Daniel Bahr

Der Profi

Mit 14 Jahren tritt er den JuLis bei, mit 25 sitzt er im Bundestag: Daniel Bahr gehört zur neuen Youngster-Elite der FDP, den „jungen Milden“. Doch was kann der 34-jährige Shootingstar, wofür steht er? Ein Porträt des Gesundheitsministers.

Smart ist er, heißt es. Sachkundig. Und straight. Kenner beschreiben ihn zudem als besonnen, fleißig und ausgesprochen ehrgeizig. Bahr – ein Mann ohne Fehl? Wer seinen Lebenslauf liest, entdeckt jedenfalls keine Brüche, keine Umwege, keine Eskapaden. Der gelernte Bankkaufmann hat nach seiner Ausbildung VWL studiert und zog noch währenddessen 2002 in den Bundestag ein. Und doch kommt Bahr gelegentlich auch halbstark daher. Unvergessen bleibt, wie er die CSU zur „Wildsau“ machte. Oder als blaugelber Weihnachtsmann durch die Münsteraner City zog. Und irgendwann im November nur mit Badehose bekleidet in eine Wanne stieg, weil mit dieser Generationenpolitik „die Jugend baden geht“.

Teenies rasteten aus

Zumindest in Münster erinnert man sich auch noch gern an das Plakat zum Landtagswahlkampf 2000. Auf dem rauft sich Bahr wegen der aus seiner Sicht unsäglichen rot-grünen Bildungspolitik die Haare – und eroberte damit reihenweise die Herzen der westfälischen Mädels, die sich das Poster übers Bett hängten.

Neben einfach nur gut aussehen kann der Jungpolitiker aber auch: Politik verkaufen. Er gilt als zupackend, ist rhetorisch gewandt, und das kommt gut an. Unter seinem Vorsitz als Chef der Jungen Liberalen verdoppelten sich innerhalb von fünf Jahren die Mitgliederzahlen. Im November 2010 übernahm er den Landesvorsitz der FDP Nordrhein-Westfalen, seit 2005 ist er Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. 2009 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im BMG.

Doch während die einen seine Berufung zum Bundesgesundheitsminister als logische Konsequenz seines kometenhaften Aufstiegs verstehen, werten andere gerade diesen Posten als Abstieg. Für die FDP sei es ein lästiges Amt – ohne Aussicht auf Blumentöpfe. Eins, das einen aufgrund der Gemengelage der dort agierenden Interessengruppen auffrisst und als Politiker komplett ausschaltet. „Ein Rangierbahnhof, in dem Nachwuchskräfte zwischengeparkt werden“, schrieb eine Zeitung. Wobei die Haltung Philipp Röslers, der schon immer mit dem Wirtschaftsressort liebäugelte, nicht unbedingt mit den Ambitionen Bahrs gleichzusetzen ist. „Die Themen Gesundheit, demografische Entwicklung und Generationengerechtigkeit sind meine politischen Schwerpunkte und zugleich die wichtigsten Herausforderungen dieser Jahre“, lässt er die User auf seiner Homepage wissen. Das stimmt: Gesundheit ist sein Brett.

Schon bei den Koalitionsverhandlungen war es Bahr, nicht Rösler, der seitens der FDP den Ton zur Gesundheitspolitik angab. Und der diesen Kurs gewiss auch als Bundesgesundheitsminister fortführt. „Ich freue mich auf diese so große und schwierige Aufgabe, aber ich weiß auch, was das für eine Verantwortung ist und vor welchen Herausforderungen wir stehen“, sagte er bei seiner Vereidigung am 12. Mai. „Das Gesundheitswesen in Deutschland ist so leistungsfähig wie kaum in anderen Ländern – dies gilt es natürlich zu erhalten und an den Schwachstellen zu verbessern.“ Selbst Ärzte und Kassen loben den Frischling als Kenner. Mit der Pflegereform steht die erste Bewährungsprobe vor der Tür.

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