Die 68. Sylter Woche ist eröffnet
Vom 18. bis zum 22. Mai kommen Zahnärztinnen und Zahnärzte mit ihren Teams auf Sylt zusammen, um sich fachlich fortzubilden und auszutauschen. Dr. Michael Brandt, Präsident der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein, eröffnete den Fortbildungskongress und begrüßte die rund 880 Teilnehmenden vor Ort und online.
„Nicht perfektionistisch, sondern individuell passend“
Hausweiler griff in seinem Grußwort das Kongressmotto auf. „Perfekte Zahnheilkunde für jedes Lebensalter“ spiegele gut wider, wie eng zahnmedizinische Ästhetik, Gesundheitsauftrag, Lebensqualität und gesellschaftliche Erwartungen miteinander verbunden seien.
„Perfekt“ heiße in diesem Zusammenhang nicht perfektionistisch, sondern individuell passend, medizinisch verantwortungsvoll und nachhaltig. Das beginne bei frühzeitiger Prävention, kindgerechter Prophylaxe, zahnerhaltenden Konzepten, minimalinvasiven Therapien, funktioneller Rehabilitation und altersgerechter Versorgung – unter Einbeziehung von Multimorbidität, Medikation und Pflegebedürftigkeit.
Die Zahnmedizin entwickle sich derzeit rasant, sagte Hausweiler. Als Beispiele nannte er biokompatible, substanzschonende und zugleich hochpräzise Behandlungsansätze, digitale Workflows und Künstliche Intelligenz. Entscheidend sei jedoch: „Neue Technologien müssen der zahnärztlichen Sorgfalt dienen, nicht sie ersetzen.“ Wissenschaftliche Evidenz, Fortbildung, transparente Aufklärung und ein klarer Blick auf Indikation und Grenzen blieben die Grundlage verantwortlicher Zahnmedizin.
Zugleich verwies Hausweiler auf veränderte Erwartungen von Patientinnen und Patienten. Viele informierten sich heute breit, auch in sozialen Medien, und kämen mit klaren, teils überzogenen Vorstellungen in die Praxis. Das sei Chance und Herausforderung zugleich. Der Anspruch des Berufsstands sei es, Wünsche ernst zu nehmen, Patientinnen und Patienten aber auch vor medizinisch nicht sinnvollen oder gar schädlichen Begehren zu schützen.
Deutliche Kritik am Beitragssatzstabilisierungsgesetz
Neben dem fachlichen Auftakt nahm Hausweiler auch zur aktuellen Gesundheitspolitik Stellung. Anlass sei der Entwurf des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Hausweiler erinnerte daran, dass die Politik noch vor wenigen Monaten gefordert habe, „die Zahnmedizin als Vorbild“ zu nehmen. Davon sei im Referenten- und anschließend im Kabinettsentwurf „nicht viel – besser gesagt: gar nichts“ übrig geblieben.
Die vorgesehene einnahmeorientierte Ausgabenpolitik bezeichnete er als „uninspirierten Griff in die alte Schublade der Kostendämpfungsmaßnahmen“. Sie sei fern vom Vorbildcharakter einer präventionsorientierten Zahnheilkunde mit messbaren Erfolgen für Mund- und Allgemeingesundheit – und letztlich auch für die Kassenlage der GKV.
„Die geplanten Kostendämpfungsmaßnahmen sind ein Irrweg“
Bei aller Notwendigkeit von Reformen, die niemand bestreite, seien die geplanten Kostendämpfungsmaßnahmen ein Irrweg, sagte Hausweiler. Sie griffen in bewährte und wirksame Versorgungsstrukturen ein und gefährdeten die funktionierende flächendeckende Versorgung der Patientinnen und Patienten.
Besonders scharf kritisierte Hausweiler den geplanten Eingriff in die Kieferorthopädie. Der beabsichtigte Fachzahnarztvorbehalt komme für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die kieferorthopädisch arbeiten, nahezu einem Berufsverbot gleich – mit existenziellen Folgen. Die Vorschläge entbehrten jeder evidenzbasierten Grundlage, sagte Hausweiler. Zudem seien sie ein Angriff auf das Fundament des Berufsstands: auf die Approbation, das einheitliche Berufsbild, das einheitliche Berufsrecht, die einheitliche Berufsausübung und den einheitlichen Berufsstand.
Hausweiler appelliert, an politische Entscheidungsträger zu schreiben
Hausweiler rief die Kolleginnen und Kollegen auf, weiter aktiv zu bleiben und Musterbriefe an die politischen Entscheidungsträger zu senden. Gespräche mit Bundestagsabgeordneten hätten gezeigt: „Diese Briefe kommen an. Sie werden gelesen.“ Nun komme es darauf an, dass sie auch den richtigen Ausgang hätten.
Auch Kerstin Haltermann, amtierende Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, hieß die Teilnehmenden willkommen und dankte ihnen für ihre Treue zur Insel. Die Sylter Woche tue der Insel „sehr gut“, sagte Haltermann. Besonders würdigte sie das Engagement rund um das Charity-Golfturnier: Seit 2008 sammelt die Zahnärztekammer Schleswig-Holstein bei ihrem Fortbildungskongress über das jährliche Turnier Spenden für gemeinnützige Projekte auf Sylt. In den vergangenen 18 Jahren kamen dabei insgesamt mehr als 100.000 Euro zusammen. Der diesjährige Spendenscheck umfasst 6.800 Euro.











