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Social-Media-Hypes im Check

Von Hammer-Tipps bis Zahnstocher-Kauen

Lifestyle- und Beauty-Posts sind in den Sozialen Medien sehr beliebt, haben bekanntlich jedoch oft ungewollte und mitunter ernste gesundheitliche Folgen. Ein Blick auf aktuelle Social-Media-Trends.

Bonesmashing für markante Gesichtszüge

Beim Bonesmashing bearbeitet man Kinn, Stirnbein sowie Kiefer- und ­Wangenknochen mehrmals am Tag mit schweren Gegenständen, wie einem­ Hammer, oder man nimmt die eigenen Fäuste. Die Theorie dahinter: Die Knochen werden geringfügig beschädigt, so dass ein Heilungsprozess einsetzt, in dessen Verlauf die Gesichtszüge mit der Zeit markanter ausfallen. Anhänger der Methode berufen sich auf das Wolffsche Gesetz, das der Berliner Mediziner Julius Wolff Ende des 19. Jahrhunderts aufgestellt hat. Es besagt, dass sich Knochen unter Belastung festigen und die Knochendichte zunimmt. Der Schönheitschirurg Dr. Paul Hubmann, selbst Content-Creator, erklärt in einem Video, dass Bonesmashing tatsächlich zum Aufbau von Knochenmasse führen kann. Allerdings würden dadurch nicht nur Schäden am Knochen entstehen, sondern auch am umgebenden Weichgewebe, weswegen er dringend davon abrät.

Dennoch: Das Thema zieht unter Hashtags wie #b0nesmashing oder #cheekbone auf TikTok und Instagram besonders junge Männer an. Bonesmashing kommt aus der Looksmaxxing-Szene, die vor rund 15 Jahren in frauenfeindlichen Internetforen entstand, inzwischen aber ein massentauglicher, lukrativer Markt geworden ist. Looksmaxxer setzen auf zum Teil extreme ästhetische Selbstoptimierung, weil das Aussehen aus ihrer Sicht der alles entscheidende Faktor ist, um Erfolg zu haben – beruflich, finanziell und bei Frauen.

Zum Looksmaxxing gehören „sanfte“ Methoden (Softmaxxing) wie umfassende Skincare-Routinen, Haarpflege, Styling, aber auch Zahn-Bleaching und Supplements für die Ernährung. Dem gegenüber steht das „Hardmaxxing“ mit selbstverletzenden Methoden, zu denen neben Bonesmashing und Selbstmedikation auch beinverlängernde Operationen oder die Einnahme von Steroiden und Drogen, etwa zur Gewichtskontrolle, zählen.

Voll im Trend: Zahnstocher

Erdbeere, Cola, Mango, Minze: Seit einiger Zeit liegen aromatisierte Zahnstocher im Trend. Auf TikTok findet sich unter Hashtags wie #toothpick, #energytoothpick, #zahnstochermitgeschmack massenhaft Content, der das Kauen von Zahnstochern abfeiert oder entsprechende Produkte bewirbt. Unter anderem, so die Versprechen, könne Zahnstocherkauen das Einschlafen erleichtern oder dabei helfen, sich besser zu konzentrieren oder gar mit dem Rauchen aufzuhören. Es gibt auch mit Nikotin angereicherte Zahnstocher. Sie sind bisher noch nicht in deutschen Läden erhältlich, man kann sie aber online bestellen. In einem Zahnstocher stecken bis zu sechs Milligramm Nikotin, was der dreifachen Menge einer Zigarette entspricht. Sie können Reizungen der Mundschleimhaut hervorrufen, auch Verletzungen des Zahnfleischs sind möglich.

Ästhetisches Profil dank Zungengymnastik

Beim Mewing, so versprechen Clips unter dem Hashtag #mewing, entsteht durch eine veränderte Position der Zunge im Mund eine markante Kinnlinie. Bei dieser „Technik“ wird die Zunge dauerhaft an den Gaumen gedrückt und die Zähne werden leicht aufeinander gepresst, um Spannung auf die Kiefermuskeln zu bringen. Mewing ist benannt nach dem umstrittenen britischen Kieferorthopäden John Mew, der eine bestimmte Zungenhaltung zur Verbesserung der Gesichtsästhetik propagierte. Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die diese Wirkung belegen. Kritikerinnen und Kritiker sehen beim Mewing verschiedene Risiken: Der dauerhafte Druck kann Zähne lockern, den Biss verzerren und zu Zahnabnutzung führen. Auch Sprachstörungen sind eine mögliche Konsequenz, wenn die veränderte Zungenposition Sprachmuster und -verständlichkeit beeinträchtigt.

