Fortbildungstage an der Universität Greifswald

Wie aus meiner Vision die „Dental Days“ wurden

Lena Pulczynski
Ich wollte einen Raum schaffen, in dem Lernen erlebbar wird, in dem Studierende nicht nur zuhören, sondern mitgestalten, fragen, ausprobieren und im besten Fall mit einem neuen Blick auf unser Fach nach Hause gehen: Aus diesen Ideen entstand mein Herzensprojekt: die Greifswalder Dental Days.

Als ich zu Beginn meiner Amtszeit als Vorsitzende des Fachschaftsrats Zahnmedizin Greifswald mir im Januar 2024 das Ziel steckte, einen eigenen Fortbildungstag für Studierende ins Leben zu rufen, ahnte ich noch nicht, wie viel Begeisterung, aber auch Kraft in dieses Projekt fließen würden. Schon drei Monate nach meinen ersten Gedanken sollte der erste Greifswalder Dental Day stattfinden. Dass es den Fortbildungstag noch ein weiteres Mal geben würde, stand schnell fest – die Nachfrage, das positive Feedback und der Wunsch nach Wiederholung sprachen schlicht dafür.

Für die zweite Ausgabe im April 2025 war mein Anspruch noch mal größer. Ich wollte nicht einfach Bewährtes wiederholen, sondern neue Impulse geben. Inspiration fand ich auf verschiedenen internationalen Kongressen, wie dem Sommerkongress der European Dental Students’ Association (EDSA) in Straßburg und dem Jahreskongress der International Association of Dental Students (IADS) in Ljubljana.

Besonders beeindruckt hatten mich dort die vielfältigen Workshop-Themen, die ich in dieser Form bislang weder von Bundesfachschaftstagungen noch von anderen Fortbildungsangeboten für Studierende kannte. Inspirierend fand ich besonders die innovativen Behandlungsansätze, die interaktiven Trainingsformate und die praxisnahen Simulationen – das wollte ich unbedingt auch meinen Kommilitonen und Kommilitoninnen zugänglich machen.

Inspiriert durch internationale Studierenden-Kongresse

Die Organisation eines solch umfangreichen Tages bedeutete volle To-do-Listen, viele Kalenderabgleiche, unzählige Telefonate und E-Mails. Am Anfang stand die Themenauswahl, dann musste ich über die Gewinnung von Referierenden nachdenken, die Räumlichkeiten organisieren, mit Kooperationspartnern und Sponsoren kommunizieren und den Programm-Flyer entwerfen. Danach kam die Koordinierung der Workshop-Anmeldung und die Einteilung. Alle diese Aufgaben lagen in meiner Hand. Am Veranstaltungstag selbst wurde ich dann aber tatkräftig unterstützt. Ein engagiertes Team aus Mitgliedern des Fachschaftsrats kümmerte sich fabelhaft um die Essensversorgung und half bei der Koordination vor Ort.

Mich hat besonders motiviert, wie aus einer persönlichen Idee ein gemeinsames Projekt mit vielen helfenden Händen wird. Über 100 Studierende drängten in ein vielseitiges Programm aus Theorie und Praxis: Es gab Workshops und Vorträge und sogar eine begleitende kleine Dental-Messe.

Ich wollte praxisnahe Formate schaffen, die über den klassischen Vorlesungsstoff hinausreichen. In den Workshops hatten wir zum Beispiel die Gelegenheit, uns mit präventiven Konzepten, schonenden Behandlungsmethoden, modernen Werkstoffen und digitalen Techniken zur Funktions­analyse vertraut zu machen.

Ein besonders interaktiver Workshop vermittelte ein Konzept zur Mundgesundheitspflege, das didaktisch auf individuelle Anleitung und praxisnahe Anwendung setzt. Man lernte dabei nicht nur den gezielten Einsatz von Hilfsmitteln und Techniken, sondern auch, wie man Patientinnen und Patienten wirksam und motivierend instruiert. Unter Anleitung wurde direkt miteinander geübt, mit dem Ziel, die erlernten Techniken unmittelbar zu verinnerlichen.

