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Entscheidungshilfe vor Operationen

KI erkennt Blutungsrisiko bei neun von zehn Betroffenen

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Medizin
Chirurgie
Eine neue KI-gestützte Entscheidungshilfe erkennt vor Operationen neun von zehn Patienten mit einer milden Blutungsstörung. Das System wurde erfolgreich an einer unabhängigen Patientengruppe getestet.

Forschende des Inselspitals, Universitätsspital Bern und der Universität Bern haben ein KI-basiertes System entwickelt, das die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer milden Blutungsstörung auf Basis weniger Angaben abschätzt. Das webbasierte Tool ist bereits öffentlich verfügbar.

Milde Blutungsstörungen gehören zu den häufigsten erblichen Blutungsneigungen. Sie bleiben im Alltag oft unbemerkt, können jedoch bei Operationen oder anderen Eingriffen zu vermehrten Blutungen führen.

Für Ärztinnen und Ärzte ist die Einschätzung des Blutungsrisikos häufig schwierig, da die verfügbaren Screeningverfahren nur begrenzt aussagekräftig sind. Deshalb werden viele Patienten mit auffälliger Blutungsgeschichte vorsorglich an Spezialistinnen und Spezialisten überwiesen, um mögliche Blutungsstörungen abzuklären.

Hier setzt die neue Entscheidungshilfe „MBD-Check“ an. Das öffentlich zugängliche Tool unterstützt eine zentrale Frage der klinischen Praxis: Sind vor einem geplanten Eingriff weitere hämatologische Abklärungen sinnvoll? Ziel ist es, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu erkennen und gleichzeitig unnötige Überweisungen sowie zusätzliche Untersuchungen zu vermeiden.

Auch Blutungen bei Zahnextraktionen werden abgefragt

Für die Studie werteten die Forschenden Daten von insgesamt 772 Personen mit Verdacht auf eine milde Blutungsstörung aus. Die Daten von 555 Teilnehmenden dienten zur Entwicklung des Modells, weitere 217 Teilnehmende wurden für die externe Validierung eingesetzt.

Der Algorithmus kombiniert wenige Informationen, die im klinischen Alltag meist bereits vorliegen. Dazu gehören ausgewählte Laborwerte, Angaben zur Blutungsgeschichte, wie das Auftreten von Nachblutungen nach Zahnextraktionen, sowie das Geschlecht. Auf dieser Grundlage berechnet das System die Wahrscheinlichkeit, dass eine milde Blutungsstörung vorliegt.

In der unabhängigen Validierung erkannte MBD-Check 90,2 Prozent der tatsächlich betroffenen Personen korrekt. Die Spezifität lag bei 54,3 Prozent; das Tool ist damit vor allem darauf ausgelegt, Betroffene möglichst zuverlässig zu erkennen. Die Auswertung zeigte zudem, dass es mit wenigen Eingaben auskommt und innerhalb kurzer Zeit genutzt werden kann.

Die Bearbeitung dauerte 72 Sekunden

MBD-Check zeigt auf, welche Informationen besonders zum Ergebnis beigetragen haben. Dadurch können Nutzende nachvollziehen, weshalb das Tool ein erhöhtes oder niedriges Risiko anzeigt.

Getestet wurde die Anwendung zudem von Fachpersonen aus Chirurgie, Anästhesiologie und Hämatologie. Die Bearbeitung von Fallbeispielen dauerte im Median 72 Sekunden. Die Benutzerfreundlichkeit wurde von den Teilnehmenden als sehr hoch bewertet. Die Forschenden betonen, dass das Tool keine ärztliche Beurteilung ersetzt, sondern dabei unterstützen soll, jene Personen zu identifizieren, bei denen vor einem Eingriff weitere Abklärungen sinnvoll sein könnten.

Jetzt erfolgt der Transfer von der Forschung in die Praxis

Sie arbeiten nun daran, das System in klinische Abläufe und digitale Krankenhausinformationssysteme zu integrieren. Künftige Studien sollen zeigen, ob sich präoperative Abklärungen dadurch effizienter gestalten lassen und spezialisierte Ressourcen gezielter dort eingesetzt werden können, wo sie am meisten benötigt werden.

Nilius H. et al. Development, validation, and user-centric evaluation of an interpretable machine learning decision support tool for the preoperative prediction of mild bleeding disorders (MBD-Check): a prospective diagnostic prediction study. The Lancet Digital Medicine 2026. Online ahead of print. Doi: https://doi.org/10.1016/j.landig.2026.101019

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