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Interview mit Alexandra Ponweera zur Rekrutierung von Azubis aus Vietnam

„Beide Seiten sind dankbar für die Möglichkeit“

Alexandra Ponweera ist Praxismanagerin, ausgebildete Dentalhygienikerin sowie Gründerin der Agentur Advising Professionals. Sie vermittelt Auszubildende aus Vietnam auf dem deutschen Arbeitsmarkt und unterstützt sie bei der Eingliederung in ihr neues Leben. Was treibt sie dazu?

Frau Ponweera, was war Ihre Motivation für die Vermittlung?

Alexandra Ponweera: Die Motivation entstand vor allem durch den intensiven Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Ich bin schon lange im medizinischen Bereich unterwegs und kenne die Herausforderungen rund um den Fachkräftemangel. In vielen Gesprächen – sowohl im beruflichen Umfeld als auch afterwork am Stammtisch – bekam ich immer wieder mit, wie groß der Bedarf an Fachkräften ist und wie schwierig es geworden ist, geeigneten Nachwuchs zu finden. Diese Problematik hat mich dazu bewegt, selbst aktiv nach Lösungen zu suchen und auch über neue Wege nachzudenken. Der Blick ins Ausland, insbesondere nach Vietnam, hat sich dabei als sinnvoll erwiesen. Dort gibt es viele motivierte junge Menschen, die eine klare Perspektive in einer Ausbildung in Deutschland sehen.

Was ist dabei Ihre Rolle?

Als zentrale Schnittstelle zwischen allen Beteiligten begleite ich den gesamten Prozess: von der Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten über die Vorbereitung der Einreise bis hin zur Integration hier vor Ort. Ich sorge zudem dafür, dass alle Abläufe strukturiert, transparent und nachhaltig umgesetzt werden können.

Wie funktioniert dieser Prozess und wer ist dabei alles beteiligt?

Interessierte Kandidatinnen und Kandidaten werden im Vietnam in einer Sprachschule in Kooperation mit dem Goethe-Institut gezielt auf das Sprachniveau B1/B2 vorbereitet. Hierbei arbeite ich eng mit meinem lokalen Partner, dem Vision Institut Vietnam zusammen, das mehrere Sprachschulen betreibt und den Auszubildenden den Zugang zu offenen B1- und B2-Kursen ermöglicht. Anschließend werden mir die Kandidatinnen vorgestellt und gezielt an passende Ausbildungsbetriebe vermittelt. Ich begleite den gesamten Prozess koordinierend und stelle eine strukturierte sowie passgenaue Vermittlung sicher.

Was müssen die Bewerberinnen und Bewerber an Qualifikationen mitbringen? Wie sieht es mit den Verträgen aus?

Die ausländischen Auszubildenden müssen zunächst grundlegende Voraussetzungen erfüllen, insbesondere einen anerkannten Schulabschluss sowie Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 bis B2. Vertraglich erfolgt die Ausbildung auf Basis eines regulären Ausbildungsvertrags mit der Praxis. Parallel werden alle notwendigen Unterlagen für die Einreise und Anerkennung vorbereitet, inklusive Visumverfahren und behördlicher Anforderungen.

Die Auszubildenden finanzieren ihre Ausbildung bis zum Sprachniveau B1. Den weiterführenden B2-Kurs sowie das gesamte Visumverfahren und die Einreise nach Deutschland organisieren und tragen sie eigenständig. Die Kosten belaufen sich erfahrungsgemäß auf etwa 3.000 bis 5.000 Euro.

Durch die enge Zusammenarbeit mit meinem Partner und der Sprachschule in Vietnam ist sichergestellt, dass die Kandidatinnen und Kandidaten sprachlich und fachlich gut vorbereitet sind und der Einstieg in die Ausbildung möglichst reibungslos erfolgen kann. Sobald die Ausbildung beginnt, erhalten sie genau wie deutsche Auszubildende eine Ausbildungsvergütung. Die genaue Höhe der Vergütung sowie zusätzliche Leistungen wie Fahrtkostenzuschüsse, vermögenswirksame Leistungen und Weihnachtsgeld richten sich nach dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb und basieren in der Regel auf dem geltenden Tarifvertrag. Meine Arbeit sowie die Vermittlung werden durch den jeweiligen Ausbildungsbetrieb honoriert.

Wie sind die Erfahrungen in den Zahnarztpraxen bislang?

Das Feedback ist bisher durchweg positiv. Die Praxen nehmen die Azubis als äußerst motiviert und dankbar für die Möglichkeit der medizinischen Ausbildung in Deutschland wahr. Die jungen Frauen zeigen ein hohes Maß an Disziplin und Fleiß, das fällt auf. Manche von ihnen arbeiten sogar noch in einem Minijob nebenher, um etwas Geld nach Hause zu den Verwandten schicken zu können.

