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Systematischer Krankenkassenbetrug in Frankreich

Und wieder steht eine Dentalkette im Zentrum der Machenschaften!

In Frankreich haben Kriminelle die staatliche Krankenkasse um 58 Millionen Euro betrogen. Im Zentrum eines der größten Betrugsskandale in der Geschichte des französischen Gesundheitssystems steht – surprise – eine Dentalkette, deren neue Betreiber systematisch fiktive Leistungen abgerechnet haben.

Sieben Männer und Frauen im Alter zwischen 23 und 57 Jahren wurden am 25. März in Paris dem Untersuchungsrichter vorgeführt und wegen organisierten Betrugs, organisierter Geldwäsche und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung angeklagt, verkündete die Pariser­ Staatsanwältin Laure Beccuau am Tag darauf. Eine ­Person wurde in Untersuchungshaft genommen, die anderen ­stehen unter richterlicher Aufsicht.

Der Vorwurf: Massiver Betrug bei den Abrechnungen mit der Krankenkasse (Caisse primaire d'assurance maladie, CPAM). Schätzungsweise 58 Millionen Euro sollen die Betrüger veruntreut haben. Mehr als 300.000 Euro Bargeld wurden bei Hausdurchsuchungen beschlagnahmt, weitere Einfrierungen sind Beccuau zufolge im Gange.

In ganz Frankreich hätten „Gesundheitseinrichtungen, insbesondere zahnmedizinische Zentren“ ab Ende 2024 massenhaft erfundene Behandlungen abgerechnet, fasste die Beccuau den Sachverhalt in ihrer Erklärung zusammen. Die CPAM hatte bereits im Vorfeld der großen Anklagewelle Verträge mit zehn Zentren der Kette Nobel Santé+ gekündigt, nachdem dort massive Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Kronen und Brücken festgestellt worden waren.

Abrechnungen liefen auf verstorbenen Zahnarzt

Ans Licht kamen die Auffälligkeiten schon im vergangenen Frühjahr, als am 10. April 2025 der Polizeidienst zur Bekämpfung der Schwarzarbeit (Office Central de Lutte contre la ­Délinquance Itinérante, OCLTI) von der Nationalen Krankenkasse (CNAM) über die Betrugsfälle informiert ­wurde. Ein anonymes Schreiben, das im März 2025 an die Krankenkasse ging, hatte ebenfalls auf Verdächtige aufmerksam gemacht.

Eine Spezialeinheit der Staatsanwaltschaft in Paris (Juridiction Interrégionale Spécialisé, JIRS) leitete daraufhin im ­September eine Untersuchung ein und eröffnete am 23. ­Dezember 2025 das Verfahren. Die Ermittlungen offenbarten: Im gesamten Staatsgebiet hatten mehrere Einrichtungen, insbesondere Zahnzentren der Dentalkette Nobel Santé+, kurz nach ihrer Übernahme durch einen neuen Betreiber ab Ende 2024 damit begonnen, in großem Stil fiktive Leistungen in Rechnung zu stellen. 

„Nahezu alle Abrechnungen lauteten auf Personen, die eine Zusatzkrankenversicherung hatten, und die Beträge lagen weit über den durchschnittlichen Erstattungssätzen der gesetzlichen Krankenversicherung“, berichtete Beccuau. Die Abrechnungen für ein Zahnzentrum in Marseille liefen dabei teilweise auf einen Zahnarzt, der 2021 verstorben war.

Die Patienten waren nie in der Praxis gewesen

„Die ersten Anhörungen bestätigen zudem, dass die genannten Patienten die Behandlungen nie in Anspruch genommen hätten und sich nicht einmal in diesen Zahnzentren eingefunden hätten“, führte sie weiter aus. Die Verdächtigen werden beschuldigt, Patientendaten missbraucht, Bankverbindungen geändert und die Abrechnungssoftware manipuliert sowie bei der Übernahme bestimmter Zahnzentren mitgewirkt zu haben oder dort tätig gewesen zu sein, um den Betrug zu erleichtern. Die 18 betroffenen Gesundheitszentren befinden sich in Paris, Marseille, Soissons, Clamart, Neuilly-sur-Seine, Boulogne, Montmorency, Rueil-Malmaison, ­Gentilly, Vincennes und Fontaine.

„Der Fall steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit den zahlreichen Diebstählen von Verwaltungsdaten“, die in den letzten Jahren stattgefunden haben und Betrügern ermöglichen, persönliche Daten auf dem Schwarzmarkt zu kaufen, sagte Fabien Badinier, der bei der CNAM für die Aufklärung von Betrugsfällen zuständig ist.

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