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Hilfseinsatz mit DIANO

Licht und Schatten sind nahe beieinander in der Dominikanischen Republik

Huong Tra Dinh
,
Tino Rickert
,
Britta Lohn
Arbeiten im Schatten eines Grenzzauns zu Haiti, in einer abgelegenen Klinik unweit des Dschungels und in einer ­stillgelegten Praxis – unser Hilfseinsatz führte uns tief in die unterversorgten Orte der Dominikanischen Republik, wo die Tourismuskulisse fast nahtlos in das Elend der Geflüchteten in den Lagern übergeht.

Ende 2025 reisten wir – Britta Lohn und Tino Rickert – aus der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Aachen für einen zahnärztlichen Hilfseinsatz in die Dominikanische Republik. Unser Team unterstützte die Kinderzahnärztin Huong Tra Dinh aus Hamburg. Die Planung und Koordination erfolgte durch den Verein DIANO; dessen Gründer, der Zahnarzt Dr. Tobias Bauer, half uns, den Einsatz organisatorisch und logistisch zu planen. Wir Team-Mitglieder brachten Erfahrungen aus früheren Hilfseinsätzen mit und freuten uns, wieder in einem Land mit unzureichender zahnmedizinischer Versorgung helfen zu können.

In der Dominikanischen Republik decken staatliche Leistungen nur eine begrenzte Grundversorgung ab, Füllungen oder Prophylaxe-Behandlungen müssen in der Regel selbst bezahlt werden. Laut WHO liegen die Gesundheitsausgaben insgesamt unter den internationalen Durchschnittswerten, was sich besonders in der Prävention zeigt. Zwar gibt es Programme zur Mundhygiene-Aufklärung in Schulen, aber nicht flächendeckend. Der Konsum zuckerhaltiger Getränke und die mangelnde Ernährungsaufklärung gelten als zentrale Ursachen für die hohen Kariesraten bei Kindern.

DIANO

Seit 2013 engagiert sich die ­Dental International Aid Networking Organisation e.V. (DIANO) ehrenamtlich auf Hispaniola. Mit einem Netzwerk freiwilliger Helfer will der Verein die zahnmedizinische Versorgung in Haiti, der Dominikanischen Republik, Kuba und Jamaika verbessern. Zusätzlich betreut DIANO dort Waisenhäuser, Schulen und lokale Krankenhäuser.

Professionelle Zahnreinigungen kosten in der Regel 40 bis 80 US-Dollar – für die Einheimischen meist zu teuer. Hinzu kommt, dass die Praxen nicht gleichmäßig im Land verteilt sind: In städtischen Regionen ist die Versorgung gut, auf dem Land gibt es dagegen große Defizite. Besonders Migranten aus Haiti ohne gesicherten Aufenthaltsstatus haben häufig keinen Zugang zu regulären Gesundheits- und Zahnleistungen und fallen damit durchs Raster.

Kreuzfahrttourismus neben Flüchtlingslagern

Unser erster Einsatzort war Pedernales, ein Grenzort zu Haiti. Hier prallen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite wachsen riesige Baukomplexe für den Tourismus aus dem Erdboden, vor allem getrieben durch Besucher von Kreuzfahrtschiffen. Auf der anderen Seite herrscht in den Flüchtlingslagern an der haitianischen Grenze große Armut.

Wir besuchten dort zuerst die Schule „Colegio Dominico Americano King’s Way“. Ein Pfarrer betreut die Kinder des Flüchtlingslagers, gibt Englisch-Unterricht und bietet ihnen eine warme Mahlzeit. Wir konnten einen Vormittag mit den Kindern verbringen und nutzten die Gelegenheit, um ihnen Mundhygiene zu vermitteln. Anschließend bauten wir im Flüchtlingslager unter einfachsten Bedingungen im Schatten des Grenzzauns zu Haiti unsere Behandlungseinheit auf. Die Lagerbewohner kamen schon bald interessiert näher und boten ihre Hilfe an. Mithilfe weißer Laken konnten wir sogar etwas Privatsphäre bei den Behandlungen schaffen.

Die medizinische Ausstattung war begrenzt: Strom war nur teilweise verfügbar. Bei großen Ausfällen konnten wir auf ein Notstromaggregat und einen Kompressor zurückgreifen, die DIANO speziell für solche Einsätze bereitstellt. Unsere Patienten, haitianische Flüchtlinge, hatten keinen Versicherungsschutz in der Dominikanischen Republik und wiesen einen entsprechend hohen zahnärztlichen Versorgungsbedarf auf. Unter den gegebenen Bedingungen führten wir hauptsächlich prophylaktische und grundlegende konservierende Maßnahmen sowie Zahnextraktionen durch.

In Landesinneren und im „Monkey Jungle“

Von Pedernales aus ging es nach Comedero Abajo im Landesinneren. Dort stand uns eine ehemalige Zahnarztpraxis zur Verfügung, die außerhalb der Hilfseinsätze nicht genutzt wird. Ein Putzeinsatz war also Pflicht. Trotz der eingeschränkten Infrastruktur dort haben die regelmäßigen Einsätze Wirkung gezeigt: Viele Patientinnen und Patienten verfügten über eine gute Mundhygiene und teilweise über intakten Zahnersatz aus früheren Behandlungsphasen. Die vorhandenen Räumlichkeiten ermöglichten uns strukturierte Abläufe. In den Nachbarräumen läuft ein Prophylaxeprojekt zur Diabetes- und Bluthochdruck-Therapie. Das ermöglichte eine sichere Lagerung der Verbrauchsmaterialien, eine strukturierte Dokumentation und eine breitere Versorgung als am ersten Einsatzort am Grenzzaun.

Unser letzter Einsatzort lag an der Nordküste, im „Monkey Jungle“, rund 30 Minuten vom Touristenort Cabarete entfernt. Hier befindet sich die Klinik Ritzen Memorial, erreichbar über einen schwer zugänglichen Schotterweg im Dschungel. Die Klinik verfügt über mehrere funktionsfähige Behandlungseinheiten und ein gut sortiertes Materiallager. Rob Perkins und sein Team betreiben die Touristenattraktion Monkey Jungle mit Zipline, gleichzeitig koordinieren sie die Praxisräume, die Patientenzuweisung und den Transport. Die Patienten stammen überwiegend aus gemeinnützigen Organisationen vor Ort. So konnten wir in zwei Tagen über 40 Mädchen und junge Frauen der Organisation „The Mariposa Foundation“, ein Bildungs- und Förderprogramm für Frauen, behandeln.

Der zweiwöchige Einsatz hat uns die großen strukturellen Unterschiede der zahnmedizinischen Versorgung innerhalb der Dominikanischen Republik gezeigt – von improvisierten Behandlungsumgebungen im Grenzgebiet bis hin zu gut ausgestatteten Praxen im Norden.

Huong Tra Dinh

Kinderzahnärztin

Tino Rickert

Fachzahnarzt für Oralchirurgie
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Aachen
Universitätsklinikum Aachen

Dr. med. Britta Lohn

Fachzahnärztin für Oralchirurgie
und für Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Aachen
Universitätsklinikum Aachen

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