Eine schlechte Mundgesundheit als Kind erhöht das Risiko für Herzerkrankungen im Erwachsenenalter
Für ihre Kohortenstudie analysierten die Forschenden Daten aus dem Nationalen Kinderzahnregister der dänischen Gesundheitsbehörde von 568.778 Kindern, die zwischen 1963 und 1972geboren wurden. Diese Werte verglichen sie mit Daten des Nationalen Patientenregisters zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus den Jahren 1995 bis 2018, in denen die Probanden zwischen 30 und 56 Jahre alt waren.
Je schlimmer die Zahnprobleme als Kind, desto höher später die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Im Ergebnis identifizierten die Wissenschaftler mehrere auffällige Muster. Kinder mit zahlreichen Kariesstellen hatten im Erwachsenenalter ein bis zu 45 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Kinder mit wenigen Kariesstellen. Bei Kindern mit schwerer Gingivitis lag das Risiko um bis zu 41 Prozent höher. „Die Zahlen variieren zwar je nach Geschlecht, der Trend ist jedoch für beide Gruppen eindeutig“, schreiben die Autoren. Je schlimmer die Zahnprobleme im Kindesalter, desto höher erschien später die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Was also erklärt den Zusammenhang zwischen Zahnerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Die Forscher können dies anhand dieser Studie nicht mit Sicherheit beantworten, da sie die Ursachen nicht untersuchten, sondern lediglich statistische Korrelationen ermittelten. Sie vermuten jedoch auf einen Zusammenhang mit Entzündungen.
Schon die Kindheit hat Einfluss darauf, wie der Körper später auf Entzündungen reagiert
„Wir vermuten, dass die Exposition gegenüber hohen Entzündungswerten in Form von Zahnfleischerkrankungen und Karies bereits in der Kindheit Einfluss darauf haben kann, wie der Körper später auf Entzündungen reagiert“, sagt Studienautorin Nikoline Nygaard.
Sie und ihre Kollegen verweisen in dem Zusammenhang neben weiteren Studien auf den Konsensusbericht der World Heart Federation, demzufolge es starke Belege dafür gibt, dass Parodontitis das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Der Bericht legt demnach nahe, dass Bakterien aus dem Zahnfleisch systemische Entzündungen an anderen Stellen im Körper auslösen und so die Arteriosklerose und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschleunigen können.
In einer weiteren Studie untersuchten Nygaard und ihre Kollegen ebenfalls den Zusammenhang zwischen Mundgesundheit und Typ-2-Diabetes und fanden ein ähnliches Muster: Kinder mit schwerer Parodontitis hatten ein bis zu 87 Prozent höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, während das Risiko bei Kindern mit mehreren Kariesstellen um 19 Prozent höher war.
„Wir können nicht ausschließen, dass der Lebensstil eine wichtige Rolle spielt. Aber selbst nach Berücksichtigung des Bildungsniveaus ist die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer noch recht hoch“, sagt Nygaard.
Obwohl die Studie lediglich Korrelationen zwischen Mundgesundheit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht und somit keinen Kausalzusammenhang belegen kann, deutet sie den Autoren zufolge dennoch auf ein erhebliches Präventionspotenzial hin: „Dies ist besonders relevant, da Karies im Kindesalter weltweit zu den häufigsten Erkrankungen zählt – und sowohl Karies als auch Zahnfleischerkrankungen durch gründliches Zähneputzen relativ einfach verhindert werden können.“
Nygaard, N., D’Aiuto, F., Eriksen, A. K., et al. (2026). Childhood oral health is associated with the incidence of atherosclerotic cardiovascular disease in adulthood. International Journal of Cardiology. DOI: https://doi.org/10.1016/j.ijcard.2025.134151.


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