

74 000

16 000

243 000

\n

Über-/Unter-

+ 476 000

+ 157 000

+ 26 000

+ 4 000

– 243 000

\n

deckung

\n

Praxisergebnis

+ 420 000

\n

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