Ist die Hemmung vor der Sprachbarriere erst einmal gesunken, zeigen sich einige bereits an Weiterbildungsmöglichkeiten interessiert. Auch ich erlebe sie als ausgesprochen lernbereit und mit einer schnellen Auffassungsgabe.

Statement aus der Praxis

Die Praxisinhaberin: „Der Grund ist auch für uns der Fachkräftemangel“

Durch Zufall habe ich von der Vermittlung erfahren. Und der Entschluss stand schnell fest, zwei Auszubildenden eine Stelle in meiner Praxis zu geben. Der Grund ist auch in meiner Praxis der seit Jahren anhaltende Fachkräftemangel. Und nun stehen wir kurz davor, zwei Damen persönlich kennenzulernen und sie ab Mai 2026 begrüßen zu dürfen. Wir freuen uns alle bereits und sehen dem Ganzen sehr positiv entgegen.

Statement aus der Praxis

Der Praxisbetreiber: „Ein Zugewinn für unsere Praxis!“

Die Zusammenarbeit hat für mich prima funktioniert: Die Auswahl der auszubildenden Fachkräfte hat gepasst. Außerdem waren sie im Vorfeld bereits gut vorbereitet. Auch die Zusammenarbeit mit dem Partner in Vietnam funktionierte reibungslos. Ich hatte den Eindruck, dass hier ein eingespieltes Team zusammenwirkt.

Positiv in Erinnerung geblieben ist mir auch die persönliche Begleitung: Frau Ponweera hat die Auszubildende am Flughafen abgeholt und sie bis zu unserer Praxis nach Königsbronn begleitet. Vor Ort wurde sie zusätzlich bei organisatorischen Themen wie der Kontoeröffnung und so weiter unterstützt, was den Einstieg enorm erleichtert hat.

Unsere ZFA ist insgesamt gut bei uns angekommen. Sie hat sich schnell integriert, sich bereits einen eigenen Freundeskreis aufgebaut und auch eine kleine Community gefunden. Sowohl in der Schule als auch in der Praxis entwickelt sie ausgesprochen gut. Selbstverständlich wird sie, wie jede andere Auszubildende auch, strukturiert eingearbeitet und eng durch unsere Ersthelferin begleitet.

Der einzige größere Knackpunkt war die Wohnungssuche. Aber auch hier haben wir als Praxis versucht zu helfen und gemeinsam eine gute Lösung gefunden.

In der kurzen Zeit hat sich unser Nachwuchs aus Vietnam toll ins Team-Gefüge eingearbeitet. Das hat auch mit ihrem extrem freundlichen Wesen zu tun und ihren guten Umgangsformen sowie den schnellen Fortschritten bei den Sprachkenntnissen. Sie ist emsig und fleißig. Ein Zugewinn für unsere Praxis!

Statement aus der Praxis

Die ZFA: „Natürlich habe ich großes Heimweh“

Ich bin seit fünf Monaten in Deutschland und mache die Ausbildung zur ZFA in Königsbronn. Am Anfang war die Sprache weit mehr als nur Grammatik aus dem Lehrbuch. Die größte Hürde war es, ihren Rhythmus im Alltag und die Umgangssprache der Kollegen zu verstehen. Es kostet Überwindung, die Hemmungen beim Sprechen zu verlieren. Mittlerweile empfinde ich die Sprache aber als eine Brücke, um die Menschen hier zu verstehen.

Ich schätze die Klarheit in der Kommunikation in Deutschland. Man weiß immer, woran man ist, weil Erwartungen offen ausgesprochen werden. Diese Transparenz und der respektvolle Umgang im Team, unabhängig von der Hierarchie, haben mir den Einstieg erleichtert.

Als ich neu nach Deutschland kam, hatte ich viel Unterstützung, wurde überallhin begleitet, zum Beispiel bei den Behördengängen. Da ich in so jungen Jahren weit weg von zu Hause bin, hatte ich natürlich großes Heimweh nach meiner Heimat Vietnam. Meine Kollegen und mein Chef waren aber unglaublich engagiert. Um mir mit der Einsamkeit zu helfen, haben sie sogar Kontakt zu anderen Vietnamesen in der Nähe gesucht, damit ich Anschluss finde kann. Außerdem haben sie immer nach guten vietnamesischen Restaurants Ausschau gehalten und mich dorthin zum Essen eingeladen.

Auch bei der Arbeit haben sie mich immer im Blick, unterstützen mich und erklären mir alles geduldig Schritt für Schritt. Ich fühle mich bisher wirklich wertgeschätzt und warm empfangen.


Ly Nguyen (20) arbeitet als ZFA bei ­Praxisbetreiber Carlos Méndez

Auf welche Herausforderungen treffen die Bewerber in Deutschland?

