Kongress der Ärzte und Zahnärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)

Aus der Versenkung

Einen Neuanlauf beim Präventionsgesetz wünschten sich die Bundesverbände der Ärzte und Zahnärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst auf ihrem 56. wissenschaftlichen Kongress in Frankfurt an der Oder. Beim Bundesgesundheitsministerium rannten sie damit scheinbar offene Türen ein.

„Leider ist das Präventionsgesetz im vergangenen Jahr in der Versenkung verschwunden“, sagte Dr. Klaus Walter, Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD), während der Eröffnung des Kongresses im Kleist Forum Frankfurt. Das bedauerte auch Rolf Schwanitz (SPD), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Prävention bleibe jedoch ein Thema, versprach er: „Wir wollen im kommenden Jahr einen zweiten Versuch mit dieser Gesetzesinitiative starten.“ Einen genauen Termin nannte Schwanitz nicht, auf die Gesundheitsreform ging er gar nicht ein.

Ein zweites Thema, das den ÖGD-Mitarbeitern unter den Nägeln brannte, war die Frage, wie sie einer kontinuierlich wachsenden Zahl von Aufgaben in Zeiten des Personalabbaus gerecht werden können. Neue Herausforderungen, wie Vogelgrippe und Pandemieplanung oder Integration von Migranten, und alte Aufträge, wie Impfungen oder Reihenuntersuchungen in Kindergärten und Schulen, könne man nur mit genügend Mitarbeitern meistern, erklärte Walter. Er gab zu bedenken: „Eine weitere pauschale Senkung von Standards aus Kostengründen geht nicht mit der Vielzahl der Aufgaben zusammen.“ Diesen Widerspruch sah auch Ärztepräsident Jörg- Dietrich Hoppe. „Der ÖGD leidet unter der mangelnden Aufmerksamkeit der Politik. Dabei erkennen seine Mitarbeiter sektorale Gesundheitsrisiken am besten. Die Fortführung der Sparmaßnahmen gefährdet die Qualität seiner Arbeit“, analysierte er die Lage in seinem Grußwort.

Motiviert und qualifiziert

Allen Kürzungen zum Trotz, Ärzte und Zahnärzte im öffentlichen Dienst sind nach Ansicht des BVÖGD-Chefs Walter motiviert bei der Sache und fachlich hoch qualifiziert. Das bewiesen insbesondere die Erfolge in der Kariesprophylaxe, wie Dr. Michael Schäfer, Vorsitzender des Bundesverbandes der Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG), berichtete: „Die Mundgesundheit der Zwölfjährigen ist bundesweit in den letzten zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen.“ Gruppenund Individualprophylaxe blieben wichtige Tätigkeitsfelder der ÖGD-Zahnärzte und könnten als Vorbild für andere Gesundheitsbereiche dienen, bekräftigte er. Bestätigung dafür kam von Dr. Eberhard Steglich, Vizepräsident der LZK Brandenburg. Prävention und Prophylaxearbeit seien in jedem Lebensalter ein Thema für die Zahnärzteschaft. „Wir fühlen uns vor allem hilfsbedürftigen Gruppen, wie behinderten Menschen oder Kariesrisikogruppen, verpflichtet.“ Der Weg zum Erfolg setzt laut Steglich die Bündelung der Kräfte voraus: „Um alle Facetten der Vorsorge adäquat umzusetzen, müssen niedergelassene Mediziner, ÖGD und die Politik an einem Strang ziehen.“

Die Politik fand lobende Worte für die Arbeit des ÖGD. Schwanitz nannte die Zahlen in der Kariesprävention erfreulich. Die Zahnärzte in den Gesundheitsämtern hätten daran einen großen Anteil. Für Risikogruppen müsse aber noch mehr getan werden, fügte er hinzu. Die Regierung plane, mehr Beratungsangebote, vor allem im Bereich der Aidsprävention, anzubieten. Dazu wolle man auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr als Plattform nutzen.

Die neue Mitte Europas

Europa war neben der politischen Bestandsaufnahme ein zentrales Thema des Kongresses. Das Motto lautete schließlich „Öffentlicher Gesundheitsdienst ohne Grenzen in der neuen Mitte Europas“. Verschiedene Workshops und Vorträge boten den rund 550 Tagungsbesuchern Informationen über die medizinischen Verhältnisse in anderen EU-Ländern.

In punkto Zahngesundheit wies BZÖGChef Schäfer darauf hin, dass die Kariesrate bei ungarischen Kindern viermal höher liege als bei deutschen. Die Prophylaxearbeit hier zu Lande könne also durchaus Pioniercharakter für die Nachbarn im Osten gewinnen. In den deutsch-polnischen Grenzgebieten in Brandenburg gäbe es bereits Kooperationen, sagte Dr. Gudrun Rojas vom zahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes der Stadt Brandenburg an der Havel.

Die länderübergreifende Zusammenarbeit der Gesundheitsdienste – so das Fazit des BVÖGD-Vorsitzenden Walter – müsse auch in Zukunft gepflegt werden. Ansonsten könne man gegen Infektionskrankheiten, wie Aids, nicht ankommen: „Dieser Kongress soll als Impuls dienen, die Kooperationen zu vertiefen.“

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