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Neue Krankenkassendaten belegen

Mafiöse Strukturen in französischen Dentalketten

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Politik
Neue Daten zeigen: In Frankreich nutzt die organisierte Kriminalität zunehmend auch Dentalketten, um das Gesundheitssystem auszunehmen. Die Zahnärztegewerkschaft Union Dentaire plädiert daher für ein Verbot von Neugründungen.

Die französische Krankenversicherung (L'Assurance Maladie) hat aktuelle Zahlen vorgestellt. Demnach hat sie 2025 Betrugsfälle im Wert von 723 Millionen Euro verhindert und 15 Prozent mehr Delikte aufgedeckt als 2024. Die Erfolgsquote bei der Betrugsbekämpfung im Krankenversicherungssektor habe sich seit 2021 somit verdreifacht. Dabei hätten sich die Betrugsmaschen in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt: Die Netzwerke seien besser organisiert, die Mechanismen ausgefeilter und man habe es zunehmend mit Playern zu tun, die nicht aus dem Gesundheitswesen stammen.

Zwar wurden der Behörde zufolge mehr als die Hälfte der Betrügereien (53 Prozent) von Versicherten begangen, diese Fälle machten aber lediglich 16 Prozent (115 Millionen Euro) des Gesamtverlusts aus. Hauptsächlich ging es hier um Abzocke beim Krankengeld (Schäden in Höhe von fast 49 Millionen Euro) und Leistungsbetrug (28 Millionen Euro), insbesondere im Zusammenhang mit dem Aufenthaltsstatus.

Betrug ist den Gesundheitszentren offenbar eingeschrieben

Demgegenüber gingen 28 Prozent der Machenschaften auf das Konto von Akteuren im Gesundheitswesen – sie verantworteten fast drei Viertel der Verluste. Einzelne Bereiche seien dabei für besonders hohe Schadenssummen verantwortlich, teilte die Behörde mit, darunter ganz vorne Gesundheitszentren (138 Millionen Euro), Hörgeräteakustiker (85 Millionen Euro) und Transportunternehmen (62 Millionen Euro).

Wie die Behörde berichtete, habe sie durch landesweite Prüfungen und die Kündigung von Verträgen zahlreiche Missstände beseitigen können: So wurden allein 2025 insgesamt 23 Gesundheitseinrichtungen geschlossen (30 im Jahr 2024, 21 im Jahr 2023). Die im Jahr 2025 beobachteten Muster zeigten jedoch eine Weiterentwicklung in Art, Organisation und Geschwindigkeit der betrügerischen Aktivitäten, was eine erhöhte Wachsamkeit seitens der Krankenversicherung sowie der Polizei und der Justizbehörden erfordere.

„Die Zahnärzteschaft weigert sich, zuzulassen, dass Gelder, die für die Versorgung der Franzosen bestimmt sind, in den Taschen unehrlicher Organisationen verschwinden.“

L'Union dentaire

„Betrug ist untrennbar mit diesen Ketten verbunden“

Angesichts der Betrugsskandale in Dentalketten fordert die Union dentaire den Gesundheitsminister dazu auf, folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  • Verbot der Gründung neuer Zahnzentren

  • Überprüfung aller bestehenden Zentren (Standards, Personal)

  • Überprüfung der Qualifikationen aller Mitarbeiter (Behandler und Assistenten)

  • Prüfung von Buchhaltungsunterlagen zur Aufdeckung von Finanzmanipulationen und Veruntreuung

  • Verbot der Leitung eines Zentrums durch einen Zahnarzt, dem die Ausübung seines Berufs untersagt ist.

Inzwischen seien für das Krankenversicherungssystem 1.700 speziell geschulte Mitarbeiter im Kampf gegen den oganisierten Betrug im Einsatz. Dazu gehörten Datenwissenschaftler, Rechtsexperten, vereidigte Gutachter, beratende Fachkräfte und seit dem letzten Jahr auch 60 Justizermittler, die polizeiliche Befugnisse haben. Sie ergänzten damit die traditionellen Ressourcen der Krankenversicherung.

Ziel sei, die Drahtzieher der Netzwerke zu fassen, um die Organisationen zu zerschlagen sowie präventive Kontrollen zu verstärken, um die Verbreitung neuer Betrugsmaschen zu verhindern. Nach mehrmonatiger Tätigkeit hätten die Ermittlungseinheiten (Les pôles interrégionaux d’enquêteurs, Piej) bereits Betrugsfälle in Höhe von fast 20 Millionen Euro ans Licht gebracht und gestoppt.

Versicherungsgelder unter dem Deckmantel eines soziales Dachs systematisch zu veruntreuen.

Die Union dentaire fordert den Gesundheitsminister nun auf, Neugründungen von Zahnzentren und Dentalketten zu verbieten: Seit 15 Jahren sei die Presse voll von Fällen, Skandalen und Betrügereien, die immer von denselben Zentren ausgehen: Gemeinnützig deklarierte Ketten, die gemäß dem HPST-Gesetz* vom 21. Juli 2009 gegründet wurden und darin eine Möglichkeit gefunden haben, Versicherungsgelder unter dem Deckmantel eines soziales Dachs systematisch zu veruntreuen.

*Das HPST‑Gesetz („Hôpital, Patients, Santé et Territoires“) von 2009 sollte das gesamte Gesundheitssystem reformieren und hat dabei insbesondere auch die Gründung von Gesundheitszentren und Dentalketten erleichtert.

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