Weißere Zähne durch Kurkuma

Das leuchtend gelbe Gewürz Kurkuma kann entzündungshemmend und antibakteriell wirken. Wahrscheinlich hängt mit diesen positiven Eigenschaften die in vielen TikTok- und Instagram-Posts vertretene Auffassung zusammen, dass Kurkuma auch ein wirksames Mittel gegen Zahnbelag sei und die Zähne weißer würden, wenn man sie mit dem Pulver putzt. Wahrscheinlicher ist aber, dass es die Zähne aufgrund seiner starken Pigmentierung mindestens vorübergehend gelb verfärbt. Direkt auf die Zähne aufgetragen, kann sich Kurkuma am Zahnschmelz festsetzen, in Fissuren eindringen und Kronen oder Füllungen dauerhaft beschädigen. Content mit diesem Inhalt findet sich unter dem Hashtag #turmeric.

Nicht klein zu kriegen: SkinnyTok

Im Juni 2025 wurde der Hashtag #skinnytok in Europa verboten. Die EU hatte Druck auf den Plattformbetreiber ByteDance ausgeübt, weil über den Hashtag extreme und gesundheitsgefährdende Diät- und Abnehmtipps verbreitet wurden. Besonders Mädchen und junge Frauen konsumierten diesen Content – beziehungsweise konsumieren ihn immer noch. Denn: Die Posts erscheinen nun einfach unter anderen Hashtags wie zum Beispiel #snatched, #fatloss, #modelworkout, #dreambody oder #lean. Möglichst „skinny“ aussehen zu wollen, kann sich auch auf die Mundgesundheit negativ auswirken. So können Essstörungen entstehen, in deren Folge sich durch Nährstoffmangel Zahnschmelz und Mundschleimhaut geschädigt werden. Durch mit Erkrankungen wie Bulimie zusammenhängendes, häufiges Erbrechen sind zudem erhebliche Schäden an der Zahnhartsubstanz möglich. Es kann zu einem erhöhten Kariesrisiko kommen, sowie zu Zahnverfärbungen.

Studien zur Social-Media-Nutzung

Über die Sozialen Medien können wissenschaftlich fundierte und gesundheitsfördernde Informationen verbreitet werden – aber genauso können sie sich negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken, wie diese Studien zeigen:

Zu dick, zu dünn? Zu klein, zu groß? Wie Social Media die Schönheitsideale junger Menschen beeinflusst – insbesondere wie sie ihren Körper wahrnehmen und bewerten – analysierte im September 2025 eine Umfrage der Krankenkasse vivida BKK. Die Auswertung zeigt, dass die Hälfte der 14- bis 34-Jährigen häufig den Druck verspürt, den Schönheitsidealen entsprechen zu müssen, die auf Social Media trenden. Sechs von zehn der Befragten gaben an, ihr Aussehen oder ihren Körper regelmäßig mit anderen zu vergleichen. Je jünger die Befragten sind, desto stärker ist der Vergleichsdruck. Etwa die Hälfte der Befragten fühlt sich selbst außerdem zu dick, während sich rund jeder Fünfte für zu dünn hält.

Kein Medizinstudium? Egal! 38 Prozent der jungen Erwachsenen vertrauen medizinischen Informationen in den Sozialen Medien mehr als den Aussagen ausgebildeter Ärztinnen und Ärzte. Das hat eine Studie aus dem Jahr 2025 ergeben, für die die Kommunikationsagentur Edelman 18- bis 34-Jährige aus 16 Ländern zum Thema Vertrauen in Ärztinnen und Ärzte befragt hat. Dem Survey zufolge lässt sich die befragte Altersgruppe zudem doppelt so häufig wie ältere Erwachsene bei Gesundheitsentscheidungen von Personen ohne formale medizinische Qualifikation beeinflussen.

Schmerzende Gesichtsmassagen für straffere Haut

Ein beliebtes Beauty-Thema auf Social Media sind Lymphdrainage-Routinen oder Massagen für den Kopfbereich. Sie sollen entwässernd wirken und so Schwellungen im Gesicht mindern. Hashtags sind #lymphaticfacial, #depuffing, #guasha oder #facemassage. Häufig werden Hilfsmittel wie Roller oder Massagegeräte empfohlen und demonstriert. Während bei einer sanften Massage eigentlich nichts schiefgehen sollte, können zu heftiges Kneten und Streichen oder aggressive Massage-Tools jedoch durchaus Beschwerden wie Hautirritationen, Verspannungen oder Kopfschmerzen hervorrufen.

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