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Neue S3-Leitlinie zur Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung

Das sind die Folgen des Stillens auf die Mund- und Zahngesundheit

Insgesamt 26 wissenschaftliche Fachgesellschaften und Berufsgruppen haben sich an der Erarbeitung von zwei neuen Empfehlungen zur Stilldauer beteiligt. Die neue S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung” enthält zudem auch differenzierte Einschätzungen zu den Auswirkungen des Stillens auf die Mund- und Zahngesundheit – unter anderem in Bezug auf Mundatmung, ECC und Okklusion.

Die neue S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) veröffentlicht.

Insgesamt wurden 30 gesundheitsrelevante Endpunkte bei Mutter und Kind analysiert, darunter kindliche Infektions- und Stoffwechselerkrankungen sowie Aspekte der mütterlichen Gesundheit. Ein großer Teil der Leitlinie thematisiert auch die Mund- und Zahngesundheit.

Die 26 beteiligten wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Berufsgruppen haben zwei neue Empfehlungen zur Stilldauer verabschiedet. Erstens wird in der Leitlinie empfohlen, reifgeborene Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend zu stillen. Zweitens wird darüber hinaus eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen.

Zwei neue Empfehlungen zur Stilldauer

Die Empfehlung zum Vollstillen über sechs Monate erhielt den Empfehlungsgrad B. Die Empfehlung zu einer Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten wurde mit dem Empfehlungsgrad A verabschiedet. Ausschließliches Stillen bedeutet, dass das Kind ausschließlich mit Muttermilch ernährt wird. Beim überwiegenden Stillen werden ­zusätzlich Wasser oder Tee gegeben. Beide Formen werden als Vollstillen zusammengefasst. Beim Teilstillen wird zusätzlich Säuglingsanfangsnahrung oder Beikost gegeben.

Für die Zahn- und Mundgesundheit informiert die Leitlinie über die bevorzugte Mundatmung, frühkindliche Karies (ECC) und Zahnfehlstellungen.

Leitlinie liefert differenzierte Einschätzungen zur Mundatmung:

Da eine reduzierte Muskelspannung als möglicher Faktor für Mundatmung diskutiert wird, finden sich in der Literatur Hinweise, dass das Saugen an der Brust die orofaziale Muskulatur fördern könnte [Peres et al., 2015]. Laut der Leitlinie könnte eine Gesamtstilldauer von mehr als zwölf Monaten im Vergleich zu einer kürzeren Gesamtstilldauer möglicherweise protektiv in Bezug auf die bevorzugte Mundatmung sein. Das gilt auch für eine Gesamtstilldauer von mehr als 24 Monaten im Vergleich zu weniger als 24 Monaten. Für ausschließliches beziehungsweise überwiegendes Stillen über sechs Monate im Vergleich zu einer kürzeren Stilldauer ergeben sich hingegen keine Anhaltspunkte für protektive oder adverse Effekte auf bevorzugte Mundatmung. Für alle Studien wird die Evidenz als sehr niedrig eingestuft.

zu frühkindlicher Karies:

Frühkindliche Karies (ECC) bezeichnet Kariesbefall im Milchgebiss bis zum sechsten Lebensjahr. Die Leitlinie bewertet Muttermilch hinsichtlich ihrer möglichen Kariogenität differenziert: Einerseits könnte der Milchzucker (Lactose) theoretisch zur Kariesentstehung beitragen, andererseits enthält Muttermilch protektive, antibakteriell wirkende Bestandteile. Zusätzlich wird ein möglicher Schutz über die Stillmechanik diskutiert: Die Milch gelangt beim Saugen überwiegend nach hinten in Richtung Rachen und wird geschluckt, statt sich länger an den Zahnflächen zu halten. Insgesamt wird die Studienlage als uneinheitlich beschrieben. Aufgrund deutlicher methodischer Einschränkungen sind belastbare Schlussfolgerungen nur eingeschränkt möglich.

zu Zahn- und Kieferfehlstellungen:

Stillen wird in der Leitlinie auch im Zusammenhang mit der Entwicklung von Zahn- und Kieferfehlstellungen diskutiert. Zur möglichen Erklärung führen die Autoren an, dass die orofaziale Muskulatur beim Saugen an der Brust stärker beansprucht wird als bei der Flaschenernährung. Insgesamt finden sich Hinweise, dass Kinder, die gar nicht, nur unregelmäßig oder kürzer als sechs Monate gestillt wurden, häufiger Zahnfehlstellungen aufweisen als Kinder, die über sechs ­beziehungsweise zwölf Monate voll gestillt wurden – die Evidenz wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.

Die vollständige Leitlinienfassung finden Sie hier.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V., Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V., Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V.: S-3 Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung, Version 1.0, Datum, Registernummer 027-072, 2025, verfügbar unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-072 (Zugriff am 26.02.2026)

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