Eines der größten Probleme ist tatsächlich, hier geeigneten Wohnraum zu finden. Die Mietpreise sind stark gestiegen, die Unterkunft sollte aber idealerweise nicht über 500 Euro liegen und muss über WLAN verfügen. Nur so bleiben die Auszubildenden finanziell handlungsfähig. Wir unterstützen daher auch bei der Suche nach Wohnraum – oft erst einmal mit einer Interimslösung in Form einer WG.

Wirkliche Integrationsschwierigkeiten gab es bisher nicht. Oftmals fangen zwei Kandidatinnen gemeinsam die Ausbildung an und sind somit verbunden. Aber Heimweh kommt natürlich vor. Deshalb geht unsere Betreuung auch so weit, dass wir Azubis bei uns zu Hause zu Besuch hatten und gemeinsam vietnamesisch gekocht haben. Nähe und Zuwendung helfen beim Einleben. Wir möchten die jungen Menschen ja gerne auch hier bei uns behalten.

Statement aus der Praxis

Der Praxisinhaber: „Fachlich wie menschlich eine Bereicherung für uns“

Wir bilden mittlerweile regelmäßig ZFA aus Vietnam über den Vermittlungsweg von Frau Ponweera aus, so dass aktuell vier vietnamesische Auszubildende Teil unseres Teams sind – jeweils eine im ersten, zweiten, dritten und bereits im fortgeschrittenen Ausbildungsabschnitt. Diese Kontinuität schafft Stabilität und stärkt unser Team nachhaltig.

Unsere Auszubildenden erleben wir als hoch motiviert. Sie haben eine große Lernbereitschaft und sind teamfähig. So bereichern sie unsere Praxis sowohl fachlich als auch menschlich. Dass unsere erste Auszubildende kurz vor ihrer Abschlussprüfung steht und sich bewusst für einen Verbleib entschieden hat, bestätigt genau den Ansatz von Frau Ponweeras Arbeit: den Nachwuchs nachhaltig zu integrieren und langfristig im Betrieb zu halten. Dafür bieten wir den Auszubildenden unsere Unterstützung über die beruflichen Belange hinaus an und versuchen, ihnen viel Wertschätzung zu zeigen.

Die Zusammenarbeit ist für unsere Praxis somit ein großer Gewinn. Daher kann ich sagen, dass wir insgesamt wirklich dankbar für diese Entwicklung sind. Für uns hat sich dieser Weg bewährt.


Dr. Stefan Zähringer aus Malmsheim, Baden-Württemberg

Statement aus der Praxis

Die ZFA: „Vielleicht studiere ich noch Zahnmedizin!“

Ich bin derzeit im letzten Ausbildungsjahr und werde diesen Sommer meinen Abschluss machen. Ich habe sehr gute Noten und ich freue mich, weiterhin in der Praxis bleiben zu können, da ich mich dort sehr wohlfühle. Auch das Team unterstützt mich, dafür bin ich wirklich dankbar.

Natürlich ist am Anfang die Sprache eine große Herausforderung, aber mit der Zeit wird es deutlich besser. Auch die Mentalität und die Umgangsformen sind anders als in Vietnam, deshalb braucht man etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen.

Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, mich weiterzubilden, zum Beispiel zur Dentalhygienikerin. Außerdem denke ich auch darüber nach, später vielleicht einmal Zahnmedizin zu studieren.

Natürlich gibt es manchmal Schwierigkeiten, zum Beispiel durch das Heimweh oder Unsicherheiten beim Sprechen. Insgesamt überwiegen aber die positiven Erfahrungen.


Nhat Le (23) arbeitet als ZFA in der Praxis Dr. Stefan Zähringer in Malmsheim.

Statement aus der Praxis

Die ZFA: „Die Sprache ist die gröẞte Herausforderung“

Ich bin seit Juli letzten Jahres hier. Am Anfang war alles für mich sehr schwierig: das Klima, der Tagesrhythmus, die psychische Belastung und vor allem die Sprache. Aber ich denke, das ist normal, jeder muss so eine Phase durchmachen.

Mit der Zeit habe ich mich langsam an das Leben hier gewöhnt. Trotzdem ist die Sprache für mich immer noch die größte Herausforderung. Wie viele andere junge Menschen, die weit weg von ihrer Heimat leben, vermisse ich meine Familie und mein Zuhause sehr. Das lässt sich nicht vermeiden. Man darf Heimweh haben, aber man muss trotzdem weiter lernen und gut arbeiten. Ich habe großes Glück, mit einem freundlichen Arzt und netten Kollegen zu arbeiten, die mir immer helfen. Das ist eine große Unterstützung, besonders wenn man hier alleine ist.

Manchmal fühlt sich alles wie ein Traum an, aber ich weiß, dass ich mein Bestes gebe. Ich hoffe, dass ich in der Zukunft eine professionelle Assistenz werde und sicher auf Deutsch kommunizieren kann.


Thi Hong Ngo (36) arbeitet als ZA in der Praxis Dr. Stefan Zähringer in Malmsheim

Das Gespräch führte Laura Langer.

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