Forschungsverbund aus Jena, Ilmenau und Magdeburg

Mehr Forschung zu Long-COVID bei Kindern

LL
Gesellschaft
Bis zum Februar 2022 wurden in Deutschland mehr als 3.000 Kinder und Jugendliche mit COVID-19 im Krankenhaus behandelt. Ob sie auch an Spätfolgen leiden, ist noch nicht bekannt. Ein Forschungsverbund will das ändern.

Wie bei Erwachsenen können auch bei Kindern selbst nach einer milden Infektion typische Spätfolgen auftreten. Genaue Daten dazu fehlen jedoch, ebenso wie diagnostische und therapeutische Leitlinien oder besondere Rehabilitationsprogramme für Kinder und Jugendliche. Ein Forschungsverbund am Universitätsklinikum Jena, der Technischen Universität Ilmenau und der Universität Magdeburg widmet sich speziell dieser Altersgruppe.

„Wir wollen zunächst ein umfassendes Bild der Erkrankung erhalten und katalogisieren dazu in unserer Long-COVID-Ambulanz systematisch die Beschwerdesymptomatik“, sagt Dr. Daniel Vilser. Der Kinderkardiologe und Oberarzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Jena koordiniert den Verbund LongCOCid; unter seiner Federführung arbeiten die Forschenden mit niedergelassenen Kinderärzten zusammen.

Führt Long-COVID zu Autoimmunerkrankungen oder Allergien?

Sie vergleichen die Krankheitslast von Kindern nach einer SARS-CoV-2-Infektion mit der von Kindern, die an einer anderen Infektion erkrankt waren und werten die Ergebnisse bildgebender und funktioneller Organuntersuchungen bei Long-COVID-Erkrankten aus, wie Ultraschalluntersuchungen von Herz und Lunge.

Außerdem wird die Leistungsfähigkeit der jungen Patienten mithilfe von Belastungstests gemessen. Dabei kommen auch neue Verfahren wie die dynamische retinale Gefäßanalyse zum Einsatz. Mit diesem nicht-invasiven Verfahren kann man die Gefäße am Augenhintergrund mit einem speziellen Flickerlicht untersuchen, um dann auf den Zustand der Blutgefäße in anderen Bereichen des Körpers zu schließen.

Im Blut selbst werden zudem immunologische Marker und Stoffwechselprodukte erfasst, die auf Entzündungsprozesse oder neuronale Schäden hinweisen könnten. Über diese immunologischen Veränderungen wollen die Forschenden zum Beispiel herausfinden, ob Kinder und Jugendliche mit Long-COVID besonders gefährdet sind, Autoimmunerkrankungen oder Allergien zu entwickeln.

„Wir gehen davon aus, dass durch die Verknüpfung unserer Daten mit allen Daten des Konsortiums Biomarker identifiziert werden können, die zur Diagnose von Long-COVID und zur Vorhersage des langfristigen Krankheitsverlaufs beitragen“, erläutert Prof. Dr. Monika Brunner-Weinzierl, Leiterin der Experimentellen Pädiatrie der Universitätsmedizin Magdeburg und verantwortlich für ein Teilprojekt des Vorhabens.

Studien aus Bayern liefern erste Erkenntnisse

Ein Team der Kinderuniversitätsklinik Ostbayern (KUNO) in Regensburg hatte bereits im Oktober 2021 erste Ergebnisse zu Long-COVID bei Kindern veröffentlicht.1Demnach reagieren Kinder immunologisch durchaus anders auf das Virus als Erwachsene. Von 2.832 Kindern bis 17 Jahren zeigten 162 eine überproportional hohe Antikörperantwort, die eine Antikörperbildung gegen das N-Protein und das S-Protein umfasste.

Was bei der akuten Infektionsbewälti­gung bei Kindern von Vorteil zu sein scheint, könnte nach Wochen und Monaten zum Pädiatrischem Multiorgan Immunsyndrom (PMIS) oder zum Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) und anderen Spätschäden beitragen, schreiben die Wissenschaftler.

Forschende der Kinder- und Jugendklinik am Universitätsklinikum Erlangen haben in einem Preprint herausgefunden, dass nach einer COVID-Infektion ohne schwere COVID-bedingte Pneumonie bei Kindern und Jugendlichen auch noch drei bis elf Monate nach der Erkrankung pulmonale Veränderungen auftreten können.2

Studie aus Regensburg: Laub O. et al.: „Symptoms, SARS-CoV-2 Antibodies, and Neutralization Capacity in a Cross Sectional-Population of German Children“ published in Front Pediatr. on Oct 4, 2021.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8522552/

Preprint aus Erlangen: Heiss, R. et al: „Persisting pulmonary dysfunction in pediatric post-acute Covid-19“ pulished in medRxiv on Feb. 21, 2022 DOI:https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2022.02.21.22270909v1

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