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Bahr unterstützt Praxisfahrschule

sg/dpa
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Im Kampf gegen den Ärztemangel muss jungen Medizinern nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die Scheu vor der eigenen Praxis genommen werden. So wie in einem Thüringer Modellversuch.

Viele schreckten das finanzielle Risiko und der Verwaltungsaufwand einer eigenen Praxis ab, sagte er. Eine Alternative seien darum Modelle, bei denen die Praxen von einer Stiftung der Kassenärztlichen Vereinigung oder gar Kommunen betrieben würden und der Arzt nur angestellt sei. "Die Zahl solcher Eigeneinrichtungen wird zunehmen", so Bahr in Weida bei Gera. "Thüringen ist Vorreiter in Deutschland bei passgenauen Lösungen für Versorgungsprobleme in der Fläche." 

Stiftung als Auffanglösung

Beispiel Weida: Jahrelang sei die Praxis eine Gemeinschaftspraxis gewesen, erklärt Allgemeinmedizinerin Kristin Hoyer. Als ihre Kollegin ausstieg, habe sie sich an die Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung in Thüringen gewandt. "Ich wollte sie nicht allein fortführen, wollte aber trotzdem für die Patienten da sein", erzählte Hoyer.

Nicht nur die finanziellen Risiken, auch die Angst, ihre Familie könne zu kurz kommen, hätten sie dazu bewogen. Seit Anfang April wird die Praxis nun von der 2009 von Freistaat und Kassenärztlicher Vereinigung gegründeten Stiftung getragen. 

Bahr: Ziel bleibt freiberufliche Selbstständigkeit

Laut Bahr braucht es flexible Lösungen, um die medizinische Versorgung auch künftig überall sicherstellen zu können. Und diese könnten von Region zu Region unterschiedlich aussehen. "Hier in Weida ist die Situation eine ganz andere als in Berlin-Charlottenburg und dort wieder anders als im Münsterland." In den Praxen der Stiftung sehe er keine Dauer-, sondern nur eine Übergangslösung. Es bleibe das Ziel, dass Ärzte ihre Praxis möglichst selbst betreiben, betonte Bahr.

Nur wenn partout kein Nachfolger gefunden werde, kämen solche Lösungen in Betracht. Zudem müsse es den Ärzten möglich sein, die Praxis nach einigen Jahren doch selbst zu übernehmen.  Die Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Annette Rommel, sprach von einer "Praxisfahrschule", bei der junge Mediziner den Betrieb einer Arztpraxis lernen könnten, ohne große Risiken einzugehen.

Praxis-Betrieb in Eigenregie

"Die Übernahme ist keine Legende, sondern Realität", betonte Rommel. Zwei einstige Praxen der Stiftung in Ohrdruf und Gotha würden inzwischen von den Ärzten in Eigenregie betrieben. Neben der neuen Stiftungspraxis mit Modellcharakter in Weida gibt es derzeit in Thüringen zwei weitere solcher Hausarztpraxen in Gotha und Gräfenthal. Eine weitere soll im Nordwesten des Landes entstehen. Insgesamt suchen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung im Freistaat rund 250 Haus- und Fachärzte einen Praxisnachfolger.

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