Neue Studie zur Zukunft der deutschen Branchen

Platz zwei für die Pharmaindustrie

Die drei Branchen Unternehmensdienste, Pharma sowie Medizin-, Mess-, Steuer-, Regeltechnik haben unter 34 analysierten deutschen Wirtschaftszweigen die besten Zukunftsaussichten. Sie profitieren am stärksten von den erwarteten technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen und haben die besten Wachstums- und Entwicklungsperspektiven. Dies ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Die zukunftsfähigste Branche unter den deutschen Wirtschaftszweigen ist die der unternehmensnahen Dienstleistungen, vor allem wegen ihres starken Beschäftigungswachstums. Dies zeigt die Studie „Deutschlands Zukunftsbranchen“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, die der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) in Auftrag gegeben hatte. Die Dienstleister erreichen 76,7 Prozent der möglichen Punkte. Zum Sektor gehören Unternehmensberatung, Finanzdienstleister, Informations- und Immobilienwirtschaft. Diese Mittler sind wesentliche Gewinner des Strukturwandels, aber weisen – auch strukturell bedingt – ein niedriges Wachstum an Produktivität und Export auf.

Auf Platz zwei folgt die Pharmaindustrie mit 74,4 Prozent. Sie kann laut IW den technischen Fortschritt besonders für das eigene Wachstum nutzen – etwa Innovationen der Bio- und Gentechnik. Auch die demografischen Veränderungen und der damit verbundene Nachfragewandel wirken positiv. Anzeichen dafür: Gegen den Trend stieg die Zahl der Arbeitsplätze in den Jahren 2000 bis 2005 um 14,4 Prozent. Einen Platz im unteren Mittelfeld gibt es dagegen im Teilbereich Rahmenbedingungen.

Die Medizin-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik/Optik (MMStR) liegt mit 74,1 Prozentpunkten an dritter Stelle des Rankings. Grund sind eine hohe Produktivität und Exportquote sowie Vorteile durch die Globalisierung – und wie Experten bewerten – günstige Rahmenbedingungen. Trotz eines leichten Abbaus an Jobs gehört die MMStR – zusammen mit Pharma – zu den forschungs- und humankapitalintensivsten Wirtschaftszweigen. In der Top Ten folgen Automobilindustrie, Logistik, Nachrichten, Chemieindustrie, Maschinenbau, sonstiger Fahrzeugbau sowie die Gesundheits- und Sozialdienste.

Gesundheit als Trend

Während die Unternehmensdienste von ihrer Funktion als „Drehscheibe“ der Wirtschaft profitierten, gründeten die Aussichten der beiden anderen Spitzen laut IW zu großen Teilen auf ihrer Fähigkeit, am „Gesundheitsboom“ zu partizipieren. „Der Gesundheitssektor ist der Zukunftsbereich der deutschen Wirtschaft“, prognostiziert Dr. Michael Hüther, Direktor des IW Köln.

Ihre Erwartungen haben die Forscher an mehreren Faktoren festgemacht. „Dazu zählt vor allem die Fähigkeit, die großen technologischen und gesellschaftlichen Zukunftstrends produktiv aufzugreifen und in marktfähige Innovationen zu überführen“, erklärt Hüther. Auch entscheidend: die Rahmenbedingungen. Positiv seien die Qualifikation von Fachkräften, die Qualität der Wissenschaftseinrichtungen und die stabile Rechtstaatlichkeit, so urteilen die befragten Experten. Als Belastung werten sie Abgaben und Steuern sowie Bürokratie. Hinzu komme die Risikoscheu der Deutschen. Restriktive Arbeitsmarktsowie Produkt- und Marktregulierungen sehen die Fachleute ebenfalls als Hemmnis – besonders für die Arzneimittelhersteller. Dieses Votum solle „von der Politik als Warnschuss verstanden werden“, kommentiert Hüther.

Die „Kluft zwischen Möglichkeiten und der Wirklichkeit“ werde in Deutschland immer größer, betont Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des VFA. Kaum eine Branche habe so gute Aussichten wie die Pharma, Know-how und Arbeitsplätze aufzubauen. Aber auch kaum einer Branche werde es so schwer gemacht, dieses Potential zu nutzen, erklärt Yzer. Dabei verweist sie auf eine Studie des Hamburgerischen WeltWirtschaftsinstituts (HHWI) zu „Wachstum und Beschäftigung im Gesundheitswesen“. Nach dieser könne die deutsche Gesundheitswirtschaft in einem wettbewerblichen System im Jahr 2020 fünfeinhalb Millionen Menschen beschäftigen. Blieben staatliche Regulierung und Intervention, verzichte man auf genau 650 000 Arbeitsplätze und 50 Milliarden Euro, urteilt Yzer.

Die IW-Ergebnisse basieren auf einer Kombination aus quantitativer Analyse und qualitativer Expertenbefragung. Die „Financial Times Deutschland“ bezeichnete die Zweitplatzierung der Pharma als „nicht überraschend angesichts des Auftraggebers.“

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