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Universität Heidelberg

Prof. Dr. Peter Rammelsberg geht in den Ruhestand

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Zahnmedizin
Am 31. März wurde Prof. Dr. Peter Rammelsberg als Ärztlicher Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Heidelberg in den Ruhestand verabschiedet. Fast 25 Jahre lang leitete er die Poliklinik, parallel hatte er den Lehrstuhl für „Zahnärztliche Prothetik“ an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg inne. Seine kommissarische Nachfolge übernimmt ab dem 1. April Prof. Dr. Andreas Zenthöfer.

Als Rammelsberg im Oktober 2001 von München ans Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) kam, war die Zahnärztliche Prothetik ein komplett anderes Fach als heute: Zahnersatz wurde nahezu vollständig in Handarbeit hergestellt, Kronen aus Gold waren der – buchstäbliche – Goldstandard. Digitale Prozesse steckten in den Kinderschuhen. „Professor Rammelsberg hat dafür gesorgt, dass die wirklich umwälzenden Innovationen, die es in der Zahnärztlichen Prothetik in den letzten 25 Jahren gab, am Universitätsklinikum Heidelberg nicht nur frühzeitig umgesetzt, sondern auch maßgeblich von ihm vorangetrieben wurden“, sagt Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus, Vorstand Medizin des UKHD. „Er übergibt eine Klinik, die methodisch auf dem neuesten Stand und mit rund 18.000 Patientenkontakten pro Jahr höchst erfolgreich ist. Dafür danke ich Professor Rammelsberg im Namen des gesamten Vorstands.“

Nach seinem Start in Heidelberg stellte Rammelsberg innerhalb weniger Jahre die Herstellung von Kronen und Brücken in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik von der analogen auf die computergestützte Konstruktion und Fertigung (CAD/CAM-Fertigung) um. Als mit der Hochleistungskeramik Zirkoniumdioxid ein neuer Werkstoff für Kronen und Brücken auf den Markt kam, untersuchten er und sein Team das Material und dessen Verarbeitungs- und Einsatzmöglichkeiten in zahlreichen Studien. Ihre Forschungsarbeit ebnete den Weg für den Einsatz als monolithische Vollkeramik ohne zusätzliche komplikationsanfällige Verblendschichten. Heute ist Zirkoniumdioxid das Standardmaterial für hochwertigen Zahnersatz. Bislang wird es in Fräsmaschinen bearbeitet, in Rammelsbergs Abteilung gibt es seit 2022 aber den ersten 3D-Drucker für Zirkoniumdioxid. Aktuell läuft eine erste klinische Studie mit 3D-gedruckten Hochleistungskeramiken.

Rammelsbergs Anspruch: Die „ganze Prozesskette“ beherrschen

„Von meinem Vorgänger habe ich eine klinisch sehr gut aufgestellte Abteilung übernommen. Aber das zahntechnische Labor entsprach nicht mehr dem aktuellen Stand“, erinnert sich Rammelsberg. Um Zahnersatz wie Kronen und Brücken in hoher Qualität direkt im Haus herstellen zu können, baute er das vorhandene Zahntechniklabor aus. Parallel modernisierte Rammelsberg das Werkstoffkundelabor, in dem die Zahnmedizinerinnen und -mediziner zusammen mit zwei versierten Ingenieuren unterschiedliche Materialien intensiv auf den Prüfstand stellen. Herzstück ist ein sogenannter Kausimulator. Das Gerät simuliert im Zeitraffer die Dauerbelastung, der alle Materialien für Zahnersatz im Mund über viele Jahre ausgesetzt sind.

Auch minimalinvasive Operationen, bei denen Zahnimplantate im Ober- und Unterkiefer eingesetzt werden, beherrschen Rammelsberg und sein Team. An der Verfeinerung und Etablierung einiger minimalinvasiver Verfahren haben sie durch klinische Langzeitstudien mitgewirkt. „Mir war es immer wichtig, dass wir in unserer Klinik die ganze Prozesskette beherrschen – vom ersten Kontakt mit dem Patienten bis zur Nachsorge“, sagt er. „Davon profitieren alle Beteiligten: die Patientinnen und Patienten, die aus einer Hand mit implantatgetragenen Kronen, Brücken und Prothesen versorgt werden. Die Studierenden der Medizinischen Fakultät, die eine umfassende zahnmedizinische Ausbildung bekommen. Und nicht zuletzt unsere wissenschaftlichen Mitarbeitenden, die für ihre Forschungsarbeit auf kontinuierlich dokumentierte klinische Fälle und gut ausgestattete Labore zurückgreifen können.“

