Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

Goldstandard-Übersichtsarbeit in The Lancet

Paracetamol in der Schwangerschaft erhöht NICHT das Autismus-Risiko beim Kind

Im Fokus einer systematischen Metaanalyse von 43 bestehenden Studien stand die Frage, ob Paracetamol in der Schwangerschaft sicher angewendet werden kann oder nicht. Ergebnis: Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft erhöht nicht das Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderung beim Kind.

Die Arbeit war eine Reaktion auf öffentliche Bedenken, nachdem die US-Administration um Präsident Donald Trump im September 2025 behauptet hatte, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft die Neuroentwicklung der Kinder beeinträchtigen und ihr Risiko für Autismus erhöhen könne. Die strittigen Studienergebnisse hatte die Regierung damals zum Anlass genommen, die Zulassungsbehörde FDA damit zu beauftragen, die Sicherheitskennzeichnung von Paracetamol zu ändern.

Die Behauptungen basierten auf früheren Studien, die ­einen geringen Zusammenhang zwischen der Einnahme von ­Paracetamol während der Schwangerschaft und einem erhöhten Autismus-Risiko festgestellt hatten. Diese Studien waren jedoch häufig mit Verzerrungen behaftet, da sie sich auf bestimmte Arten von Daten beschränkt und keine ­Vergleiche zwischen Geschwistern angestellt hatten, um die Familiengeschichte zu berücksichtigen, die aber eine ­wichtige Rolle spielt.

Vergleich von Geschwistern spricht gegen erhöhtes Risiko

In einer populationsbasierten Studie aus 2024 mit fast 2,5 Millionen Kindern aus Schweden hatten Forschende zwar ein geringfügig erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen wie ADHS und der Autismus-Spektrum-Störung nach Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft identifiziert. Sie mussten jedoch einräumen, dass Analysen von übereinstimmenden Vollgeschwisterpaaren keine Hinweise auf ein erhöhtes Autismus-Risiko ergaben.

Ahlqvist VH, Sjöqvist H, Dalman C, et al. Acetaminophen Use During Pregnancy and Children’s Risk of Autism, ADHD, and Intellectual Disability. JAMA. 2024;331(14):1205–1214. doi:10.1001/jama.2024.3172

Das internationale Team untersuchte 60 Studien von höchster Qualität und mit strengsten Forschungsmethoden und verglich Schwangerschaften, in denen die Mutter Paracetamol eingenommen hatte, mit solchen, in denen das nicht der Fall war. 43 Studien wurden in die systematische Übersichtsarbeit und 17 Studien in die Metaanalyse einbezogen.

Die früheren Warnungen basierten auf verzerrten Studien

Durchsucht wurden MEDLINE, Embase, ClinicalTrials.gov und die Cochrane Library von Beginn an bis zum 30. September 2025 nach Kohortenstudien mit adjustierten Risikoschätzungen für eine Autismus-Spektrum-Störung, ADHS und intellektuelle Beeinträchtigung. Eingeschlossen wurden Studien, die validierte Fragebögen oder Krankenakten zur Definition der Endpunkte verwendeten, mütterliche Komorbiditäten und Behandlungen erfassten und Schwangerschaften mit und ohne Paracetamol-Exposition verglichen. Nicht adjustierte Studien wurden ausgeschlossen.

Sie fassten die Ergebnisse von Vergleichsstudien zusammen, in denen Geschwister derselben Mutter verglichen wurden, wobei eine Schwangerschaft mit Paracetamol-Exposition verbunden war und die andere nicht. „Dieses Design hilft ­dabei, gemeinsame genetische Faktoren, das familiäre ­Umfeld und langfristige elterliche Eigenschaften zu prüfen, die in traditionellen Studien nicht vollständig berücksichtigt ­werden können“, betonen die Forschenden.

In den Studien zum Vergleich von Geschwistern wurden Daten von 262.852 Kindern mit Autismus, 335.255 Kindern mit ADHS und 406.681 Kindern mit geistiger Behinderung ausgewertet. Im Vergleich zu Schwangerschaften ohne ­Paracetamol-Exposition wurde bestätigt, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft nicht mit Autismus, ADHS oder geistiger Behinderung im Kindesalter in Verbindung steht.

„Die Botschaft ist klar: Paracetamol bleibt eine sichere Option während der Schwangerschaft, wenn es gemäß den Anweisungen eingenommen wird.“

Studienleiterin Prof. Asma Khalil von der University of London


Die aussagekräftigsten Ergebnisse liefern Geschwister-Vergleichsstudien

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass zuvor berichtete Zusammenhänge eher durch genetische Veranlagung oder andere mütterliche Faktoren wie Fieber oder zugrunde liegende Schmerzen erklärt werden können als durch eine direkte Wirkung des Paracetamols selbst", erläutert Studienleiterin Prof. Asma Khalil von der University of London. „Dies ist wichtig, da Paracetamol das Medikament der Wahl ist, das wir für schwangere Frauen mit Schmerzen oder Fieber empfehlen, und daher sollten sie sich beruhigt fühlen, dass sie immer noch eine sichere Option haben, sich von ihren Schmerzen zu befreien.“

Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass eine Einschränkung der aktuellen Studie darin bestand, dass es nicht möglich war, kleinere Gruppen in den Studien mit Geschwistervergleichen zu analysieren, basierend darauf, in welchem Schwangerschaftstrimester Paracetamol eingenommen wurde, welches Geschlecht das Baby hatte oder wie oft Paracetamol eingenommen wurde, da zu wenige der vorhandenen Studien diese Daten erhoben hatten.

Insgesamt stützen die Ergebnisse der Studie die Empfehlungen der wichtigsten medizinischen Organisationen weltweit. Die Forscher hoffen, dass diese Goldstandard-Übersichtsarbeit „jeglicher Skepsis gegenüber der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft ein Ende setzt, da der Verzicht auf Paracetamol bei starken Schmerzen oder ­Fieber sowohl die Mutter als auch das Baby bekannten ­Risiken aussetzen kann, insbesondere unbehandeltem ­Fieber der Mutter“.

Melden Sie sich hier zum zm-Newsletter des Magazins an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Heft-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm Online-Newsletter und zm starter-Newsletter.