Extremhitze erhöht das Risiko für 33 Diagnosen
Extreme Hitze stellt ein zunehmendes Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Eine neue Studie der Northwestern University in Illinois zeigt: Obwohl frühere Studien Zusammenhänge zwischen Hitze und Gesundheit untersucht haben, kann deren Beschränkung auf eingeschränkte Diagnosen und Diagnosekategorien hitzebedingte Erkrankungen übersehen oder falsch klassifizieren.
Hitze wird in den Akten oft nicht dokumentiert
Hitzebedingte Erkrankungen sind allerdings schwer zu erfassen, da in Krankenakten oft nur die behandelte Erkrankung dokumentiert wird, ohne zu vermerken, dass Hitze möglicherweise dazu beigetragen hat. Die Wissenschaftler aus Illinois nutzten deshalb einen datengestützten Ansatz, abgeleitet aus der Genomik, um Diagnosen im Zusammenhang mit extremer Hitzeeinwirkung besser zu verstehen.
Untersucht wurden 1.803 Diagnosen aus 916.904 Notfall- und Akutsprechstunden von 372.140 erwachsenen Patienten in Chicago zwischen Mai und September 2011 und 2023. Dabei wurden 33 Diagnosen identifiziert, die mit extremer Hitzeeinwirkung in Zusammenhang stehen; viele davon waren überraschend oder bisher wenig erforscht.
Von den Patienten waren 57,9 Prozent Frauen, das Durchschnittsalter betrug 52 Jahre. Die größte Altersgruppe bildeten die 25- bis 44-Jährigen. Schwarze und afroamerikanische Patienten waren die größte ethnische Gruppe, und die Bewohner von Chicagos West Side machten den größten Anteil aus. Im Untersuchungszeitraum gab es 100 Tage mit extremer Hitze (33,6 °C und höher).
Von Nierenversagen über MS bis zu Schussverletzungen
Zu den hitzebedingten Diagnosen zählten unter anderem Hautausschläge und Schwellungen, Nieren- und Flüssigkeitshaushaltsstörungen, akutes Nierenversagen, Ödeme, glomeruläre Erkrankungen, Multiple Sklerose, psychische und Verhaltensstörungen, Druckgeschwüre, Insektenstiche und -bisse und Krampfadern der unteren Extremitäten.
Die Identifizierung einer Vielzahl von Verletzungs-, Vergiftungs- und Fremdeinwirkungscodes – darunter offene Wunden, oberflächliche Verletzungen, Körperverletzungen, Verletzungen nach Autounfällen und versehentliche Schussabgaben – untermauert den Autoren zufolge bestehende Erkenntnisse, dass extreme Hitze das Risiko von Unfällen und Gewalttaten erhöht.
Dass die über 900.000 Besuche auf etwa 372.000 verschiedene Patienten zurückgehen, deute auf einen erheblichen Anteil häufiger Nutzer von Akutversorgungsleistungen. „Obwohl unser Fall-Kontroll-Design individuelle Störfaktoren kontrolliert und den Einfluss wiederholter Inanspruchnahme durch Matching innerhalb der Personen abschwächt, könnten unsere Schätzungen dennoch die Ergebnisse von Subpopulationen mit hohem Inanspruchnahmebedarf überproportional widerspiegeln“, schreiben die Wissenschaftler.
Frühere Studien waren zu eng gefasst
Diese Studie ist laut den Autoren die erste, die einen datengestützten Ansatz verfolgt und Methoden aus genomweiten Assoziationsstudien übernimmt, um ein umfassenderes Verständnis des Spektrums an Diagnosen im Zusammenhang mit extremer Hitzeeinwirkung zu gewinnen: „Frühere Studien zu Hitze und Gesundheit begannen typischerweise mit einer vorab festgelegten Liste von relevanten Diagnosen, wie beispielsweise Hitzeerschöpfung, Hitzschlag oder Herzerkrankungen. Dieser Ansatz ist zwar valide, beschränkt aber den Fokus der Forschung zu hitzebedingten Erkrankungen auf bereits bekannte Aspekte.“
„Wenn wir nur die bekannteren hitzebedingten Erkrankungen erfassen, unterschätzen wir die tatsächliche gesundheitliche Belastung durch Hitze, was dazu führen könnte, dass gefährdete Menschen und Gemeinschaften übersehen werden“, sagte die korrespondierende Autorin Hyojung Jang.
Obwohl sich diese Studie auf Chicago konzentriert, geben die Autoren an, dass ihr Studienrahmen auf jede Stadt, jeden Bundesstaat oder jedes Land ausgeweitet und auch mit anderen Arten von Gesundheitsdaten, wie Sterberegistern oder Notrufen, verwendet werden kann.
Hyojung Jang et al. ,Identifying heat-related diagnoses in emergency department visits among adults in Chicago: A heat-wide association study.Sci. Adv.12,eaed3977(2026). DOI:10.1126/sciadv.aed3977


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