Französin kann nach Kehlkopftransplantation wieder sprechen
Die Larynxtransplantation wurde am 3. und 4. September im Croix-Rousse-Krankenhaus in Lyon von einem Team aus zwölf Chirurgen durchgeführt und dauerte 27 Stunden. Fast 50 Fachleute standen ihnen zur Seite. Die 49-jährige Patientin „Karine“ war nach einem Herzstillstand 1996 intubiert worden. Damit einhergehende Komplikationen hatten zu einer Larynxstenose geführt. Im Laufe der letzten 20 Jahre hatte sich ihr Zustand so stark verschlechtert, dass ihre Atmung nur durch eine Tracheotomie sichergestellt werden konnte. Sprechen konnte sie gar nicht mehr.
„Meine Töchter hatten mich zuvor nie sprechen gehört!“
Zwei Monate nach dem Eingriff geht es der Patientin den Experten zufolge gut. Bereits am Tag nach ihrem Erwachen, am 5. September, konnte sie aufstehen und ein paar Schritte machen. Es folgten eine Woche Intensivstation und 45 Tage Krankenhausaufenthalt in der HNO-Abteilung und in der Cervico-Gesichtschirurgie. Ihre immunsuppressive Behandlung wurde nach anfänglichen Abstoßungsreaktionen verstärkt. Sie trainiert jetzt mit einer Logopädin ihre Stimmbänder sowie das Schlucken und Atmen.
Am 26. Oktober kehrte sie schließlich in ihre Heimat in Südfrankreich zurück. Wenn alles so läuft wie erhofft, wird sie laut der Einschätzung der Fachleute in einigen Monaten in der Lage sein, mit normaler Stimme zu sprechen.
„Meine Töchter hatten mich zuvor nie sprechen gehört“, erklärte sie in einer schriftlichen Botschaft anlässlich der Vorstellung der Operation durch das Ärzteteam gestern in Lyon. „Was meinen Mann betrifft, so hatte er den Klang meiner Stimme vergessen.“
Der französische Arzt Philippe Céruse hatte sich über Jahre auf diese OP vorbereitet. Die erste erfolgreiche Transplantation eines Kehlkopfs wurde 1998 in den USA durchgeführt. Zwei weitere gelangen 2010 ebenfalls in den USA und 2015 in Polen. Die Verpflanzung von Kehlköpfen ist selten, weil ihr Ausfall nicht lebensbedrohlich ist.