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Expertinnen fordern

Medizinische Versorgung von Frauen muss besser werden

Weil die Medizin noch zu stark mit einer auf Männer fokussierten Datenbasis arbeitet, werden Frauen immer wieder schlecht oder sogar falsch versorgt, kritisieren verschiedene Aktionsbündnisse für Frauengesundheit. sebra - stock.adobe.com
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Politik
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Datenlücken gefährden die medizinische Versorgung von Frauen und können zum Beispiel verspätete Diagnosen zur Folge haben. Der Runde Tisch der Frauen im Gesundheitswesen hat Handlungsempfehlungen ausgesprochen.

Neben zu späten oder falschen Diagnosen resultieren aus dem mangelnden geschlechterspezifischen Fokus auch Probleme wie vermeidbare Nebenwirkungen. So würden Medikamente in klinischen Studien nach wie vor überwiegend an Männern getestet, unterstrich das Aktionsbündnis bei seinem 5. Parlamentarischen Abend in Berlin, an dem circa 130 Fachkräfte aus Politik, Wissenschaft, Versorgung und Gesundheitswirtschaft teilnahmen.

Ein weiteres mögliches Problem, das sich aus den Defiziten ergebe, seien ungerechte Versorgungsentscheidungen. Demnach würden Herzinfarkte bei Frauen häufig übersehen, weil sie sich nicht wie bei Männern mit dem klassischen Symptom Brustschmerz zeigten, sondern mit Übelkeit, Rückenschmerzen oder Erschöpfung.

Für eine nationale Frauengesundheitsstrategie

Auch die im September 2026 neu gegründete „Allianz für Frauengesundheit“ setzt sich dafür ein, die medizinische Versorgung stärker geschlechtsspezifisch zu organisieren. Ziel des sektorenübergreifenden Bündnisses von Fachkräften aus Wissenschaft, Versorgung, Forschung, Wirtschaft und Industrie sowie Patientinnen ist es in diesem Sinne, Frauengesundheit in Deutschland sichtbarer, wirksamer und politisch stärker zu verankern.

Als ersten Schritt strebt die Allianz „die Entwicklung von Eckpunkten für eine nationale Frauengesundheitsstrategie, die wissenschaftliche Evidenz, fachliche Expertise und die Anforderungen der Versorgung berücksichtigt“ an. Zudem will sie gendersensible Forschung fördern, bestehende Versorgungslücken über alle Lebensphasen hinweg schließen, Frauen und Mädchen in ihrer Gesundheitskompetenz stärken sowie innovative Dienstleistungen und Softwarelösungen aus dem FemTech-Sektor schneller für Prävention, Diagnostik und Therapie nutzbar machen.

KI macht es nicht besser

Die Expertinnenrunde äußerte ihr Unverständnis dafür, dass ein Großteil der medizinischen Evidenz in Deutschland bis heute nicht nach Geschlecht ausgewertet werde, obwohl die dadurch entstehenden Vorteile für die Versorgung inzwischen bekannt seien.

In ihrer Keynote „Die Illusion neutraler Daten: Von verzerrter Evidenz zu ungleicher Versorgung“ warnte Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin der Core Unit eHealth and Interoperability am Berlin Institute of Health der Charité, dass sich die Datenlücke mit dem Einzug Künstlicher Intelligenz eher vergrößere als schließe. „KI in der Medizin lernt aus den Daten der Vergangenheit. Wenn diese Daten Frauen kaum enthalten, übernimmt jedes neue System den blinden Fleck von gestern, nur schneller und in größerem Maßstab“, führte Thun aus.

Diese Maßnahmen würden helfen

Aus der Diskussion am Parlamentarischen Abend leitet der Runde Tisch drei Handlungsaufträge ab: Erstens müsse die Kategorie Geschlecht in Registern und in elektronischen Anwendungen verpflichtend, standardisiert und differenziert erfasst und ausgewertet werden. Zweitens brauche es eine Pflicht für Kliniken und Kostenträger, ihre Versorgungsdaten regelmäßig geschlechtsspezifisch auszuwerten und zu veröffentlichen. In einem dritten Schritt sollte Deutschland den Europäischen Gesundheitsdatenraum nutzen, um Geschlechterdifferenzierung als verbindlichen Qualitätsstandard zu etablieren.

Der Runde Tisch der Frauen im Gesundheitswesen wurde 2021 mit dem Ziel gegründet, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen und eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung durchzusetzen. Zu den aktuell elf Trägerorganisationen gehört unter anderem der Berufsverband Dentista.

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