Foodwatch startet Petition für eine Zuckersteuer
In dem Anschreiben, das Bürgerinnen und Bürger mitzeichnen und versenden können, fasst die Verbraucherschutzorganisation zusammen, warum sie eine Abgabe auf gesüßte Getränke durchsetzen möchte. „Zu viel Zucker macht krank“, heißt es darin. „Übergewicht, Diabetes, Karies: Die Folgen kosten unser Gesundheitssystem Milliarden.“
Eine Abgabe auf gesüßte Getränke wirke nachweislich, argumentiert Foodwatch. In Großbritannien hätten die Hersteller nach entsprechenden gesetzlichen Maßnahmen den Zuckergehalt in Getränken um bis zu 35 Prozent gesenkt. „Für Deutschland könnte eine Zuckersteuer bis zu 16 Milliarden Euro an gesamtgesellschaftlichen Kosten einsparen“, steht in der Petition weiter.
„So viel Rückenwind gab es noch nie“
Jetzt Druck auf die Politik zu machen, hat aus Sicht von Foodwatch mehr Aussicht auf Erfolg als je zuvor. So habe Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sich in Interviews und Statements zuletzt wiederholt offen für eine Zuckersteuer gezeigt.
Allerdings ist die Union in dieser Frage gespalten: Während der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) einen Antrag für eine Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Getränke in den Bundesrat eingebracht hat, stimmten die Delegierten auf dem CDU-Parteitag im Februar 2026 gegen die Idee.
Koalitionspartner SPD fände ein Zuckersteuer gut
„Die SPD-Fraktion hat sich dafür ausgesprochen, mit möglichen Einnahmen einer Zuckersteuer auch die Krankenkassen zu stabilisieren“, führt Foodwatch an. Zudem habe die von Ministerin Warken eingesetzte Finanzkommission Gesundheit eine gestaffelte Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke ausdrücklich befürwortet. „Und nicht zuletzt: Über 3.000 Ärzt:innen haben sich der foodwatch-Forderung nach einer Zuckersteuer angeschlossen.“
„Ist die Zuckersteuer nicht Bevormundung – gerade von Ärmeren?“
Dieses häufige Gegenargument greift aus Sicht der Verbraucherschutzorganisation nicht. Es sei zwar richtig, dass Menschen mit niedrigem Einkommen drei- bis viermal so viel Limonade trinken würden. Wahr sei aber auch, dass sie deutlich häufiger an Diabetes oder Adipositas erkrankten. „Wenn die Abgabe dazu führt, dass in den Getränken weniger Zucker steckt, profitieren gerade sie am stärksten“, so Foodwatch. In Mexiko etwa habe nach Einführung einer Abgabe der Limokonsum am stärksten bei den Ärmsten abgenommen. Wasser sei hingegen häufiger getrunken worden.
Vier Tage nach dem Start der Petition am 23. April hatten die Petition rund 35.000 Menschen via E-Mail mitgezeichnet (Stand 27. April 2026, 11 Uhr).



169