Einblick in die Laserzahnheilkunde

Ein anderer Workshop widmete sich der Laserzahnheilkunde – einem Feld mit Zukunft, das im regulären Studium bisher kaum behandelt wird. Die Studierenden konnten selbst erste Anwendungen mit dem Yag-Laser an verschiedenen Materialien simulieren. Diese Möglichkeit wurde von vielen besonders positiv hervorgehoben. Auch in den Bereichen Chirurgie und Zahnerhaltung gab es Raum zum Ausprobieren: Workshops zum Sinuslift am Hühnerei mit Membran, zur Knochenaugmentation am Plastikkiefer und zur direkten Restauration im Seitenzahnbereich. Das niedrigschwellige Setting ermöglichte es auch weniger erfahrenen Studierenden, erste praktische Schritte zu machen, ohne Angst vor Fehlern.

Ein besonderes Highlight war ein spielerisches Koordinationstraining für den Unterkiefer, das mithilfe eines digitalen Kieferregistriersystems das Posselt-Diagramm lebendig machte. Vom Zielen auf einer virtuellen Scheibe über Snake bis hin zu einer epischen Runde Pong mit unendlich vielen Bällen: Hier waren temporomandibuläre Beweglichkeit und Geschick gefragt. Zahnmedizin mit Augenzwinkern – aber erstaunlich lehrreich.

Unser neuer Dental Day soll auch den sozialen Austausch fördern. Denn Lernen findet ja nicht nur im Hörsaal statt, sondern auch im Gespräch auf dem Flur, beim Mittagessen oder in einer spontanen Diskussion zwischen zwei Programmpunkten. Am Grill in der Abendsonne entstanden solche Momente – Begegnungen, die zum Vernetzen einluden, zum Nachdenken anregten und neue Ideen entstehen ließen.

Die Resonanz war durchweg positiv. Gelobt wurden vor allem die praxisnahe Umsetzung und die angenehme Atmosphäre. Der direkte Austausch zwischen Industrie, Wissenschaft und dem Nachwuchs kam gut an. Auch der zweite Dental Day ist also für uns Studierende weit mehr als nur ein Fortbildungstag. Er steht für Eigeninitiative, die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, für den Mut, Neues auszuprobieren – und für das starke Gefühl, Teil einer engagierten Community zu sein. Für mich persönlich ist er ein Ausdruck dessen, was möglich ist, wenn man eine Idee mit Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Teamgeist verfolgt.

Neue Ideen sammele ich schon jetzt

Die Planungen für den dritten Dental Day laufen bereits – es wird voraussichtlich mein letzter als Studentin sein. Ob ich dann noch offiziell im Amt bin oder nicht, spielt dabei weniger eine Rolle. Neue Ideen sammele ich schon jetzt. Viele davon habe ich von europäischen Kongressen mitgenommen. Der Reiz liegt für mich darin, über den Tellerrand zu schauen, Wissen aus der Welt nach Greifswald zu holen und daraus etwas Eigenes entstehen zu lassen. Ich hoffe sehr, dass diese Begeisterung bleibt und, dass der Dental Day auch in Zukunft Studierende verbindet, inspiriert und motiviert.

Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrungen gemeinsam mit meinem fabelhaften Team aus engagierten Mitgliedern des Fachschaftsrates sowie vielen motivierten Partnern machen durfte. Mein besonderer Dank gilt dem Lehrpersonal der Zahnklinik: Ohne diese Unterstützung wäre eine Umsetzung der Dental Days in der Form nicht möglich gewesen. Gemeinsam macht Lernen einfach mehr Freude – und genau das wollen wir weitergeben.

Lena Pulczynski

Lena Pulczynski

Vorsitzende Fachschaftsrat Zahnmedizin, Universität Greifswald
Universität Greifswald

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