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Neuer Medscape-Gehaltsreport

Ärztegehälter steigen – Unzufriedenheit allerdings auch

Nicht allein die Höhe des Einkommens entscheidet über die Zufriedenheit, sondern das Verhältnis von Vergütung, Arbeitszeit, Verantwortung, Kosten und administrativer Belastung, geht aus einer aktuellen Umfrage unter Ärztinnen und Ärzten hervor. Monkey Business -stock.adobe.com
Susanne Theisen
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LL
Praxis
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Rund 163.300 Euro verdienten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland zuletzt im Schnitt. Der Gehaltsreport ergab auch: Viele der Befragten empfinden ihr Einkommen als nicht angemessen.

Im Vergleich zum vergangenen Medscape-Gehaltsreport aus dem Jahr 2023 nahm die Unzufriedenheit deutlich zu. „Mehr Arbeit, hohe Patientenzahlen und immer mehr Zeitaufwand für Bürokratie prägen den Alltag“, fasst Medscape die Rückmeldungen zusammen.

Regelmäßig befragt der Branchendienst Ärztinnen und Ärzte in Deutschland zu ihrem Gehalt und ihren Erfahrungen im Arbeitsalltag. Die nun vorgestellten Ergebnisse beruhen auf einer Online-Umfrage, an der zwischen Februar und Juli 2026 rund 630 in Vollzeit arbeitende Ärztinnen und Ärzte teilnahmen.

Einkommen variiert nach Alter, Geschlecht und Arbeitsort

Aus der Umfrage geht hervor, dass das ermittelte durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen von 163.300 Euro (2023: 149.000 Euro) unter Umständen stark variiert. „Nicht nur zwischen den Geschlechtern herrschen nach wie vor große Gefälle, sondern auch je nach Art des Arbeitsplatzes“, so Medscape.

In Praxen liege das Einkommen im Durchschnitt bei rund 175.200 Euro, im Krankenhaus bei etwa 158.600 Euro. Zwischen Haus- und Fachärzten fällt die Differenz laut Medscape dagegen kaum ins Gewicht. Dafür spiele das Alter eine Rolle: Während Ärztinnen und Ärzte ab 45 Jahren im Schnitt auf rund 168.900 Euro kämen, seien es bei den unter 45-Jährigen knapp 133.000 Euro. Noch größer sei der Unterschied zwischen den Geschlechtern, meldet der Branchendienst: „Männer erzielen durchschnittlich rund 178.200 Euro, Frauen knapp 128.900 Euro – fast 50.000 Euro weniger im Jahr.“

Mehr Geld bedeutet nicht gleichzeitig mehr Spielraum

Auch das zeigt die Umfrage: Ein höheres Praxiseinkommen bedeutet nicht automatisch mehr finanziellen Spielraum, wie ein Blick in die Kommentare in den Freitextfeldern zeige. „Als Praxisinhaberin verdiene ich mittlerweile genauso viel wie meine angestellten Ärzte bei deutlich mehr Berufserfahrung und dem vollen Risiko“, habe eine 45-jährige Urologin aus Nordrhein-Westfalen geschrieben. Und ein 67-jähriger Arzt aus Sachsen: „Ohne Gutachten und Privatpatienten könnte ich meine Praxis nicht halten.“

Aus dem Report geht hervor, dass 91 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte sowohl Kassen- als auch Privatpatienten behandeln: Ausschließlich Kassenpatienten behandelten lediglich sechs Prozent, ausschließlich Privatpatienten drei Prozent.

Nur 29 Prozent halten ihre Vergütung für ausreichend

Bei 48 Prozent der Umfrageteilnehmenden blieben die Einkünfte im Jahr 2025 unverändert, bei 28 Prozent gingen sie zurück. Etwa 24 Prozent verdienten mehr als 2024, vier Prozent konnten ihr Einkommen um mehr als zehn Prozent steigern. Zum Vergleich: Die Nominallöhne stiegen laut Destatis im Jahr 2025 um durchschnittlich 4,2 Prozent – abzüglich Inflation blieb davon ein Reallohnplus von 1,9 Prozent.

Besonders Niedergelassene spüren der Umfrage zufolge die steigenden Kosten für Personal, Miete, Energie, medizinische Geräte sowie Material. Zusätzliche Einnahmen würden dadurch aufgezehrt.

71 Prozent der Befragten (2023: 65 Prozent) fühlen sich laut der Umfrage nicht angemessen bezahlt. Nur 29 Prozent halten ihre Vergütung für ausreichend.

Stress drückt die Stimmung

Den Rückmeldungen sei zu entnehmen, dass die Arbeitsbelastung für einen erheblichen Teil der Ärzteschaft hoch sei: 42 Prozent der Befragten sehen mehr als 100 Patientinnen und Patienten pro Woche persönlich, 17 Prozent sogar mehr als 200. Weitere 17 Prozent kommen nach eigenen Angaben auf 76 bis 100 Patientenkontakte.

Fast die Hälfte der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte könne sich im Schnitt höchstens zwölf Minuten Zeit pro Fall nehmen. Bei 19 Prozent sind es weniger als neun Minuten. Mehr als 20 Minuten können sich nur 15 Prozent nehmen.

Bei der Stundenzahl zeigt die Tendenz nach oben

Ein weiteres Ergebnis: Für die meisten Befragten habe sich die Arbeitszeit im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr nicht verändert: 60 Prozent arbeiten genauso viele Stunden wie im Jahr 2024. Wo sich etwas bewegt, zeigt die Entwicklung jedoch klar nach oben. Mehr als jeder Dritte arbeite mehr als früher, 14 Prozent sogar um mehr als zehn Prozent. Zurückgegangen sei die Stundenzahl lediglich bei vier Prozent der Teilnehmenden.

Wie das den Alltag präge, berichtete ein 62-jähriger Pneumologe aus Hessen: „Ich habe mehr als 200 Überstunden, die ich nicht ausbezahlt bekommen kann und die ich wegen Personalmangel kaum abfeiern kann.“ Noch zugespitzter formulierte es ein 58-jähriger Orthopäde aus Bayern: „Das Einkommen wäre bei 38 Stunden pro Woche okay. Die tatsächliche Arbeitszeit liegt aber deutlich über 60 Stunden.“

Bürokratie gehört zu den großen Zeitfressern

„Dokumentation und Verwaltung nehmen laut Umfrage einen erheblichen Teil der ärztlichen Arbeitswoche ein. Fast acht von zehn Ärztinnen und Ärzten verbringen mindestens zehn Stunden pro Woche mit administrativen Aufgaben abseits des direkten Patientenkontakts. Am häufigsten liegt der Aufwand bei zehn bis 14 Stunden – das geben 29 Prozent an“, heißt es im Medscape-Gehaltsreport.

Wo Ärztinnen und Ärzte sparen

Drei Viertel der Befragten habe geantwortet, derzeit bei den Lebenshaltungskosten zu sparen: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) gebe weniger für Restaurantbesuche aus, 49 Prozent sparten bei Reisen. Dahinter folgten Unterhaltung mit 34 Prozent und das Auto mit 32 Prozent.

„Doch Sparen bedeutet offenbar nicht, auf Vermögensaufbau zu verzichten“, resümiert Medscape auf Basis der Umfrage. „61 Prozent der Befragten investieren in Aktien oder andere börsennotierte Finanzprodukte. Damit setzt trotz Einschnitten beim Konsum eine klare Mehrheit weiterhin auf den Kapitalmarkt.“

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