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Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ – Teil 4

Zwischen Vorfreude und Verantwortung: Die erste Zeit in der Niederlassung

Eine gut durchdachte Praxisstruktur und -organisation ­erleichtern den Start in die ­Selbstständigkeit. © gpointstudio-stock.adobe.com
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Neue Aufgaben, neue Abläufe und neue Verantwortung: Die ersten Monate in der eigenen Praxis sind intensiv. Vor welchen Herausforderungen junge Praxisinhaberinnen und ‑inhaber in dieser Zeit stehen und welche Unterstützungsangebote ihnen den Start in die Selbstständigkeit erleichtern können, lesen Sie hier.

Die Erkenntnisse basieren auf Daten der Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Im Fokus dieses Artikels stehen 622 Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich in den Jahren 2021 oder 2022 niedergelassen haben.

Der Start in die Selbstständigkeit ist häufig von Aufbruchsstimmung geprägt, gleichzeitig aber mit vielfältigen organisatorischen, administrativen und persönlichen Anforderungen verbunden. Die Auswertung der Befragungsdaten zeigt sechs Themenfelder, in denen sich diese Anfangsbelastungen bündeln. Neben klassischen Organisations- und Verwaltungsfragen betreffen sie vor allem zwischenmenschliche Faktoren, Führungsaufgaben und betriebswirtschaftliche Entscheidungen.

Eine zentrale Aufgabe in der Anfangszeit ist der Aufbau funktionierender Praxisabläufe. Dazu gehören klar definierte Verantwortlichkeiten, ein strukturiertes Patientenmanagement und ein Behandlungskonzept, das zur eigenen fachlichen Ausrichtung passt. Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte berichten, dass administrative Themen wie Abrechnungsfragen, Arbeitsschutz oder neue IT-Systeme anfangs viel Zeit beanspruchen.

Praxisübernahmen erfordern darüber hinaus die Anpassung bestehender Routinen. Dieser Prozess erfordert Sensibilität und gute Kommunikation, insbesondere gegenüber einem eingespielten Team und langjährigen Patientinnen und Patienten. Der Wunsch nach praxisnahen Informationsangeboten zu diesen Belangen wird in den Rückmeldungen der Befragten deutlich. Strukturierte Leitfäden, verständlich aufbereitete Informationen und klare Schritt-für-Schritt-Anleitungen können die Orientierung in der Anfangsphase erleichtern und früh Sicherheit schaffen.

Aus der Kollegin wird eine Chefin

Mit der Niederlassung verändert sich auch die berufliche Rolle. Aus der Behandlerin oder dem Behandler wird eine Führungsperson, die medizinische mit organisatorischer Verantwortung verbindet. Teamführung, Kommunikation und Mitarbeitermotivation rücken damit in den Fokus.

Gerade in der Anfangszeit besteht häufig ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Stabilität im Praxisalltag und der Aufgabe, ein Team in Veränderungsprozessen mitzunehmen. Auch im Austausch mit abgebenden Kolleginnen und Kollegen kann es zu unterschiedlichen Erwartungen über Abläufe oder Verantwortlichkeiten kommen. Solche Übergänge benötigen klare Kommunikation und ein gutes Gespür für Teamprozesse.

Neben organisatorischen Themen stellen auch technische und infrastrukturelle Fragen eine Herausforderung dar. Dazu zählen etwa Lieferzeiten, technische Anbindungen oder bauliche Anpassungen.

Finanzielle Fragestellungen zu Kreditraten, zunächst noch schwankenden Umsätzen oder allgemeine Planungsunsicherheiten bleiben in den ersten Monaten oft ebenfalls präsent. Externe Einflüsse verleihen manchen Gründungsphasen zusätzliche Komplexität. So war die erste Zeit der Niederlassung bei den Studienteilnehmenden von der COVID-19-Pandemie geprägt. Strukturierte Planung und ein verlässliches Netzwerk an fachkundigen Ansprechpersonen sorgen dafür, dass diese potenziellen Hürden gut zu bewältigen sind.

Viele neue Praxisinhaberinnen und ‑inhaber wünschen sich praxisnahe Kenntnisse jenseits der zahnmedizinischen Tätigkeit. Eine strukturierte Wissensvermittlung zu betriebswirtschaftlichen Grundlagen, zu Fragen der Personalführung, zu rechtlichen Rahmenbedingungen sowie konkrete Hinweise zu Verwaltungsabläufen und Gründungsschritten würden den Einstieg erleichtern.

Die Analyse der Unterstützungswünsche zeigt, dass keine grundsätzlich neuen Strukturen erforderlich sind, sondern vielmehr die Weiterentwicklung bestehender Angebote. Qualität, Neutralität und Zugänglichkeit der Beratung entscheiden maßgeblich über deren wahrgenommenen Nutzen.

