Strukturen neu gegründeter Praxen
Die Erkenntnisse basieren auf Daten der Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Im Fokus dieses Artikels stehen 622 Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich 2021 oder 2022 niedergelassen haben.
69 Prozent der Befragten lassen sich in einer Einzelpraxis nieder. Für sie ist der Wunsch nach Autonomie zentral, sie wollen beruflich eigene Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und die Praxisphilosophie frei gestalten. Typische Aussagen aus der Befragung wie „Ich möchte mich nicht nach anderen richten“ oder „Ich wollte meine eigene Chefin sein“ spiegeln dieses Motiv deutlich wider.
Obwohl angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte zunächst oft gemeinschaftliche Praxisformen bei einer späteren Niederlassung favorisieren, wählen die meisten später bei der tatsächlichen Niederlassung eine Einzelpraxis – und berichten von einer hohen Zufriedenheit mit ihrer Wahl. Rund 30 Prozent entscheiden sich dagegen für eine Berufsausübungsgemeinschaft oder ein anderes kooperatives Modell. Ausschlaggebend sind hier insbesondere der kollegiale Austausch, eine geteilte Verantwortung sowie die Aussicht auf eine verlässlichere Planung von Arbeitszeiten und Familienleben.
Für viele ist die Kooperation gerade dann eine attraktive Perspektive, wenn geeignete Partnerinnen oder Partner im beruflichen Umfeld bereits gefunden sind oder wenn eine bestehende Struktur übernommen wird. Neben rationalen Abwägungen spielen zudem subjektive Faktoren wie die „Passung zur eigenen Persönlichkeit“ oder frühere berufliche Erfahrungen eine zentrale Rolle.
Auch die Einzelpraxis ist heute ein teamorientiertes Modell
Neue Praxen starten heute häufig mit übersichtlich strukturierten Teams. Die befragten Einzelpraxen beschäftigen durchschnittlich acht Mitarbeitende, darunter im Mittel 0,6 angestellte Zahnärztinnen oder Zahnärzte und sieben Personen als (zahnärztliches) Hilfspersonal. In Gemeinschaftspraxen sind es 13 Mitarbeitende, davon 1,7 angestellte Zahnärztinnen oder Zahnärzte und 10,7 Personen als (zahnärztliches) Hilfspersonal. Auch die räumliche Ausstattung ist überschaubar: Einzelpraxen sind mit rund 3,4 Behandlungseinheiten ausgestattet, Gemeinschaftspraxen mit 4,7 Einheiten.
Somit wird die klassische Einzelpraxis heute eher als teamorientiertes Modell mit mehr als einer Behandlerin oder einem Behandler geführt. Viele kooperative Praxen starten währenddessen bewusst mit überschaubaren, gut planbaren Strukturen. Die Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen einen breiten Spielraum, sodass die Größe und die Struktur sich an die eigenen Vorstellungen anpassen lassen.
Zur Serie
Der Weg in die Niederlassung – Wie entsteht der Wunsch nach einer eigenen Praxis, und welche Faktoren prägen den persönlichen Gründungsweg? (zm 11/2026)
Familie und Niederlassung – Wie beeinflussen Partnerschaft und Kinderwunsch Zeitpunkt und Form der Selbstständigkeit? (zm 12/2026)
Strukturen neu gegründeter Praxen – Wie gestalten junge Niedergelassene ihre Praxis organisatorisch, personell und räumlich? (zm 13-14/2026)
Herausforderungen bei der Niederlassung – Welche Aufgaben prägen die ersten Monate und welche Unterstützung wird als hilfreich erlebt? (zm 15-16/2026)
71 Prozent der befragten Zahnärztinnen und Zahnärzte haben eine bestehende Praxis übernommen, 18 Prozent neu gegründet und 11 Prozent sind in eine bereits bestehende kooperative Praxisstruktur eingestiegen. Die Hälfte der Befragten hat vor ihrer Niederlassung verschiedene Angebote geprüft und abgelehnt. Gescheitert sind die Verhandlungen beispielsweise, weil der Raumzuschnitt, die Lage, der Kaufpreis oder die persönlichen Vorstellungen nicht passten.
Die Wahl der Praxis ist ein bewusster, sorgfältiger Prozess. Die abgelehnten Optionen müssen kein Hindernis sein, sondern helfen Zahnärztinnen und Zahnärzten auf dem Weg zur Niederlassung, schrittweise die für sie passende Lösung zu finden und letztlich ein Umfeld zu wählen, das langfristig gut zu ihren Vorstellungen passt.
