Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

mal Hand aufs – hoffentlich gesunde – Herz: Wer möchte in der heutigen Zeit in unserer Gesellschaft noch in der Haut eines Rauchers stecken? Mental selbstverständlich, denn biologisch beantwortet sich diese Frage ja eigentlich von selbst.

Wer Aufklärung berücksichtigt, mit offenen Augen durch die Welt geht, liest und den Stand der Dinge wahrnimmt, wird als Raucher heute nicht mehr um das „Für und Wider“ von Nikotin und Co. streiten. Die Sache ist sonnenklar

Bleibt also der sich immer mehr reduzierende Rest von Süchtigen oder aber Trotzigen, die auf Toleranz der ehemals um Rücksicht bittenden Minderheit, inzwischen aber zur Mehrheit avancierenden Gruppe der erwachsener Nichtraucher hoffen. „No Way!“ lautet die nach kalifornischem Beispiel zu prägende Antwort. Was das Passiv- Rauchen betrifft, spricht die Wissenschaft inzwischen deutliche Worte.

Hier als erwachsener Mensch das Recht auf Sucht zu reklamieren, fällt selbst „starken“ Rauchern zunehmend schwer. Letzte Freiheit bleibt inzwischen oft der Balkon im eisigen Winter.

Kann sich unsere immer wieder auf Toleranz setzende Gesellschaft also in dieser Frage zurücklehnen und das Thema als erledigt betrachten? Wer das glaubt, wähnt sich schon zu sehr auf der sicheren Seite. Nikotin-Sucht ist leider nicht das aus düsteren Zeiten der Nicht-Aufklärung stammende Übel von irgendwann aussterbenden Erwachsenen.

Denn Deutschlands Schulen diskutieren nicht nur „Pisa“, sondern nach wie vor, ob das Rauchen Lehrern wie Schülern – selbstverständlich im Rahmen des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestalters – erlaubt sein soll. Das passt – wohlgemerkt beim heutigen Stand der Kenntnisse über die Schädlichkeit des Rauchens wie Passivrauchens – eigentlich nicht mehr in den „Lehrplan“. Wo immer auch Toleranz gepredigt wird, wer immer auch meint, Rauchern ihre vermeintliche Freiheit lassen zu wollen, der sollte spätestens hier den Generationenvertrag, auf dem unsere Gesellschaft, wenn auch auf immer wackligerem Boden, fußt, ernst nehmen: Die „Kippe“ im Mund von Kindern und Jugendlichen hat mit Toleranz nichts zu tun. Sie ist schlicht Vernachlässigung.

Aber was tun? Die Zigaretten-Automaten noch höher hängen? Die letzten Tabakbuden schließen? Prohibition hat, das haben Erfahrungen gezeigt, in Suchtfragen nie richtig funktioniert.

Also ist und bleibt offene, sachliche und ehrliche Aufklärung der richtige Weg. Wer über Jahre verinnerlicht, dass Rauchen schädlich ist, hat zumindest das Rüstzeug, sich gegen Versuchungen zu wehren.

Wer ihr erliegt, dem bleibt letztlich der winterliche Balkon.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagelzm-Chefredakteur

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