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Wie ein gefälschter Scheck einen Zahnarzt glücklich machte

Das Foto „Five-Way Portrait of Marcel Duchamp“ zeigt den Künstler am 21. Juni 1917 in New York City, etwa zwei Jahre vor dem hinterher so berühmten Zahnarzt-Termin bei Daniel Tzanck. © Yanukit Raiva / gettyimages, wikimedia /Remitamine
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Im Jahr 1919 bezahlt ein Patient in Paris nach einer Zahnbehandlung per Scheck. Allerdings nicht mit einem normalen Bankscheck, sondern mit einer wunderschönen, handgezeichneten Fälschung. Doch der Praxisinhaber Daniel Tzanck ist keinesfalls erbost – im Gegenteil, sogar liebend gerne nimmt er dieses Falsifikat entgegen. Der Patient ist nämlich niemand Geringeres als der französisch-amerikanische Maler und Objektkünstler Marcel Duchamp – Mitbegründer der Konzeptkunst, Wegbereiter des Dadaismus und des Surrealismus.

Duchamp, 1887 in Frankreich geboren, arbeitete zunächst als Illustrator und Karikaturist, wandte sich dann dem Kubismus zu. Der Besuch der Luftfahrtschau 1912 im Pariser Grand Palais markierte für den jungen Mann einen Wendepunkt: Er war so begeistert von den technischen Innovationen und den von ihm als perfekt empfundenen industriellen Formen, dass er die Malerei aufgab und mit dem „Fahrrad-Rad“ (Roue de Bicyclette / Bicycle Wheel)1913 sein erstes Readymade-Kunstwerk schuf.

„Auf der Suche nach etwas, das weder Kunst noch Anti-Kunst ist, etwas, das sich durch Indifferenz gegenüber allen ästhetischen Kategorien auszeichnet“, montierte er das Vorderrad eines Fahrrads in seiner Fahrradgabel auf einen Hocker. Noch berühmter und bekannter ist wohl seine Skulptur „Fountain“ – ein liegendes Pissoir – aus dem Jahr 1917, „one of the greatest—and most amusing—controversies in the history of modern art“, wie das Philadelphia Museum of Art zum Hundertjährigen schrieb.

Das Konzept Ready-made (englisch für „Fertigware“) oder auch Objet trouvé (französisch für „gefundener Gegenstand“) war geboren. Duchamp stellte damit den gängigen Kunstbegriff seiner Zeit radikal infrage, weil er postulierte, dass Alltags- oder Naturgegenstände allein dadurch zum Kunstwerk gemacht werden können, indem der Künstler sie „findet“ und zum Kunstwerk erklärt.

„... ein Werk [wird] vollständig von denjenigen gemacht, die es betrachten oder es lesen und die es, durch ihren Beifall oder sogar durch ihre Verwerfung, überdauern lassen.“

Marcel Duchamp, 1956


Das disruptive Konzept wurde in den New Yorker Kunstkreisen begeistert aufgenommen, Duchamp freundete sich eng mit Künstlern wie Man Ray an und pendelte zwischen 1919 und den frühen 1920er-Jahren mehrmals zwischen Paris und New York hin und her. Während eines Aufenthalts in Paris besuchte er dann den Zahnarzt Daniel Tzanck und bezahlte ihn mit dem gefälschten Scheck für eine Behandlung.

Der Scheck ist über 115 Dollar ausgestellt und stammt demnach von der „The Teeth’s Loan & Trust Company Consolidated“ in der Wall Street, New York. Jeder einzelne Buchstabe ist mit einer solchen Präzision von Hand gemalt, dass er wie gedruckt aussieht. Es gibt einen spielerischen Kontrast zwischen diesem Text, einer vermeintlich gestempelten Nummer, die ihn als Scheck 4864 kennzeichnet, dem vertikalen Hinweis „ORIGINAL“ und dem „handgeschriebenen“ Text, einschließlich des Datums und der Signatur des Künstlers.

„Funktioniert“ hat der Deal deshalb, weil Tzanck Kunstexperte war. Als Kenner hat der Zahnarzt nie versucht, den Scheck einzulösen, dem ambitionierten Sammler und späteren Mäzen (siehe Kasten) muss der wahre Wert des ungedeckten Schecks sogleich bewusst gewesen sein.

Der Zahnarzt und die Kunst

„Salon der verrückten Vögel“

Daniel Tzancks Eltern waren in den 1880er-Jahren aus Georgien nach Paris ausgewandert, wo sein Vater eine Kefir-Fabrik eröffnete. Ab 1912 unterhielt Tzancks älterer Bruder, der Arzt Arnault Tzanck, mit dem Dichter Guillaume Apollinaire, dem Schriftsteller Henri-Pierre Roché und der Malerin Marie Laurencin eine enge Beziehung, wodurch er die Brüder in die avantgardistischste Literatur- und Kunstszene von Paris einführte.

Etwa um dieselbe Zeit begann Daniel Tzanck, Werke von Fauvisten wie André Derain, Raoul Dufy und Kees van Dongen zu sammeln. 1923 wurde er Mitbegründer der SAC (Société des Amateurs d’art et des Collectionneurs). Bis in die 1930er-Jahre organisierte die Gesellschaft von Kunstliebhabern regelmäßige Ausstellungen mit Werken von Jean Crotti, Suzanne Duchamp, Francis Picabia, Picasso und anderen, von Tzanck wurden die Treffen „Salon de la Folle Enchère“ (Salon der verrückten Vögel) genannt.

Tzanck schrieb häufig für das SAC-Mitteilungsblatt und schlug 1925 vor, dass Paris ein Museum für moderne Kunst (oder ein Museum für lebende Künstler) gründen sollte und reklamierte, dass „man nach Moskau reisen muss, um eine repräsentative Sammlung der neuesten französischen Kunst zu bewundern“.

Aus: Stark, Trevor: „Daniel Tzanck“ The Modern Art Index Project (November 2016), Leonard A. Lauder Research Center for Modern Art, The Metropolitan Museum of Art. https://doi.org/10.57011/NQBY6758

Später kaufte Duchamp seinen Tzanck-Scheck vom Zahnarzt zurück – übereinstimmenden Berichten zufolge für deutlich mehr als die aufgemalten 115 US-Dollar.

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