Flexibilität bei der Arbeitszeit geht auch in der Niederlassung
Nahezu alle neu Niedergelassenen starten mit einem vollen Versorgungsauftrag. Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 42,5 Stunden und damit etwas unter dem bundesweiten Durchschnitt aller Praxisinhabenden von 44,1 Stunden [KZBV, 2024].
Die Spannbreite der wöchentlichen Arbeitsstunden ist groß. Zahnärztinnen arbeiten mit 40,1 Stunden im Mittel sechs Stunden weniger pro Woche als Zahnärzte (46,2 Stunden). Eltern reduzieren ihre Arbeitszeit im Vergleich zu Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder (40,4 zu 45,9 Stunden). Studienteilnehmende, die bei ihrer Niederlassung besonders viel Wert auf Flexibilität legen – hier handelt es sich vor allem um Zahnärztinnen mit Kindern –, realisieren mit durchschnittlich 37,5 Wochenstunden ein Arbeitszeitmodell, das die Vorteile selbstständiger Tätigkeit mit einer bewussten Work-Life-Balance verbindet.
Bereits in der Anstellung wünschen sich viele junge Zahnärztinnen und Zahnärzte mehr Flexibilität und Selbstbestimmung im Hinblick auf die Arbeitszeiten. Mit der Niederlassung setzen die Befragten ein breites Spektrum an Arbeitszeitmodellen um, die den persönlichen Lebensentwurf unterstützen.
Im Schnitt 450.000 Euro inklusive Modernisierungen und Neuanschaffungen beträgt das Investitionsvolumen einer Einzelpraxisübernahme laut aktuellem InvestMonitor 2024 des IDZ [Klingenberger und Köhler, 2025]. Der reine Kaufpreis liegt bei durchschnittlich 226.000 Euro. Die Spanne ist groß: Ein Fünftel zahlt einen Übernahmepreis von maximal 100.000 Euro, etwa ein Viertel über 300.000 Euro.
Das Niederlassungsmodell spiegelt die individuelle Vision
Dieser breite Rahmen zeigt, wie anpassbar die Investition je nach Vision und Schwerpunktsetzung ist, denn jede Gründerin und jeder Gründer definiert selbst, wie die Praxis ausgestattet sein soll. Unterschiedliche Investitionshöhen spiegeln vor allem individuelle Entscheidungen wider, etwa zur räumlichen Größe, zum technischen Standard oder zur geplanten Anzahl an Angestellten.
Die Studie zeigt, wie vielfältig junge Zahnärztinnen und Zahnärzte ihre Niederlassung gestalten, indem sie ihr Konzept an berufliche Ziele, familiäre Rahmenbedingungen und persönliche Präferenzen anpassen. Einige schätzen die Unabhängigkeit der Einzelpraxis, die sich zunehmend zu einem arbeitsteiligen, teamorientierten Modell entwickelt. Andere setzen auf Kooperation und geteilte Verantwortung – ihnen bieten gemeinschaftliche Praxisformen attraktive Optionen für Austausch, Entlastung und flexible Arbeitszeiten. In der eigenen Praxis nutzen die befragten Zahnärztinnen und Zahnärzte die Möglichkeit, ihre beruflichen Überzeugungen und ihren Lebensstil umzusetzen.
Ausblick
Der vierte und abschließende Teil der Serie beleuchtet die Herausforderungen in der Anfangszeit der Niederlassung und zeigt auf, welche Unterstützungsangebote Praxisinhabende als besonders hilfreich empfinden.
Zur Methodik: Die Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ basiert auf longitudinalen Primärdaten, die zwischen 2014 und 2019 deutschlandweit im Mixed-Methods-Design erhoben wurden. Alle Zahnmedizinstudierenden, die im Wintersemester 2014/15 im 9. oder im 10. Fachsemester eingeschrieben waren, wurden zur Teilnahme eingeladen und quantitativ (2015: n = 1.395; 2017: n = 618; 2019: n = 570) sowie qualitativ befragt. Ergänzend fand 2023 eine bundesweite quantitative Erhebung unter allen neu niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten der Jahre 2021 und 2022 statt (n = 622).
Literaturliste
KZBV (Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung) (2024): Jahrbuch 2024. Statistische Basisdaten zur vertragszahnärztlichen Versorgung. Köln.
Klingenberger, D.; Köhler, B. (2025): Investitionen bei der zahnärztlichen Existenzgründung 2024 (InvestMonitor Zahnarztpraxis). Zahnmed Forsch Versorg, 5, (03)







