32 Zahnärzte für 18 Millionen Menschen
In Burkina Faso kommen auf rund 18 Millionen Einwohner etwa 32 Zahnärzte. Zum Vergleich: In Deutschland wären es bei dieser Bevölkerungsgröße rechnerisch 15.480. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in dem westafrikanischen Land liegt bei unter drei US-Dollar pro Tag. Somit zählt Burkina Faso zu den ärmsten Staaten der Welt, die Mehrheit seiner Einwohner lebt unter der Armutsgrenze.
Eine Krankenversicherung gibt es nicht. Für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ist zahnmedizinische Versorgung daher weder präventiv noch kurativ selbstverständlich, sondern purer Luxus. Was das bedeutet, zeigt der Fall des neunjährigen Ridouane, einem Waisenkind aus der Hauptstadt Ouagadougou.
Ridouane stellte sich uns mit einer ausgeprägten Wangenschwellung und massiven Schmerzen im linken Unterkiefer vor. Klinisch zeigte sich eine weit fortgeschrittene kariöse Zerstörung mit akuter entzündlicher Symptomatik. Der Zahn war nicht erhaltungsfähig, eine sofortige Extraktion indiziert. Der Eingriff verlief komplikationslos. Postoperativ erhielt er Analgetika, eine entzündungshemmende Medikation, Instruktionen zu täglichen Mundspülungen sowie eine engmaschige Kontrolle.
Für uns in Deutschland ist es Routine. In Burkina Faso ist es oftmals die einzige Therapieoption – und selbst diese bleibt für viele Familien finanziell unerreichbar. AMPO übernahm hier die gesamten Behandlungskosten. Ohne diese Hilfe wäre eine Behandlung sehr wahrscheinlich nicht erfolgt – mit dem Risiko einer fortschreitenden Infektion.
Die Behandlungen führt der heimische Zahnarzt durch
Die Zahnarztpraxis der AMPO-Krankenstation in Ouagadougou arbeitet mit zwei Behandlungsräumen und einem kleinen Team aus zwei Zahnärztinnen und Zahnärzten, zwei Pflegekräften und einem Zahntechniker. Neben extraktiver und restaurativer Therapie liegt der Schwerpunkt auf Prävention und Aufklärung – insbesondere bei Kindern und vulnerablen Gruppen.
Ziel ist, nicht nur akute Schmerzen zu behandeln, sondern die orale Gesundheit nachhaltig zu stabilisieren. Allerdings schränkt der Mangel an essenziellen Materialien und Geräten die Möglichkeiten erheblich ein. Benötigt werden unter anderem: Komposite, Calciumhydroxid, Biodentine, endodontisches Spezialmaterial, Turbinen, Winkelstücke, Mikromotoren, Absauggeräte, Röntgentechnik, Extraktionsinstrumentarium sowie Verbrauchsmaterialien.
Seit meinem Abitur engagiere ich mich für die medizinische Versorgung von Kindern und sozial benachteiligten Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt. Mein Beitrag bei AMPO besteht dabei nicht in der eigenen Behandlung vor Ort, denn die zahnmedizinische Versorgung wird in der Krankenstation durch den erfahrenen lokalen Zahnarzt und sein Team sichergestellt.
Das Problem sind fehlende Mittel und Materialien
Die zentrale Herausforderung für die zahnmedizinische Minimalversorgung liegt nicht im fehlenden fachlichen Know-how, sondern in den begrenzten finanziellen Mitteln und dem Mangel an Materialien. Nachhaltige Unterstützung bedeutet in diesem Kontext, die bestehenden Strukturen gezielt zu stärken, anstatt Versorgungslücken nur kurzfristig zu überbrücken. Dazu gehören eine verlässliche Materialversorgung, die finanzielle Unterstützung von Patientinnen und Patienten sowie ein kontinuierlicher fachlicher und kollegialer Austausch. Nachhaltigkeit entsteht dort, wo lokale Kompetenzen gestärkt, die vorhandenen Strukturen ernst genommen und gemeinsam langfristige Lösungen entwickelt werden.
Dabei fällt im klinischen Alltag besonders auf: Viele Kinder verfügen weder über eine eigene Zahnbürste noch über grundlegende Kenntnisse zur frühkindlichen Mundhygiene durch ihre Familien. So ist beispielsweise häufig nicht bekannt, dass bereits Kleinkinder regelmäßig beim Zähneputzen unterstützt werden sollten.
Gleichzeitig zeigt sich im Vergleich zu industrialisierten Ländern teilweise ein anderes Bild hinsichtlich der Kariesprävalenz. Auch wenn hierzu keine systematische Datenerhebung vorliegt, entsteht im klinischen Alltag der Eindruck, dass kariöse Läsionen bei einigen Kindern weniger ausgeprägt sind als erwartet. Ein Erklärungsansatz könnte in den Ernährungsgewohnheiten liegen: Industriell verarbeitete, zuckerreiche Snacks sind vielerorts kaum verfügbar, und eine regelmäßige Kühlung von Lebensmitteln ist aufgrund der fehlenden Infrastruktur oft nicht möglich. Die Ernährung besteht daher häufig aus wenig verarbeiteten, natürlichen Nahrungsmitteln.
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Wir haben eine kollegiale Verantwortung
Als Zahnärztin der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie in Mainz und Vorstandsmitglied von AMPO erlebe ich, wie viel mit vergleichsweise geringen Mitteln bewirkt werden kann – und wie groß der Bedarf ist. Wir sprechen hier nicht von komplexer Hochleistungszahnmedizin. Wir sprechen von einer Basisversorgung: Schmerzfreiheit, Infektionskontrolle, Prävention. Ich lade Sie herzlich ein, diese Arbeit zu unterstützen – durch Materialspenden, finanzielle Beiträge oder den direkten kollegialen Austausch. Jeder Beitrag erweitert direkt die Handlungsspielräume vor Ort.






