Dentalzentren: Französische Zahnärztekammer rügt lasche Kontrollen
„Über 400 Dentalzentren allein innerhalb der Stadtgrenzen von Paris – und eine Gesundheitsbehörde, die unseren Quellen zufolge nur 12 Inspektionen pro Jahr durchführen kann", moniert die Französische Zahnärztekammer (Ordre National des Chirugiens-Dentistes, ONCD).
Für den ONCD spiegelt dieses Beispiel den Zustand der regionalen Gesundheitsbehörden (Agence régionale de santé, ARS) in ganz Frankreich wider. „Der eklatante Mangel an Mitteln der Ämter zur Kontrolle der dentalen Zentren ist unstrittig“, stellt der ONCD fest.
Dabei zeuge die Zunahme von Verwaltungs- und Gerichtsentscheidungen zu diesen Zentren und Ketten von zahlreichen und anhaltenden Problemen, die unmittelbar die Versorgung und die Sicherheit der Patienten gefährden, führt der ONCD aus und verweist auf schwerwiegende Verstöße gegen Hygienevorschriften, Betrug bei der Krankenversicherung sowie illegale Berufausübung. „Ganz zu schweigen von der Schande, die unserem Berufsstand durch Personen zugefügt wird, deren entwürdigende Handlungen in zweifelhaften Einrichtungen weder kontrolliert noch eingedämmt werden!"
Die Patientensicherheit ist in Gefahr
Diese Entwicklung sei sehr besorgniserregend, auch wenn der ONCD die jüngsten Entscheidungen der ARS zur Aussetzung oder Schließung von Einrichtungen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit begrüßt.
Der ONCD als Berufsvertretung der französischen Zahnärztinnen und Zahnärzte bekräftigt in dem Zusammenhang, dass er sich seinerseits der Verantwortung stelle, indem er bei bekanntgewordenen Straftaten verstärkt Beschwerde gegen die Zentren und gegebenenfalls ihre Leiter und angestellten Zahnärzte einreicht.
Die Berufsvertretung will stärker durchgreifen
Parallel dazu plant der ONCD eine Aufwertung des Status des Praktikumsleiters (statut de maître de stage, MSUO) in Zahnarztzentren, insbesondere in unterversorgten Gebieten. Ziel ist es, die pädagogische Betreuung der Studierenden zu stärken und Anreize für die Niederlassung in medizinisch unterversorgten Gebieten zu schaffen – und am Ende die Qualität der zahnärztlichen Versorgung in den Dentalzentren zu heben.
Die Reform des dritten Zyklus in der Zahnmedizin (R3C) sieht zudem die Einführung eines Diplôme d'Études Supérieures (DES) in allgemeiner Zahnmedizin vor. Dabei geht es ebenfalls darum – durch die Verlängerung der Praktika, einer verbesserten Ausbildung der Praktikumsleiter sowie einer Stärkung der Vernetzung – die Dentalzentren und -ketten stärker zu kontrollieren.
Es sei jedoch unmöglich für den Verband, sich um alle diese Verfehlungen zu kümmern und die Versäumnisse der ARS auszugleichen: Das Gesetz habe ihm weder die Befugnis noch die finanziellen Mittel dafür gegeben.
Dentalzentren verstoßen (immer noch) gegen das Gesetz
Auszugsweise schildert der ONCD, wie dentale Zentren immer noch gegen das Gesetz verstoßen und dadurch die Patientensicherheit gefährden. Und wie lange es dauert, bis die Behörden gegen solche Übertretungen wirksam vorgehen.
In einem zahnärztlichen Zentrum in Nanterre hatte das Gesundheitsamt (ARS Île-de-France, ARS IDF) im Januar 2025 schwerwiegende Mängel in Bezug auf Hygiene und Sterilität festgestellt und eine detaillierte Liste der Gesetzesverstöße Ende April 2025 übermittelt. Der Einrichtung wurde eine Frist von einem Monat eingeräumt, um die Defizite zu beheben. Im Juli entzogen die Krankenkassen (Caisse Primaire d'Assurance Maladie, CPAM) der Einrichtung aufgrund von ungerechtfertigten Zahlungen in Höhe von über 600.000 Euro die Zulassung. Die ARS IDF ordnete am 3. Oktober die Schließung des Zentrums an. Im August hatte die ARS IDF eine Einrichtung im Zentrum von Paris aus ähnlichen Gründen stillgelegt.
Im Oktober setzte die ARS Provence-Alpes-Côte d'Azur (ARS PACA) in der Region Nizza die Zulassung eines Zentrums aus. Die Einrichtung hatte plötzlich dichtgemacht ohne die Patienten darüber zu informieren, angeblich war wegen Urlaubs vorübergehend zu. Der Fall ist noch anhängig.
Ende März wurde die Tätigkeit dreier Zahnarztzentren in Marseille von der ARS PACA wegen Gefährdung der Versorgung und der Patienten ausgesetzt. Die Einrichtungen wurden angewiesen, die festgestellten Mängel innerhalb von acht Tagen zu beheben. Da sie dieser Aufforderung nicht nachkamen, verkündete die ARS am 6. Mai ihre endgültige Schließung.
Eine Zahnklinik im Departement Bouches-du-Rhône wurde von der ARS Paca endgültig geschlossen, da sie die für die Erteilung ihrer Zulassung erforderlichen Vorschriften nicht einhalten konnte. Zwei weitere Einrichtungen in der Region wurden gleichzeitig geschlossen, nachdem eine Kontrolle der ARS schwerwiegende Verstöße gegen die Hygienevorschriften aufgedeckt hatte, die die Sicherheit der Behandlungen gefährdeten.
Hinzu komme, dass sich die Behörden selbst offenbar nicht immer gut mit den Gesetzen auskennen. So berichtet der ONCD über einen Fall, in dem ein Amt eine regionale Zahnärztekammer bat, die sogenannte Zoneneinteilung der Zahnarztzentren zu kontrollieren*. Diese Festlegung liegt allerdings im Zuständigkeitsbereich der ARS, woran die Kammer sie (das Gesundheitsministerium in Kopie) daraufhin freundlich erinnerte.
*In Frankreich werden Zahnarztpraxen und -zentren zur Steuerung der Versorgung in verschiedene Zonen eingeteilt (Zonage des chirurgiens-dentistes). Diese Einteilung basiert auf der Dichte an Zahnärzten pro Einwohner in einer bestimmten Region und wird von den regionalen Gesundheitsbehörden (ARS) festgelegt.





