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Neue S3-Leitlinie zur Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung

Das sind die Folgen des Stillens auf die Mund- und Zahngesundheit

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Zahnmedizin
Die neue S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ liefert auch differenzierte Einschätzungen zu den Auswirkungen des Stillens auf die Mund- und Zahngesundheit.

Die neue S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) veröffentlicht.

Insgesamt wurden 30 gesundheitsrelevante Endpunkte bei Mutter und Kind analysiert, darunter kindliche Infektions- und Stoffwechselerkrankungen sowie Aspekte der mütterlichen Gesundheit. Ein großer Teil der Leitlinie thematisiert auch die Mund- und Zahngesundheit.

Zwei neue Empfehlungen zur Stilldauer

Die beteiligten 26 wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsgruppen haben zwei neue Empfehlungen zur Stilldauer verabschiedet. 1. Die Leitlinie empfiehlt, reifgeborene Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend zu stillen. 2. Außerdem wird eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen. 

Die Empfehlung zum Vollstillen über sechs Monate erhielt den Empfehlungsgrad B. Die Empfehlung zu einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten wurde mit dem Empfehlungsgrad A verabschiedet. Ausschließliches Stillen bedeutet Ernährung allein durch Muttermilch. Beim überwiegenden Stillen werden zusätzlich Wasser oder Tee gegeben. Beide Formen werden als Vollstillen zusammengefasst. Teilstillen umfasst die zusätzliche Gabe von Säuglingsanfangsnahrung oder Beikost.

Für die Zahn- und Mundgesundheit informierte die Leitlinie über die bevorzugte Mundatmung, frühkindliche Karies (ECC) und Zahnfehlstellungen.

Zur Mundatmung

Da eine reduzierte Muskelspannung als möglicher Faktor für Mundatmung diskutiert wird, finden sich in der Literatur Hinweise, dass das Saugen an der Brust die orofaziale Muskulatur fördern könnte [Peres et al., 2015]. Laut der Leitlinie könnte eine Gesamtstilldauer von mehr als zwölf Monaten im Vergleich zu einer kürzeren Gesamtstilldauer möglicherweise protektiv in Bezug auf die bevorzugte Mundatmung sein. Das gilt auch für eine Gesamtstilldauer von mehr als 24 Monaten im Vergleich zu weniger als 24 Monaten. Für ausschließliches beziehungsweise überwiegendes Stillen über sechs Monate im Vergleich zu einer kürzeren Stilldauer ergeben sich hingegen keine Anhaltspunkte für protektive oder adverse Effekte auf bevorzugte Mundatmung. Für alle Studien wird die Evidenz als sehr niedrig eingestuft.

Zu frühkindlicher Karies

Frühkindliche Karies (ECC) bezeichnet Kariesbefall im Milchgebiss bis zum sechsten Lebensjahr. Die Leitlinie bewertet Muttermilch hinsichtlich ihrer möglichen Kariogenität differenziert: Einerseits könnte der Milchzucker (Lactose) theoretisch zur Kariesentstehung beitragen, andererseits enthält Muttermilch protektive, antibakteriell wirkende Bestandteile. Zusätzlich wird ein möglicher Schutz über die Stillmechanik diskutiert: Die Milch gelangt beim Saugen überwiegend nach hinten in Richtung Rachen und wird geschluckt, statt sich länger an den Zahnflächen zu halten. Insgesamt wird die Studienlage als uneinheitlich beschrieben. Aufgrund deutlicher methodischer Einschränkungen sind belastbare Schlussfolgerungen nur eingeschränkt möglich.

Zu Zahn- und Kieferfehlstellungen

Stillen wird in der Leitlinie auch im Zusammenhang mit der Entwicklung von Zahn- und Kieferfehlstellungen diskutiert. Zur möglichen Erklärung führen die Autoren an, dass die orofaziale Muskulatur beim Saugen an der Brust stärker beansprucht wird als bei der Flaschenernährung. Insgesamt finden sich Hinweise, dass Kinder, die gar nicht, nur unregelmäßig oder kürzer als sechs Monate gestillt wurden, häufiger Zahnfehlstellungen aufweisen als Kinder, die über sechs beziehungsweise zwölf Monate voll gestillt wurden – die Evidenz wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.

„Die systematische Auswertung der verfügbaren Studien zeigt konsistente Hinweise auf schützende Effekte eines ausschließlichen oder überwiegenden Stillens über sechs Monate. Ein halbes Jahr ausschließliches Stillen ist für die meisten reifgeborenen Säuglinge gesundheitlich gut abgesichert. Mit der Empfehlung einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten unterstreichen wir zudem die langfristige Bedeutung des Stillens für Mutter und Kind!“, fasst der DGGG-Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Michael Abou-Dakn die allgemeinen Empfehlungen der Leitlinie zusammen.

Die vollständige Leitlinienfassung finden Sie hier.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V., Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V., Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V.: S-3 Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung, Version 1.0, Datum, Registernummer 027-072, 2025, verfügbar unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-072 (Zugriff am 26.02.2026)

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