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Anonymer Krankenschein Bonn und Dental Emergency Team

Zahnmedizin für Menschen ohne Krankenversicherung

Der Anonyme Krankenschein Bonn e.V. (AKSB) hilft Menschen, die keine Krankenversicherung haben. Das Dental Emergency Team e.V. (Dental EMT) führt in seinen mobilen Zahnstationen – oft sind das umgebaute Rettungswagen – die zahnärztliche Notfallversorgung durch. Was liegt näher als eine Zusammenarbeit?

In Deutschland leben trotz Krankenversicherungspflicht laut Statistischem Bundesamt rund 72.000 Personen, die weder krankenversichert noch über andere gesetzliche Regelungen abgesichert sind. Viele Menschen tauchen aber gar nicht im System auf. Experten und Expertinnen gehen daher von gut einer halben bis einer Million Betroffener aus.

Um den Zugang zur zahnmedizinischen Versorgung für nicht krankenversicherte Menschen in der Region zu verbessern, wollen das Dental EMT aus Bornheim und der AKSB daher zusammenarbeiten. Ziel ihrer Kooperation: die bestehenden Versorgungsstrukturen zu vernetzen und niedrigschwellige, anonyme Behandlungsangebote auszubauen.

So arbeitet der AKSB

Der Anonyme Krankenschein Bonn (AKSB) vermittelt über einen anonymisierten Behandlungsschein (zahn-)medizinische Leistungen, ohne dass personenbezogene Daten an Behörden weitergegeben werden. Das Angebot richtet sich besonders an Menschen, die aus Angst vor aufenthaltsrechtlichen Konsequenzen oder aufgrund sozialer Barrieren reguläre Versorgungsstrukturen nicht in Anspruch nehmen. Seit 2021 wird der Verein hauptsächlich von der Stadt Bonn finanziert.

„Menschen kommen aus ganz verschiedenen Gründen in die Situation, nicht krankenversichert zu sein“, berichtet Angelika von der Osten, Projektkoordinatorin beim AKSB. „Selbstständige mit Schulden bei ihrer Krankenkasse; Deutsche, die lange im Ausland gelebt haben und jetzt zu alt für eine Aufnahme in die GKV sind; oder Menschen, die gerade aus der Haft entlassen wurden. Es kann auch mit dem Aufenthaltstitel zu tun haben, etwa im Zusammenhang mit dem Freizügigkeitsrecht und dazugehörigem Arbeitsrecht von EU-Bürgern oder der Sondersituation von Menschen ohne Papiere.“ Was alle diese Menschen gemeinsam haben, sei eine häufig über Jahre unzureichende gesundheitliche Versorgung.

„Unser größtes Ziel ist es, uns selbst abzuschaffen“

Clearing – also die Rückvermittlung von Menschen ohne Krankenversicherungsschutz ins Regelsystem – sei ein enorm wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit und wäre ohne eine hauptamtliche Struktur nicht möglich. „Wir sagen aber auch: Unser größtes Ziel ist es, uns selbst abzuschaffen. Sprich, dass es einen Verein wie den AKSB nicht mehr braucht, weil alle Menschen unabhängig von ihrer Lebenssituation ausreichend krankenversichert sind“, erklärt von der Osten.

„Zu uns kommen manchmal Menschen, die noch nie in ihrem Leben beim Zahnarzt waren. Bei akuten Zahnschmerzen suchen sich die meisten irgendwann Hilfe, weil der Leidensdruck so hoch ist.“

Angelika von der Osten, Projektkoordinatorin beim AKSB


Die Kostenübernahmen für die Behandlung von Zahnerkrankungen fallen beim AKSB jedes Jahr unter die Top 3 der höchsten Ausgaben nach Fachrichtung. „Einfach, weil es so viele sind“, erzählt von der Osten. „Wir dürfen nur Behandlungen übernehmen, die auch eine gesetzliche Krankenkasse tragen würde. Viele zahnärztliche Leistungen, die Teil einer ganzheitlichen Behandlung sind und den Leidensdruck unserer Patienten mindern würden, wie zum Beispiel Zahnschienen oder Zahnaufbau, fallen leider nicht darunter.“

Da Unversicherte und marginalisierte Patientengruppen zahnärztliche Leistungen häufig erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien in Anspruch nehmen, sei der Behandlungsbedarf oft höher und die Therapieverläufe komplexer, bestätigt Dr. Alexander Schafigh, Gründer des Dental EMT: „Niedrigschwellige Versorgungsangebote und interdisziplinäre Ansätze sind daher essenziell, um diese Versorgungslücken zu schließen.“

Der AKSB ist dem Dental Emergency Team und den dort ehrenamtlich tätigen Zahnärzten sehr dankbar. „Letztendlich sind wir aber der Meinung, dass die zahnmedizinische Versorgung eine öffentliche Aufgabe ist und nicht nur von zivilgesellschaftlichem Engagement abhängig sein sollte“, stellt von der Osten klar. „Im besten Fall engagieren sich Zahnärzte also zusätzlich politisch, zum Beispiel in ihren Berufsverbänden, und bringen Themen wie die mangelnde Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung mit auf die Agenda.“

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