Krankenstand wegen statistischem Effekt der eAU um 2,5 Tage höher
2025 fielen die bei der AOK versicherten Beschäftigten im Durchschnitt 23,3 Tage krankheitsbedingt aus. Damit liegen die Fehlzeiten leicht unter dem Niveau des Vorjahres mit 23,9 Krankheitstagen und etwa einen Tag unter dem bisherigen historischen Höchststand von 2022 mit 24,5 Tagen.
Bei Kurzzeit-Erkrankungen verschob sich das Niveau nach oben
In einer Modellrechnung zeigt das WIdO, dass bei einer Fortschreibung der AU-Tage aus den Jahren 2016 bis 2019 ein deutlich geringerer Anstieg der Fehlzeiten zu erwarten gewesen wäre, als im Jahr 2025 gemessen worden ist. Nach dieser Modellierung wurden für 2025 insgesamt 20,8 Fehltage ermittelt, was mehr als 10 Prozent beziehungsweise 2,5 AU-Tage unter dem tatsächlichen Wert liegt.
"Die Einführung der elektronischen Krankschreibung im Jahr 2022 hat bei den beruflichen Fehlzeiten zu einer bemerkenswerten Niveau-Verschiebung nach oben geführt“, bestätigt WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder. Die aktuelle WIdO-Analyse zeige, dass der Grund dafür vor allem ein sprunghafter Anstieg von AU-Meldungen wegen kurzzeitiger Erkrankungen ist.
So wurden seit 2022 deutlich mehr AU-Tage aufgrund von Erkrankungen bis 14 Tage verzeichnet: Während 2016 noch 6,7 AU-Tage auf diese kurzen Erkrankungen zurückzuführen waren, waren es 2022 10,1 und 2025 durchschnittlich 9,1 Tage. Bei längeren Erkrankungen von mehr als sechs Wochen waren im ausgewerteten Zeitraum dagegen keine vergleichbaren Verschiebungen zu beobachten.
Früher haben Versicherte diese Fälle nicht gemeldet
„Der starke Anstieg der beruflichen Fehlzeiten wegen Kurzzeit-Erkrankungen ist ein Hinweis darauf, dass wir in unserer Statistik jetzt viele Fälle erfassen, die den Krankenkassen früher nicht gemeldet worden sind“, erläutert Schröder. Seit der Einführung der eAU im Jahr 2022 werden alle AU-Bescheinigungen automatisch von den Arztpraxen an die Krankenkassen geschickt. Zuvor oblag es den Versicherten, die Papier-Bescheinigungen an ihre Krankenkasse zu übermitteln – und dies wurde insbesondere bei kurz andauernden Erkrankungen nicht zuverlässig gemacht. „Folgerichtig sehen wir seit Einführung der eAU einen deutlichen Anstieg der Krankmeldungen infolge kurzer Erkrankungen“, so Schröder.
Dies bestätigt auch eine Analyse des WIdO mit den Daten der AOK-versicherten Beschäftigten aus der vertragsärztlichen Versorgung. Beispielhaft ausgewertet wurden alle ambulant-hausärztlich gestellten Diagnosen von akuten Atemwegsinfektionen, die mit Abstand der häufigste Grund für Krankschreibungen bis zu 14 Tagen sind: Während 2019 nur bei 65 Prozent der dokumentierten Arztbesuche wegen akuter Atemwegsinfektionen auch eine AU der behandelnden Ärztinnen und Ärzte vorlag, lag dieser Anteil im Jahr 2024 bei knapp 86 Prozent.
„Weder bei der durchschnittlichen Erkrankungsschwere noch in der ärztlichen Krankschreibungspraxis dürfte es in diesem Zeitraum große Veränderungen gegeben haben“, kommentiert Schröder die Daten. „Der Grund für den Anstieg dürfte also insbesondere die vollständigere Übermittlung der kurzen Krankschreibungen infolge der Einführung der eAU sein."
Neben der Einführung der eAU und der erhöhten Prävalenz von Atemwegserkrankungen seit der Covid-19-Pandemie gibt es laut WIdO weitere Faktoren, die zu einem Anstieg der Fehlzeiten beitragen. Dazu gehört laut der WIdO-Analyse vor allem der stetige Anstieg von Erkrankungen mit einer Dauer von über sechs Wochen. Sie machen mit 3,3 Prozent zwar nur einen relativ geringen Anteil der AU-Fälle aus, verursachen aber demzufolge den höchsten Anteil der AU-Tage (über 40 Prozent). Zum Vergleich: Die kurzen Erkrankungen bis zu sieben Tagen begründen 71 Prozent der AU-Fälle, ergeben aber nur 23 Prozent der AU-Tage.
Für die Analysen des WIdO wurden die Daten von etwa 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten ausgewertet.


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