3-D-Röntgen: eine Dimension mehr

von Dr. Christian Ehrensberger
Zahnmedizin
Vor wenigen Jahren noch hätte man beim Thema Röntgen in Zahnarztpraxen an dieser Stelle ernsthaft diskutiert: analog oder digital? Heute lautet die Frage: Darf es eine Dimension mehr sein?

Röntgengeräte sind, wie die Behandlungseinheit, feste Bestandteile fast einer jeden Zahnarztpraxis. Analoge Systeme werden immer seltener weiter betrieben. Ein digitales intraorales Röntgensystem ist zum Beispiel für die Kariesdiagnostik von Vorteil (und hier insbesondere im approximalen Bereich), für die Endodontie, für parodontale Fragestellungen. Ein Panoramaröntgengerät mit digitalem Sensor für OPG-Aufnahmen bietet zusätzlichen Nutzen.

Spezialisten brauchen darüber hinaus Zusatzequipment, zum Beispiel für die Kieferorthopädie. Hierzu gehört ein Fernröntgengerät in die Praxis. Analoge Systeme zählen in dieser Gruppe zu den Exoten. Stand der Technik sind digitale Geräte, durch die man an eigens anberaumten „Röntgen-Tagen“ eine Vielzahl von Patienten zusammenfassen kann.

50 Implantate sind die Faustformel

Die vorstehenden Ausführungen betreffen die zweidimensionale Bildgebung. Mittlerweile aber drängen 3-D-Geräte beziehungsweise die digitale Volumentomografie in die Praxen. Während die Endodontologen und Kieferorthopäden sowie die Allgemeinzahnärzte darauf eher zögerlich reagieren, sind sie in der Oralchirurgie, Implantologie und MKG-Chirurgie bereits zur Standardbildgebung avanciert.

Wie beim Übergang von der analogen zur digitalen Technik gilt auch für den Schritt von 2-D nach 3-D: Wer ihn einmal unternommen hat, wird ihn nicht mehr rückgängig machen wollen. Der richtige Punkt für den Einstieg in die 3-D-Röntgentechnologie lässt sich aber genauer fassen. Er bietet sich zum Beispiel ab circa 50 gesetzten Implantaten pro Jahr an - notwendigerweise eine „Faustformel“. Die Anzahl der Implantate ist jedoch der beste Ansatzpunkt zur Beurteilung, ob sich ein DVT rechnen dürfte. Nichtsdestotrotz kann es auch für andere klinische Fragestellungen genutzt werden (wie Endodontie, Kieferorthopädie), so dass stets eine praxisindividuelle Bewertung nötig ist.

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Variantenreiches 2-D-Röntgen

Die Größenordnungen für die Investition in ein Röntgensystem liegen bei einigen zehntausend Euro - um eine Hausnummer zu nennen: 2-D-Geräte fangen bei 25.000 Euro an, wobei „Preiswert-Varianten“ zuweilen auch für deutlich weniger zu haben sind. Zu den Qualitätsmerkmalen gehört zum Beispiel im Falle der Panoramaaufnahmen: Der Patient sollte (verwackelungs-)sicher einzuspannen sein, und die Umlaufkurve der Sensoren um den Kopf herum muss exakt abgefahren werden.

Einzelne Billiggeräte können etwa lediglich einfache Aufbisse und eine kostengünstig ausgeführte Patientenfixierung aufweisen, wobei der Patientenkopf aber im Grunde genommen noch zu viel Spiel hat. Gegebenenfalls sind dann Details nicht zu erkennen und/oder Wiederholungsaufnahmen nötig. Für 10.000 Euro mehr erhält man Röntgengeräte mit Zusatzfunktionen, wie der neuesten Sensortechnik und der Möglichkeit, spezielle Aufnahmen anzufertigen - extraorale Bissflügelaufnahmen zum Beispiel oder Sinusaufnahmen.

Sensoren und Speicherfolientechnik

Eine Sonderstellung nimmt die Speicherfolientechnik ein. Sie hat sich in der Praxis nur im intraoralen Bereich etabliert. Dort verfügt sie jedoch bei denjenigen zahnärztlichen Teams über einen guten Stand, die sich beim Übergang zur digitalen Technologie in puncto Handhabung eng am analogen Röntgen orientieren möchten. Es kommt zwar zu mehr Signalumwandlungen, aber in der Praxis kann man mit den Aufnahmen ohne weiteres eine sichere Diagnostik durchführen.

Mit 22 Linienpaaren pro Millimeter beziehungsweise der Darstellung von Details bis auf 12,5 Mikrometer (entsprechend einem ISO-06-Endo-Instrument) werden in der Praxis feinste Strukturen präzise abgebildet. Der Anteil der Speicherfolientechnik lässt sich nur grob schätzen und dürfte zurzeit etwa in Größenordnungen von 60 Prozent gegenüber 40 Prozent (oder 50 zu 50) für Sensoren liegen.

Der Sensor spielt seine Vorteile dort aus, wo es um Schnelligkeit geht, bei der Endo-Kontrollaufnahme oder bei Serienaufnahmen für die Kariesdiagnostik. Auch scheinen in der Sensortechnologie noch Fortschritte möglich, die zu einer Verbesserung der Bildqualität führen könnten. Zum einen lassen sich, parallel zur allgemeinen Entwicklung in der Elektronik, immer mehr Informationen auf einem Chip speichern.

