Grenzenlos vernetzt: Der Generalist im Fokus
„Zahnärzte sind Generalisten“, sagte San.-Rat Dr. Wilfried Woop, Präsident der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, in seiner Eröffnungsrede zum Kongress. „Deshalb verlangt eine gute Behandlung nach Vernetzung unter Kollegen." Er verwies auf die immer deutlicher werdenden Zusammenhänge zwischen Mund- und Allgemeingesundheit, die auch im Kongressprogramm thematisiert würden.
„Als Kammer erwarten wir einen echten Dialog“
Scharf kritisierte der LZK-Präsident die überbordende Bürokratie in den Praxen. Bürokratie und Fachkräftemangel gingen Hand in Hand. „Jede Minute, die in unseren Praxen für überflüssige Dokumentationen und unnötigen Bürokratieaufwand verwendet werden muss, fehlt in der Patientenbehandlung.“ In Richtung Politik beklagte Woop fehlendes Engagement und wurde deutlich: „Auffallend ist, dass wenn wir konkrete Vorschläge unterbreiten, wie etwa mit dem 7-Punkte-Katalog, den wir als Vorstand der BZÄK an die damals neu in ihr Amt gekommene Gesundheitsministerin, Frau Warken, geschickt haben, oder aber den konkreten Vorschlag unserer Vertreterversammlung an unsere Landesregierung zur bedingten Aussetzung der Überwachung von Validierung und Revalidierung, ausschließlich von ordnungsgemäß gewarteten Thermodesinfektoren und Autoklaven, diese jeweils, zwar freundlich, aber nicht weniger bestimmt unter Hinweis auf bestehende Regelungen, abgelehnt werden.„ Dies sei ein augenfälliger Kontrast zu Äußerungen wie man sie auf politischen Veranstaltungen und vor allem vor Wahlen immer wieder höre. „Als Kammer erwarten wir einen echten Dialog und keine ewigen Verweise auf bestehende Regelungen. So kann Bürokratieabbau nicht funktionieren“, so Woop weiter. Diesen Appell richtete der Präsident an die Politik – hier repräsentiert durch Nicole Steingaß, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz, die die Landesregierung durch ein Grußwort vertrat.

Wissenschaftliches Programm: interdisziplinär und innovativ
Prof. Dr. James Deschner (Mainz)betonte als wissenschaftlicher Leiter des Kongresses, welche Bedeutung der Blick über den Tellerrand der zahnmedizinischen Disziplinen habe. So bildeten die Bereiche Prothetik, KFO, Pathologie, Sport, Forensik, Senioren, Endo, Prävention und Kommunikation auf dem Kongress einen „bunten Blumenstrauß an Themen". Auch die Parodontologie war mit mehreren Vorträgen prominent vertreten. Prof. Dr. Jamal Stein und Dr. Christian Hammächer (Aachen) referierten über Parodontitis Stadium IV und „interdisziplinäre Behandlungskonzepte im Spannungsfeld zwischen Zahnerhalt, Funktion und Ästhetik“. Prof. Dr. Stefan Wolfart (Aachen) befasste sich mit der prothetischen Versorgung bei Parodontitis Stadium IV. Er legte seinen Fokus auf das Spannungsfeld zwischen Adhäsivbrücken und Implantatversorgungen.
Faszinierende Forschung zu innovativen Ansätzen stellte Prof. Dr. Meike Stiesch, Direktorin der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde der Medizinischen Hochschule Hannover, vor. Sie berichtete über das unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsprojekt „SIIRI – Sicherheitsintegrierte und infektionsreaktive Implantate“. In diesem Projekt forschen mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Entwicklung innovativer Strategien zur Verbesserung der Implantatsicherheit. So sollen Implantate künftig über Sensoren entzündliche Prozesse an ihrer Oberfläche selbständig erkennen können und beispielsweise mit der Ausschüttung von Antibiotika reagieren. So könne man periimplantäre Infektionen wirksam eindämmen, erklärte Stiesch.
Dr. Dr. Lena Katharina Müller-Heupt erhält den LZK-Forschungspreis
Zur Förderung der Hochschulforschung und des wissenschaftlichen Nachwuchses vergibt die LZK im Rahmen der „Zahnheilkunde“ ihren Forschungspreis für eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit. In diesem Jahr konnte Dr. Dr. Lena Katharina Müller-Heupt (Mainz) den Preis für ihre Studie zum Thema „Biologische Langzeitreaktionen an zweiteiligen keramischen Implantaten – intraindividueller Vergleich klinischer Parameter, periimplantärer Marken und Vitamin-D-Status mindestens fünf Jahre nach Implantation" entgegennehmen. Sie behauptete sich in einem Auswahlverfahren gegen neun Mitbewerber.
Hilfe für kranke Kinder
Seit vielen Jahren gehört die Scheckübergabe von der rheinland-pfälzischen Zahnärzteschaft zugunsten von KIKAM e. V. zur Eröffnung des Zahnheilkunde-Kongresses in Mainz. Das gesammelte Zahngold der teilnehmenden Praxen kommt vor allem Kindern auf der Kinderintensivstation und der Kinderkardiologie an der Unimedizin Mainz zugute. Seit ihrem Beginn 1993 hat die Goldaktion, damals initiiert von San.-Rat Dr. Gert Kohl, insgesamt über 2,6 Millionen Euro gesammelt, diesmal kamen über 200.000 Euro zusammen, die unter anderem für ein Kinder-Herz-Ultraschallgerät und die Kinder-Palliativ-Medizin genutzt werden.