Gewünscht sind unabhängige Berater

Als wichtigste Ansprechpartner in der Niederlassungsphase nennen Neugründerinnen und Neugründer ihre Kammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen. Beratungsangebote dagegen, die als zu stark von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst wahrgenommen wurden, wurden teils kritisiert. Entsprechend groß ist der Wunsch nach neutraler, objektiver Beratung, die frei von Verkaufsabsichten agiert und auf die individuellen Situationen der Gründenden eingeht.

Eine gute Vorbereitung auf die Niederlassung gelingt durch frühzeitige Auseinandersetzung mit niederlassungsrelevanten Grundlagen. Kammern und KZVen bieten zum Teil Informationsveranstaltungen, Seminare oder Beratungen zur Praxisgründung an. Wer frühzeitig Informationsangebote wahrnimmt und grundlegende betriebswirtschaftliche und organisatorische Kompetenzen bereits in der Anstellung aufbaut, startet mit einem breiten Fundament in die Selbstständigkeit.

Die Anfangsphase einer Niederlassung ist anspruchsvoll, bietet aber zugleich große Gestaltungsmöglichkeiten. Die IDZ-Studie zeigt, dass organisatorische, administrative, finanzielle und zwischenmenschliche Themen die ersten Monate prägen. Gleichzeitig wird deutlich: Mit guter Vorbereitung, verlässlichen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern sowie einer konstruktiven Grundhaltung ist die Selbstständigkeit gut zu bewältigen. Junge Zahnärztinnen und Zahnärzte bringen Engagement, fachliche Kompetenz und Gestaltungswillen mit – alles Eigenschaften, die eine starke Basis für eine zukunftsfähige Praxis bilden.

Fazit

Die IDZ-Studie verdeutlicht, wie facettenreich der Weg in die zahnärztliche Selbstständigkeit heutzutage ist. Individuelle Lebensentwürfe, berufliche Interessen und familiäre Rahmenbedingungen greifen ineinander und prägen die Entscheidungen junger Zahnärztinnen und Zahnärzte oftmals auf sehr unterschiedliche Weise.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung ein gemeinsames Muster: Junge Generationen gehen den Schritt in die Niederlassung gut vorbereitet und reflektiert. Moderne organisatorische Strukturen und flexible Arbeitszeitmodelle sind in vielen Neugründungen bereits fest verankert und bilden die Grundlage für effiziente Abläufe und langfristige Weiterentwicklung.

Zur Serie

  1. Der Weg in die Niederlassung – Wie entsteht der Wunsch nach einer eigenen Praxis, und welche Faktoren prägen den persönlichen Gründungsweg? (zm 11/2026)

  2. Familie und Niederlassung – Wie beeinflussen Partnerschaft und Kinderwunsch Zeitpunkt und Form der Selbstständigkeit? (zm 12/2026)

  3. Strukturen neu gegründeter Praxen – Wie gestalten junge Niedergelassene ihre Praxis organisatorisch, personell und räumlich? (zm 13-14/2026)

  4. Herausforderungen bei der Niederlassung – Welche Aufgaben prägen die ersten Monate und welche Unterstützung wird als hilfreich erlebt? (zm 15-16/2026)

Trotz dieser guten Ausgangslage bestehen weiterhin Unterstützungsbedarfe, insbesondere im Bereich betriebswirtschaftlicher Grundlagen, Personalführung und administrativer Abläufe. Qualitativ hochwertige, neutrale und gut zugängliche Beratungsangebote von Kammern und KZVen nehmen daher eine zentrale Rolle ein und tragen wesentlich zu einem erfolgreichen Praxiseinstieg bei.

Insgesamt zeigt die Studie: Die Niederlassung bringt Herausforderungen mit sich – eröffnet aber zugleich weitreichende Gestaltungsmöglichkeiten. Wer sich frühzeitig mit den entscheidenden Themen beschäftigt und auf ein solides Netzwerk zurückgreift, schafft ein stabiles Fundament für eine erfolgreiche und zukunftsorientierte Praxisführung.

Die Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ basiert auf longitudinalen Primärdaten, die zwischen 2014 und 2019 deutschlandweit im Mixed-Methods-Design erhoben wurden. Alle Zahnmedizinstudierenden, die im Wintersemester 2014/15 im 9. oder im 10. Fachsemester eingeschrieben waren, wurden zur Teilnahme eingeladen und quantitativ (2015: n = 1.395; 2017: n = 618; 2019: n = 570) sowie qualitativ befragt. Ergänzend fand 2023 eine bundesweite quantitative Erhebung unter allen neu niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten der Jahre 2021 und 2022 statt (n = 622).

Dr. Nele Wicking

Dr. med. dent., M.Sc. Nele Wicking

Wissenschaftliche Referentin
Referat III: Zahnärztliche
Professionsforschung,
Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ)
Universitätsstr. 73, 50931 Köln

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