Kinder von Helikopter-Eltern sind während der Behandlung weniger kooperativ
Die Querschnittsstudie aus Amsterdam zeigt: Kinder von übermäßig fürsorglichen Eltern laufen eher Gefahr, Karies zu bekommen. Sie putzen ihre Zähne nicht so oft und ihre Eltern putzen weniger konsequent nach. Dies kann sich in einer höheren Karieserfahrung im Milchzahngebiss niederschlagen. Auch beim Zahnarztbesuch protestieren diese Kinder häufiger gegen Behandlungen.
Für ihre Untersuchung luden die Forscherinnen Eltern von fünf- bis sechsjährigen Kindern ein, die in allgemeinen Zahnarztpraxen oder in Kinderzahnarztpraxen in Behandlung waren. Das Verhalten der Kinder während der zahnärztlichen Behandlung wurde auf Video aufgezeichnet und später mithilfe der Venham-Skala beurteilt. Ein Fragebogen an die Eltern erfasste deren Erziehungstil sowie das Zahnputzverhalten der Kinder. Die Anzahl der kariösen, fehlenden und gefüllten Milchzähne (dmft) wurde anhand der Zahnarztunterlagen ermittelt.
An der Studie nahmen 120 Kinder teil. Die 65 Mädchen und 55 Jungen hatten im Durchschnitt einen dmft von 2,9 ± 1,4. Über die Hälfte der Eltern war hochgebildet (56,7 Prozent) und etwa zwei Drittel der Kinder hatten Erziehungsberechtigte niederländischer Herkunft (65,8 Prozent).
Insgesamt wurden 64 Versiegelungen, 50 Edelstahlkronen, 101 Restaurationen sowie neun Extraktionen durchgeführt. In 46 Fällen waren Betreuungspersonen im Behandlungsraum anwesend. Etwa die Hälfte der Kinder wurde zum ersten Mal von der jeweiligen Zahnärztin oder dem jeweiligen Zahnarzt behandelt, ein Viertel zum zweiten Mal, die übrigen mehrmals. Es wurden keine signifikanten Unterschiede im Verhalten der Kinder während der Zahnbehandlung festgestellt, unabhängig von der Art der Behandlung, der Anwesenheit oder Abwesenheit der Eltern während der Behandlung und der Anzahl der Behandlungen durch denselben behandelnden Zahnarzt.
Überhütung ist signifikant mit störendem Verhalten assoziiert
Folgende Zusammenhänge ließen sich demnach aus den Fragebögen und Beobachtungen ablesen: Eine überfürsorgliche Erziehung war signifikant mit störendem Verhalten der Kinder während der Zahnbehandlung verbunden. Dabei nahmen die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder mit zunehmend stärker ausgeprägtem fürsorglichem Verhalten der Eltern zu (r = 0,510, p < 0,001). Regressionsanalysen ergaben auch nach Berücksichtigung von Störfaktoren eine um sieben Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für ein auffälliges Verhalten beim Zahnarztbesuch bei Kindern mit ängstlichen Eltern.
Ebenso nahm der Kariesbefall mit überfürsorglichem Erziehungsverhalten zu (r = 0,251, p = 0,006). Eine Subanalyse der Kinder, die nach einem Kariesindex von 0, 1, 2, 3 oder 4 und mehr eingestuft wurden, ergab tendenziell mehr Überbehütung seitens der Eltern bei höheren dmft-Werten. Die Unterschiede erreichten hier jedoch keine Signifikanz.
Kinder von Helikopter-Eltern putzten zudem seltener als zweimal täglich ihre Zähne (p = 0,027). Regressionsanalysen ergaben eine um vier Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder ihre Zähne maximal einmal am Tag putzten. Durch die Berücksichtigung von Störfaktoren ging dieser Zusammenhang jedoch verloren. Eine überfürsorgliche Erziehung stand in der gesamten Stichprobe in signifikantem Zusammenhang mit Kariesbefall bei Kindern.
Wenn Eltern die Angst ihrer Kinder begünstigen
Diese Studie ergab, dass überfürsorgliche Erziehung in den Niederlanden sowohl in allgemeinen als auch in pädiatrischen Zahnarztpraxen signifikant mit einem unkooperativeren Verhalten von fünf- bis sechsjährigen Kindern während der Zahnbehandlung verbunden war. Eltern oder Betreuungspersonen mit einem überfürsorglichen Erziehungsstil berichteten zudem über deutlich mehr Probleme beim Zähneputzen sowie eine geringere Häufigkeit des Nachputzens in der gesamten Stichprobe.
Ein höheres Maß an elterlicher Überfürsorglichkeit war darüber hinaus mit einer geringeren Häufigkeit des Zähneputzens bei Kindern, einer geringeren elterlichen Selbstwirksamkeit in Bezug auf das Zähneputzen sowie einer höheren Karieserfahrung bei Kindern verbunden. Nach Bereinigung um Störfaktoren blieben diese Zusammenhänge jedoch nicht signifikant. Ein Zusammenhang zwischen überfürsorglicher Erziehung und dem Auslassen des Zähneputzens wurde nicht festgestellt.
Der Zusammenhang zwischen schwierigem Verhalten während zahnärztlicher Behandlungen und einem überfürsorglichen Erziehungsstil könnte darauf hindeuten, dass dieser bei Kindern vermeidende oder ängstliche Verhaltensweisen begünstigt und die Entwicklung eigener Bewältigungsstrategien weniger fördert. „Ein Querschnittdesign wie in dieser Studie kann jedoch keine Hinweise auf zugrunde liegende Ursachen liefern oder Belege für zeitliche Zusammenhänge zwischen überfürsorglicher Erziehung und der Mundgesundheit von Kindern erbringen“, räumen die Wissenschaftlerinnen ein. Dafür seien größere Untersuchungen mit anderen Studiendesigns notwendig.
Geuns E, de Jong-Lenters M, Duijster D. Associations between overprotective parenting and children's cooperation during dental treatment, toothbrushing behaviour and dental caries experience. Eur J Paediatr Dent. 2025 Dec 7;26(4):272-279. doi: 10.23804/ejpd.2025.2296. PMID: 41020532.



