Interview mit Jürgen und Maximilian Bauer

State of the Art einer Zahnarztpraxis

von mr
Industrie
Was ist State of the Art in einer Zahnarztpraxis? Welche Rolle spielt die Digitalisierung? Im Interview geben Jürgen und Maximilian Bauer Antworten.

Was ist State of the Art in einer Zahnarztpraxis, um wettbewerbsfähig zu sein und was ist wirklich der Sinn und Zweck von Digitalisierung?M. Bauer:

Vor 20 Jahren wurden die Praxen noch mit Karteikarten verwaltet. Pro Patient war der Verwaltungsaufwand somit sehr hoch, kaum transparent und umständlich. Das System funktionierte damals dennoch, weil der Patient keine Fragen stellte, sondern sich vertrauensvoll in die Hände des Arztes begab.

J. Bauer:

Das Karteikartensystem ist tatsächlich auch heute noch in manchen Praxen im Einsatz. Allerdings kann in dem Fall heute von Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr die Rede sein.

Wie muss eine Praxis denn heute aufgestellt sein, um wettbewerbsfähig sein zu können?M. Bauer:

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zunächst den konkreten Bedarf ansehen. Wir haben schon oft in der Presse darauf hingewiesen, dass sich das Verhältnis zwischen Zahnarzt und Patienten in den letzten Jahren extrem verändert hat.

Der Patient sieht sich heute als Kunde mit Erwartungen, mit gezielten Fragen und mit Anspruch. Dieser Anspruch bezieht sich schon lange nicht mehr allein auf die fachliche Kompetenz des Arztes. Es geht dem Patienten auch um sein persönliches Wohlbefinden in der Praxis, um das Ambiente, die Atmosphäre, die Freundlichkeit der Helferinnen und um die Frage, wie sich seine Behandlungstermine leichter in seinen von Terminen bestimmten Alltag einbinden lassen.

Viele Patienten haben mittlerweile erkannt, dass eine entsprechende digitale Ausstattung und Organisation in der Praxis zu kürzeren Behandlungszeiten, zu weniger Besuchsterminen und tatsächlich zu besserer Qualität führt.

J. Bauer:

Gerade der Qualitätsanspruch ist von Seiten des Zahnarztes wie auch von Seiten des Patienten heute höher denn je. Auch die Ansprüche des Zahnarztes haben sich verändert: Ein reibungsloser Praxisablauf ist das Ziel, damit er sich voll und ganz auf die Behandlung und auf den Patienten konzentrieren kann. Als moderner Mensch lebt der Zahnarzt freizeitorientierter als seine früheren Kollegen. Das Ziel, mehr Zeit für die Familie und bessere Lebensqualität ist Dank reibungsloser Abläufe und perfekter Technik keine Utopie mehr. Eine moderne Praxisplanung berücksichtigt das.

Und der Schlüssel zu beiden Ansprüchen ist die Digitalisierung?J. Bauer:

Eindeutig Ja! Entgegen aller Vorurteile ist die Digitalisierung im Sinne des Menschen und nicht gegen ihn. Patient und Praxisteam profitieren von schnellen organisatorischen Arbeitsabläufen, von mehr Transparenz und von einem entsprechend entspannten Behandlungsumfeld.

Die einfachen Arbeitsschritte kann man in einer Praxis genauso wie in einem Zahntechniklabor durchweg technisieren bzw. digitalisieren. Das schafft Zeit für die Kernkompetenz eines Zahnarztes oder eines Zahntechnikers, Zeit für die Behandlungskompetenz und schließlich mehr Zeit für den Patienten.

Das Gespräch mit dem Patienten und das Verhältnis zwischen Zahnarzt und Patienten bleiben immer analog, nur die Hilfsmittel werden zunehmend digitalisiert.

Das klingt toll, wären da nicht die hohen Anschaffungskosten. Wie soll sich eine kleine Praxis so etwas leisten?M. Bauer:

Gerade eine kleine Praxis kann nur im Wettbewerb mit großen Gemeinschaftspraxen bestehen bleiben, wenn sie sich digitalisiert. Hier müssen viele Praxen noch umdenken und netzwerkorientierter agieren. Wer sich ein Netzwerk mit Kollegen aufbaut, kann Investitionen im Netzwerk nutzen, seine Fixkosten gering und seine Struktur klein halten. Zudem kann er von den verschiedenen Meinungen im Netzwerk profitieren.

Wer nicht bereit ist, innovativ zu agieren und zu planen, wird in den Ballungszentren nicht mehr mitkommen. Die alte Marktsituation von 2000 gibt es nicht mehr. Die herkömmliche Praxisführung kann somit nicht mehr funktionieren. Gerade bei der zunehmenden Digitalisierung sind Offenheit und persönliches Management anstelle von Einzelkämpfertum gefragt. Die Lücken, die aktuell noch im Markt bestehen, wird der Markt selbst regeln. Darüber muss man sich als Praxisinhaber heute im Klaren sein.

Neue Technologien werden von manchen Zahnärzten immer noch mit Skepsis betrachtet. Wie wollen Sie dem entgegenwirken?J. Bauer:

Stimmt, zu viel Halbwissen und Vorurteile verhindern zu erkennen, dass sich die Technik in der Zahnmedizin und besonders die Kamera- und Computertechnologie mit zunehmender Digitalisierung rasant weiterentwickelt hat. Nehmen wir das Beispiel CAD/CAM: Konnte die Technik anfangs noch nicht wirklich überzeugen, beeindruckt sie heute mit hervorragender Präzision und sogar wesentlich besserer Qualität als die herkömmlichen Methoden.

Aber denken wir weiter. Digitalisierung bezieht sich in einer modernen Praxis nicht nur auf die medizinische Technologie, sondern auf das komplette Praxismanagement und alle Arbeitsabläufe, die digital einfacher umgesetzt und verlässlicher dokumentiert werden können. Terminverwaltung, Röntgen, Sterilisation, Abrechnung – alles greift ineinander mit dem Ziel, Zahnarzt und Patienten schnell die relevanten Informationen zu liefern und somit mehr Zeit für das Wesentliche zu verschaffen. Tatsächlich können sich einige Praxen noch gar nicht vorstellen, wie sie mit Digitalisierung ihren Praxisalltag vereinfachen können und wo sie Sinn macht.

M. Bauer:

Hier sind allerdings auch unsere Politiker sowie die Kammern und Verbände als Organisatoren gefragt. Die Branche braucht mehr Aufklärung und mehr Schulungen. Sogar ein professionelles Praxismanagement ist in manchen Praxen noch ein großes Fragezeichen. Personalführung – ein extrem wichtiges Thema – oder Betriebswirtschaft und Praxismanagement fehlen im Zahnmedizinstudium. Manche Praxen haben ja noch nicht einmal einen Internetauftritt, weil sie nicht bedenken oder vermutlich auch nicht wissen, wie viele Neupatienten heute über das Web gewonnen werden.

Wir haben schon so viele Praxen bei der Digitalisierung beraten und unterstützt, die bestätigen wie viel einfacher und fehlerfreier der Praxisalltag dadurch geworden ist.

Das digitale Konzept funktioniert – auf dem Land genauso wie in den Ballungsräumen. Das können wir mit unserer Erfahrung und unserem Fachwissen eindeutig bestätigen. Man muss nur wissen, wie und mit wem.

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