Forschungsarbeit in zentralen Bereichen des Fachs

Für ihre Forschungsarbeiten hätten er und sein Team sich in den vergangenen 25 Jahren immer klinisch relevante Themen ausgesucht, bei denen widersprüchliche Daten oder methodische Probleme dem Einsatz neuer Werkstoffe oder Verfahren im Wege standen. Neben minimalinvasiven Operationsverfahren in der Implantologie und neuen Werkstoffen wie Zirkoniumdioxid war die Diagnose und Behandlung von Kiefergelenkserkrankungen ein weiterer Forschungsschwerpunkt.

In Kooperation mit der Neuroradiologie am UKHD konnte Rammelsberg die Diagnostik von Kiefergelenkserkrankungen durch Magnetresonanztomographie-Aufnahmen verbessern. In seiner Abteilung erhielten bereits 2002 die ersten Mitarbeiter in Deutschland Schulungen nach dem Diagnosestandard RDC/TMD (Research Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders). Diese macht die klinische Diagnostik von Kiefergelenkserkrankungen international vergleichbar und ist die Grundlage dafür, dass Diagnostik in Forschung und schlussendlich in neuen Therapien münden kann. An der Übersetzung des neuen Standards (DC/TMD) ins Deutsche und der Validierung war das Heidelberger Team federführend beteiligt.

Fast 20 Habilitationen auf den Weg gebracht

Von 2004 bis 2010 war Rammelsberg Studiendekan für Zahnmedizin der Medizinischen Fakultät Heidelberg, von 2008 bis 2010 Präsident der Vereinigung der Hochschullehrer für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten. Eine enge Vernetzung der Lehre mit Klinik und Forschung sei in der Zahnärztlichen Prothetik unumgänglich. „Das ist uns in den letzten Jahren sehr gut gelungen. Bei uns sind alle wissenschaftlichen Mitarbeitenden vier halbe Tage pro Woche in der Lehre eingesetzt. Gleichzeitig sind sie entsprechend der Entwicklung ihrer klinischen Kompetenzen in Forschungsprojekte eingebunden“, sagt er.

Das spiegelt sich in der Zahl der Promotionen und Habilitationen wider, die Rammelsberg betreut hat. „An der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg haben seit 2001 insgesamt 16 Medizinerinnen und Mediziner bei Professor Rammelsberg habilitiert. Drei weitere werden voraussichtlich im nächsten Jahr folgen“, sagt Prof. Dr. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. „Das ist eine herausragende Bilanz und das Ergebnis von Professor Rammelsbergs großem Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Wir danken ihm auch für seinen Einsatz im Rahmen der verschiedenen Ämter an der Fakultät, um sowohl Forschung als auch Lehre am Standort voranzutreiben.“

Zur Person

Peter Rammelsberg, 1959 in Berlin geboren, studierte ab 1980 Zahnheilkunde an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. In den folgenden 20 Jahren blieb er den bayerischen Universitätskliniken treu: Nach seinem ersten Jahr als Assistenzzahnarzt an der Universität in Würzburg sammelte er ab 1986 wissenschaftliche und klinische Erfahrungen an der neu gegründeten Zahnklinik in Regensburg, ab 1989 als Oberarzt. 1991 übernahm er die Leitung des Bereichs Funktionsdiagnostik und -therapie sowie der Vorklinik an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Nach erfolgreicher Habilitation (1994) nahm er 1998 den Ruf auf die C3-Professur für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde an der LMU an. Eine Gastprofessur führte ihn 1999 an die University of Washington in Seattle, USA. 2001 wechselte Rammelsberg nach Heidelberg. Seit 2011 ist er – neben der Ärztlichen Direktion der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik – Geschäftsführender Direktor der Mund-, Zahn- und Kieferklinik des UKHD, zu der neben der Prothetik auch die (Poli-)Kliniken für Kieferorthopädie, für Zahnerhaltungskunde sowie für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie gehören.

Ab dem 1. April wird Prof. Dr. Andreas Zenthöfer, Leitender Oberarzt der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Leiter der Sektion Biomaterial und Werkstoffkunde, kommissarisch die Ärztliche Leitung der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik übernehmen.

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