Differentialdiagnose dunkelfarbiger Schleimhautläsionen

Varikose im Bereich der Wangenschleimhaut

235180-flexible-1900
Heftarchiv Zahnmedizin

Kasuistik

Ein 65-jähriger Mann wurde uns zur Abklärung einer seit mehreren Wochen bestehenden dunkelfarbenen Schleimhautveränderung im Bereich der linken Wange überwiesen.

Bei näherer Inspektion erkannte man eine vorgewölbte, leicht geschlängelt verlaufende, dunkelblaue Läsion, die unter der Schleimhaut zu liegen schien (Abb. 1). Die Läsion war palpatorisch weich und nicht druckdolent.

In Lokalanästhesie wurde die Schleimhaut eröffnet und der submukös, neben einem Ast des N. mentalis liegende Befund dargestellt (Abb. 2). Das Gewebe wurde entnommen (Abb. 3) und die Wunde nach sorgfältiger Blutstillung wieder verschlossen (Abb. 4).

Histologisch zeigte sich eine thrombosierte und ektatische Vene (Varize) mit geringer chronischer Entzündungsreaktion.

Diskussion

Varizen sind knotig ausgeweitete, oft geschlängelt verlaufende Venen [Riede, 2001]. Am häufigsten findet man eine enorale Varikose im Bereich der sublingualen Venen, wobei sie bei mehr als der Hälfte aller 60-jährigen Menschen vorkommt [Ettinger und Manderson, 1974]. Im Allgemeinen sind sublinguale Varizen symptomlos außer bei sekundärer Thrombosierung, die sehr selten vorkommt. Thrombosierte sublinguale Varizen können aufgrund der damit verbundenen Entzündungsreaktion auch schmerzhaft sein.

Viel seltener treten Varizen solitär in anderen Bereichen der Mundschleimhaut auf, wobei hier vor allem die Lippen- und Wangenschleimhaut betroffen sind [Neville et al., 2002]. Diese isolierten Varizen werden häufig erst nach Thrombosierung klinisch auffällig [Weathers und Fine, 1971]. Auch bei dem hier vorgestellten Patienten war die enorale Varize auf einen kleinen Bezirk im Bereich der Wangenschleimhaut beschränkt und ihr Lumen thrombosiert.

Während die sehr häufigen und in ihrem Erscheinungsbild typischen sublingualen Varizen in der Regel keiner Therapie bedürfen, sollte man die solitären Erscheinungen im Bereich der Lippen- und Wangenschleimaut chirurgisch entfernen. Damit wird einerseits die meistens vorliegende Thrombose entfernt und andererseits die Diagnose histologisch bestätigt. Dies ist deswegen besonders erforderlich, da das orale Schleimhautmelanom eine wichtige Differentialdiagnose der dunkelfarbigen Schleimhautläsionen darstellt.

Prof. Dr. Dr. Torsten E. ReichertKlinik und Poliklinik für Mund-, KieferundGesichtschirurgieKlinikum der Universität RegensburgFranz-Josef-Strauß-Allee 1193053 Regensburg

PD Dr. Dr. Martin KunkelKlinik für Mund-, Kiefer- und GesichtschirurgieJohannes Gutenberg-UniversitätAugustusplatz 255131 Mainz

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