Zum anderen deuten sich auch bei der Umwandlung von Röntgenstrahlen in elektrische Signale Innovationen an: Cäsiumiodid als Scintillator-Material verspricht dank geringer Streuverluste eine bessere Lichtausbeute und damit ein besseres Signal-Rausch-Verhältnis als zuvor übliche Materialien. So kann ein digitaler Sensor heute eine Auflösung von deutlich über theoretisch 30 Linienpaaren pro Millimeter schaffen. In der Handhabung werden sich kabellose Systeme immer stärker durchsetzen, und aktuelle Systeme mit austauschbaren Kabeln reduzieren das Kostenrisiko erheblich.

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3-D ergänzt 2-D

Die Investition in einen digitalen Volumentomografen liegt mit rund 70.000 Euro etwa doppelt so hoch wie bei Top-2-D-Geräten. Die Aufnahmen erleichtern fast jede Diagnose oder Behandlung - von der Wurzelspitzenresektion über den lokalen Knochenaufbau bis hin zum Sinuslift. Fortgeschrittene Systeme schaffen auch die Anbindung an die geführte Chirurgie (Bohrschablonen), teilweise sogar ohne die Notwendigkeit von Abdrücken oder Gipsmodellen. Dadurch wird die Entwicklung von einer primär am Knochenangebot orientierten zu einer von der Prothetik her geplanten implantologischen Behandlung befördert.

Im „digitalen Extremfall“ reichen eine Aufnahme mit dem Intraoralscanner, ein daraus abgeleitetes CAD-Design und dessen Überlagerung mit 3-D-Röntgen-Daten. Auf der Grundlage dieses Inputs kann der Behandler zum Beispiel eine Implantatplanung ganzheitlich angehen, das heißt Knochenangebot und Prothetik am Bildschirm gleichzeitig optimieren. Selbst das gewünschte Emergenzprofil kann dabei schon berücksichtigt werden.

Volldigitales Arbeiten

Bei der vorstehend skizzierten volldigitalen Herangehensweise ist nicht einmal eine Röntgenschablone nötig. Klassischerweise muss sie im Labor aus einer konventionellen Abformung hergeleitet werden - über das Meistermodell, eine Wachsaufstellung, eine Tiefziehschiene mit dem prothetischen Vorschlag, montiert auf eine Aufbissplatte. Erst dann erfolgen das 3-D-Röntgen und die eigentliche Implantatplanung.

Für jeden dieser Prozesse stehen heute mehrere Wege zur Bohrschablone offen. Einer davon führt über zentrale Dienstleister: Der Zahnarzt schickt seine Planungsdaten und die 3-D-Röntgenaufnahme dorthin und bekommt nach einigen Tagen die entsprechende Bohrschablone retour. Alternativ dazu kann sie über eine praxis- oder laborseitige Schleifeinheit im eigenen Hause und ohne Zeitverzögerung hergestellt werden.Die höherwertigen 3-D-Systeme, im hohen fünfstelligen oder sechsstelligen Euro-Bereich, weisen einen größeren Scan-Bereich auf. Dies öffnet die Tür zu Ganzkieferaufnahmen inklusive Kiefergelenk - ideal bei Kieferfrakturen, bei Dysgnathien oder bei der Behandlung der craniomandibulären Dysfunktion.

Entscheidend wirkt sich auch hier aus, was als Software dazukommt: Zum Beispiel lässt sich mit digitalen Kieferbogensystemen die Bewegung des Kiefergelenks nachverfolgen. Dazu gibt der Diagnostiker dem Patienten bestimmte Anweisungen, wie er seinen Unterkiefer bewegen soll. Die daraus gewonnenen Bewegungsinformationen helfen in Kombination mit statischen 3-D-Röntgenbildern zum Beispiel bei der Schienenherstellung.

###more### ###title### DVT statt CT ###title### ###more###

DVT statt CT

Aufgrund der vielfältigen Chancen der digitalen Volumentomografie geht der Trend sogar weg vom Computertomogramm in der Klinik oder im Dental-Diagnostik-Zentrum und hin zum DVT in der Praxis. Die Wertschöpfung des Scans bleibt im Hause, die Behandlungsplanung geht ohne Zeitverzug vonstatten und die wichtige Anbindung an die Praxisverwaltung, inklusive digitale Patientenkartei und Abrechnungssoftware, kann individuell maximal komfortabel gestaltet werden.

Der angegebene Preisrahmen versteht sich selbstverständlich als Momentaufnahme. Er ermöglicht es aber dennoch, eine qualitative Einordnung der am Markt verfügbaren Systeme in Leistungsklassen vorzunehmen. Angesichts der ultrakurzen Innovationszyklen in der Mikroelektronik dürften jedoch schon aktuell weitere wichtige Entwicklungsschritte vor der Tür stehen. Auf der Internationalen Dental-Schau vom 10. bis zum 14. März 2015 in Köln findet der Besucher auf einen Blick, was der Markt in puncto dentales Röntgen und digitale Zahnheilkunde zu bieten hat.

Dr. Christian EhrensbergerHolbeinstr. 20, 60596 Frankfurt am Main   cu_ehrensberger@web.de

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