Vereinbarkeit von Familie und Niederlassung
Die Erkenntnisse basieren auf Daten der Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Im Fokus dieses Artikels stehen 622 Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich in den Jahren 2021 oder 2022 niedergelassen haben.
Partnerschaft, Familienplanung und Gründungszeitpunkt
Die Niederlassungsentscheidung ist häufig eng mit der privaten Lebensplanung verknüpft. 86 Prozent der befragten Zahnärztinnen und Zahnärzte leben in einer Partnerschaft, 63 Prozent haben Kinder. Partnerschaft, Kinderwunsch, Betreuung und familiäre Absicherung spielen daher bei ihren Überlegungen zur Niederlassung eine zentrale Rolle.
In einer Partnerschaft entstehen zusätzliche Überlegungen, die in den Entscheidungsprozess einfließen. Ein wichtiger Faktor sind die beruflichen Möglichkeiten der Partnerin beziehungsweise des Partners, insbesondere in Regionen, in denen adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten nicht selbstverständlich sind.
Zur Serie
Der Weg in die Niederlassung – Wie entsteht der Wunsch nach einer eigenen Praxis, und welche Faktoren prägen den persönlichen Gründungsweg? (zm 11/2026)
Familie und Niederlassung – Wie beeinflussen Partnerschaft und Kinderwunsch Zeitpunkt und Form der Selbstständigkeit? (zm 12/2026)
Strukturen neu gegründeter Praxen – Wie gestalten junge Niedergelassene ihre Praxis organisatorisch, personell und räumlich? (zm 13-14/2026)
Herausforderungen bei der Niederlassung – Welche Aufgaben prägen die ersten Monate und welche Unterstützung wird als hilfreich erlebt? (zm 15-16/2026)
Die Familienplanung beeinflusst den Zeitpunkt der Niederlassung: Zwischen Approbation und Niederlassung liegen bei Befragten mit Kindern 9,9 Jahre, bei Befragten ohne Kinder 6,6 Jahre. Dazu tragen auch berufliche Auszeiten während der Anstellung bei. 43 Prozent geben an, mindestens eine längere Pause im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Kinderbetreuung genommen zu haben.
Zahnärztinnen und Zahnärzte passen ihre berufliche Entwicklung bewusst an private Lebensphasen an. Während einige vor der Familiengründung berufliche und finanzielle Stabilität schaffen möchten, bevorzugen andere eine abgeschlossene Familienplanung, bevor sie sich selbstständig machen. In vielen Fällen wird die Flexibilität der Selbstständigkeit als Vorteil wahrgenommen, um berufliche und familiäre Prioritäten langfristig in Einklang zu bringen.
Drei Lebensmodelle – drei Niederlassungsmodelle
Die Studie identifiziert drei Lebens- und Arbeitsmodelle, die exemplarisch zeigen, wie unterschiedlich sich berufliche und familiäre Ziele miteinander verbinden lassen.
Flexibilitätsorientiert: Dieses Modell leben überwiegend Zahnärztinnen, die Kinder haben. Ihre Familienplanung ist meist abgeschlossen. Berufliche Auszeiten haben sie in der Anstellung genommen, längere berufliche Auszeiten während der Niederlassung sind nicht eingeplant. Sie verfügen über etablierte Betreuungsstrukturen. Die Zahnärztinnen legen in der Niederlassung Wert auf flexible Arbeitszeitmodelle und eine gute Vereinbarkeit von Familie und Praxisalltag. 41 Prozent der Studienteilnehmenden lassen sich diesem Modell zuordnen.
Beruflich fokussiert: Dieses Modell wird überwiegend von männlichen Befragten verkörpert, die ebenfalls alle Kinder haben. Deren Betreuung übernehmen in der Regel die Partnerin oder externe Einrichtungen. Berufliche Auszeiten wurden in der Anstellung nur selten genommen und sind zukünftig nicht in größerem Umfang geplant. Die Zahnärzte dieser Gruppe legen Wert auf die Selbstverwirklichung in der Niederlassung. 25 Prozent der Studienteilnehmenden leben dieses Modell.
Selbstbestimmt und ungebunden: In diesem Modell finden sich Zahnärztinnen und Zahnärzte zu gleichen Teilen, insgesamt 34 Prozent der Studienteilnehmenden. Alle sind zum Zeitpunkt ihrer Niederlassung kinderlos, viele äußern jedoch einen Kinderwunsch für die Zukunft. Rund 20 Prozent planen perspektivisch berufliche Auszeiten für Kinder ein. Die Niederlassung bietet ihnen zunächst berufliche Stabilität und die Möglichkeit, die eigene Praxis nach individuellen Vorstellungen aufzubauen, bevor familiäre Veränderungen anstehen.
Familiär bedingte Ausfallzeiten in der Gründungsphase können herausfordernd sein. Eine klare Aufgabenverteilung im Team sowie verlässliche externe Betreuungslösungen unterstützen den Übergang in die neue Lebens- und Arbeitssituation. Die befragten Zahnärztinnen und Zahnärzte organisieren diese Phasen durch reduzierte Behandlungszeiten, Praxisurlaub oder professionelle Vertretungsregelungen. Manche setzen auf Kooperationen mit Kolleginnen und Kollegen in benachbarten Praxen oder nutzen familiäre Unterstützung, um die Betreuung der Patientinnen und Patienten abzudecken.
Zahnärztinnen und Zahnärzte reflektieren die Wechselwirkungen zwischen Familienplanung und beruflicher Selbstständigkeit sehr bewusst und gestalten sie aktiv. Viele sehen in der Niederlassung eine Chance für mehr Autonomie und Flexibilität im Berufs- und Privatleben.
Die Niederlassung kann auf unterschiedlichen Wegen den nötigen Gestaltungsspielraum bieten, sofern die individuellen Lebensumstände und Bedürfnisse in die Praxisplanung mit einbezogen werden. So können die Arbeitszeiten, die Teamstruktur und die Standortwahl gezielt auf persönliche Bedürfnisse abgestimmt werden. Das Praxismodell sollte deshalb nicht nur zu den beruflichen Vorstellungen passen, sondern auch zur privaten Situation.
Zur Methodik: Die Studie „Berufsbild angehender und junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“ basiert auf longitudinalen Primärdaten, die zwischen 2014 und 2019 deutschlandweit im Mixed-Methods-Design erhoben wurden. Alle Zahnmedizinstudierenden, die im Wintersemester 2014/15 im 9. oder im 10. Fachsemester eingeschrieben waren, wurden zur Teilnahme eingeladen und quantitativ (2015: n = 1.395; 2017: n = 618; 2019: n = 570) sowie qualitativ befragt. Ergänzend fand 2023 eine bundesweite quantitative Erhebung unter allen neu niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten der Jahre 2021 und 2022 statt (n = 622).






